„Silbersee“ Brüchau: BI wendet sich an Landtagsabgeordnete / „Engie“ möchte Betriebspläne im Frühjahr vorlegen

„Regierung soll endlich handeln“

Brüchau.

Brüchau. Als im November Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff in der Mildestadt zu Gast war, nutzte Christfried Lenz von der Bürgerinitiative (BI) „Saubere Umwelt & Energie Altmark“ die Gelegenheit und übergab ein Anschreiben an Haseloff, in der die BI bezüglich der weiteren Verfahrensweise an der Bohrschlammdeponie Brüchau um Unterstützung bittet. Haseloff versprach, das Thema im Kabinett auf die Tagesordnung zu setzen und der BI auch entsprechend Rückmeldung zu geben (wir berichteten).

„Doch diese steht aus“, heißt es nun in einer schriftlichen Aufforderung, die die BI per E-Mail an die Landtagsabgeordneten Sachsen-Anhalts geschickt hat und die ebenfalls der Altmark-Zeitung vorliegt. Darin kritisiert die BI nochmals den gesamten Umgang mit der schon seit 2012 geplanten Sanierung des giftigen „Silbersees“. In mehreren Veranstaltungen – die letzte fand im September 2016 in Kakerbeck statt – wurde von Bürgern, Kommunal-, Kreis- und Landespolitikern eine zügige Entscheidung hinsichtlich des Silbersees gefordert. Schließlich bestehe unter anderem Sorge wegen der „Ausweitung des Grundwasserschadens, Erkrankungen, Wertverlust der Grundstücke und Imageschaden der Gemeinde...“, heißt es in der E-Mail der BI. Und weiter: „Veranlassen Sie daher bitte, dass die Regierung endlich handelt: Die Grube ist undicht. Das belegen die Untersuchungsprotokolle, die im abfließenden Grundwasser eine stark erhöhte Schadstoffbelastung ausweisen. Somit sind – neben Sanierung des Grundwasserschadens – Auskofferung und Abtransport fällig. Insoweit hierfür noch Untersuchungen (zur genaueren Zusammensetzung des Grubeninhalts) erforderlich sind, müssen diese zügig durchgeführt werden. Über den Gang der Arbeiten muss monatlich öffentlich Bericht erstattet werden.“

Auch der Kalbenser Hauptausschuss hatte sich im Zuge der jüngsten Sitzung im nichtöffentlichen Teil über den „Silbersee“ unterhalten und beraten, welche Empfehlung man dem Stadtrat zur weiteren Verfahrensweise gibt. „Wir sehen wie die BI die Notwendigkeit eines schnelleren Verfahrens“, sagt Karsten Ruth auf Nachfrage der AZ. Auch wenn eine stabile und realistische Datenbasis über den Inhalt des Silbersees notwendig sei, so sei die Dauer eines Erkundungsverfahrens über drei, vier oder mehr Jahre „aus unserer Sicht nicht gewünscht und aus Bürgersicht auch nicht vermittelbar, weil ein weiteres Gefährdungspotenzial über einen langen Zeitraum anwächst“, so Ruth. „Es ist für uns dringend notwendig, das gesamte Verfahren zu straffen.“ Die Kommune suche nun nach Möglichkeiten, „das Verfahren mit Nachdruck zu begleiten“, erklärt Karsten Ruth.

Zum aktuellen Stand bezüglich der Vorgänge an der Bohrschlammdeponie heißt es auf Nachfrage der Altmark-Zeitung von der Pressestelle des Ministeriums für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung: „Die Engie E&P Deutschland GmbH wird die Ingenieurleistungen zur Planung und Begleitung der abschließenden Erkundungsmaßnahmen bis Ende Januar vergeben und voraussichtlich bis April/Mai 2017 Betriebspläne für die Erkundungsmaßnahmen zur Genehmigung beim Landesamt für Geologie und Bergwesen (LAGB) vorlegen.“ Robin Baake von der Pressestelle teilt außerdem mit, dass nach der Veranstaltung im September 2016 bei Beratungen der zuständigen Behörden zur Abstimmung des Erkundungsumfangs auch der Altmarkkreis Salzwedel beteiligt war und die vom Landkreis eingebrachten Vorschläge und Hinweise „sind weitgehend im Untersuchungskonzept berücksichtigt worden und werden bei der Erstellung der Betriebspläne für die Erkundungsmaßnahmen durch Engie berücksichtigt. Darüber hinaus wird der Altmarkkreis Salzwedel auch am Zulassungsverfahren der Betriebspläne beteiligt.

Eine weitere öffentliche Info-Veranstaltung werde es laut Robin Baake vor der Genehmigung der Betriebspläne voraussichtlich nicht geben.

Von Hanna Koerdt

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