Schauspielerin, Autorin und vor allem Jazzsängerin: Jasmin Tabatabai gab Freiluft-Konzert in Kalbe

„Schmerz ist einfach unmodern“

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Etwa 400 Musikliebhaber kamen am Sonnabend in den Buchsbaumgarten am Schloss von Goßler in Kalbe und erlebten zweieinhalb Stunden ruhige, aber perfekt aufeinander abgestimmte Musik. 

Kalbe. Kurz nach Sonnenuntergang schaute Jasmin Tabatabai eher zufällig von der Bühne nach rechts. Auf das von fahlem Lila erleuchtete Schloss von Goßler, „Oh“, entfuhr es ihr. Und atmete tief ein: „Wie schön.“

In der Tat: Die Atmosphäre beim Freiluft-Konzert der Jazzsängerin und Echo-Preisträgerin Jasmin Tabatabai, geboren in Teheran und mit den Eltern während ihrer Kindheit vom Iran nach Deutschland übergesiedelt, war fast einzigartig. 

Jasmin Tabatabai gab mit dem David-Klein-Quartett ein oft melancholisches Jazz-Konzert unter freiem Himmel.

Nach einem regenreichen und später schwülen Sonnabend sang die 50-Jährige unter abendblauem Himmel, musikalisch unterstützt vom David-Klein-Quartett, über Liebe, Schmerz und andere Verwundbarkeiten. Und das oft melancholisch, leise und sanft, aber immer perfekt abgestimmt mit den vier Musikern David Klein (Saxophon), Pianist Olaf Polziehn, Bassist Davide Petrocca und Schlagzeuger Peter Gall. 400 Musikliebhaber – und mindestens genau so viele Mücken – hatten den Weg in den Buchsbaumgarten am Schloss gefunden. Gleich im ersten Lied „Was sagt man zu den Menschen, wenn man traurig ist“, nach dem auch ihre aktuelle CD benannt ist, zitiert sie Österreichs berühmten Komponisten Georg Kreisler: „Schmerz ist einfach unmodern.“

Einer der musikalischen Höhepunkte des mehr als zweistündigen Konzerts ist Tabatabais Interpretation des Puhdys-Klassikers „Wenn ein Mensch lebt“, zart in den Abendhimmel gehaucht. Etwas munterer – und damit eine Ausnahme an diesem Abend – kommt Reinhard Meys ironische „Abrechnung“ als Familienvater mit drei Kindern daher, „Aller guten Dinge sind drei“. In jede Zeile („Reinhard Mey ist ein Genie“) könne sie sich als Mutter von ebenfalls drei Kindern hineinversetzen, schwärmt sie vom Text über den Alltag mit widerspenstigen und lärmenden Blagen.

Im Beisein auch von Zichtaus Gutshof-Besitzer Hasso von Blücher, gleichsam Initiator der Altmark Festspiele, in dessen Rahmen das Konzert stattfand, und dem musikalischen Leiter der Festspiele, Reinhard Seehafer, sang Jasmin Tabatabai auch Lieder aus dem Film „Bandits“, den sie vor zwei Jahrzehnten mit Katja Riemann und Nicolette Krebitz drehte. Dazu Texte in englischer, französischer und persischer Sprache. Ein von ihr direkt nach der rund halbstündigen Pause gesungenes Volkslied aus dem Iran, so erzählt sie, erinnere sie an ihren mittlerweile verstorbenen Vater, der in Teheran auf der Terrasse gegessen habe und bei diesem traurigen Liedeslied oft geweint habe. „Dass die Männer im Iran bei ergreifenden Liedern weinen, ist ganz normal“, berichtet sie. Anders als in Deutschland, „da weinen Männer nur beim Fußball.“

Auffallend ist die Freude, die die Musiker auf der Bühne haben. Da darf auch mal ein Witz dabei sein: „So gut, wie Du Klavier spielst, brauchst Du keine Haare“, umschmeichelt Tabatabai den kahlköpfigen Pianisten Olaf Polziehn. Und David Klein, Gründer und Kopf des Quartetts, darf kurz vor der Pause gespielt-tränenreich auf seine zwei Kinder anspielen, die schließlich durchgefüttert werden müssten – von einem Jazz-Musiker, dessen Einkommen nicht wirklich vergleichbar ist mit dem eines Popstars. So lenkte David Klein galant auf den CD-Verkaufsstand am Rande des Buchsbaumgartens über, an dem man sich später doch bitteschön bedienen möge.

Von Stefan Schmidt

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