Trotz Verurteilung ist unklar, wer hinter dem Steuer saß

Rätselraten vor Gardelegener Gericht: Sechs Monate zur Bewährung für Mann aus Kalbe

  • Ina Tschakyrow
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Gardelegen / Kalbe – Schon vor etwa vier Wochen stand ein Mann aus einem Ortsteil der Einheitsgemeinde Kalbe vor dem Amtsgericht Gardelegen, weil er ohne gültige Fahrerlaubnis, mit falschem Kennzeichen und nicht versichertem Auto unterwegs war (AZ berichtete).

Dabei wurde er im Juni von seinem Nachbarn gesehen – so gab dieser es im Juni gegenüber den Polizeibeamten an. Vor Gericht allerdings nicht. Auch der Angeklagte vereinte mehrmals, selbst mit dem Auto an diesem Tag gefahren zu sein.

Um zu klären, wer tatsächlich am Steuer saß, mussten weitere Zeugen geladen werden. Die Polizisten und zwei Jugendliche, die an dem Tag beim Angeklagten zum „Auto schrauben“ waren, sagten am Dienstag im Amtsgericht aus. Ob diese gefahren sind, wollte Richter Axel Bormann vom Angeklagten wissen. „Möglich“, war seine Antwort, nachdem er erneut die Frage, ob er mit dem Auto gefahren sei, vereinte. Ob es einen Unfall mit dem Auto gab – auch das äußerte der Nachbar gegenüber der Polizei –, wollte der Richter wissen. „Davon weiß ich nichts“, lautete seine Antwort.

Der erste Zeuge, ein Polizist, sagte vor dem Richter aus, dass der Nachbar gesagt habe, dass er den Angeklagten im Auto vorbeifahren gesehen habe. „Wir konnten ihn aber nicht mehr fahrend feststellen“, so der Polizist. Er und sein Kollege, der dasselbe aussagte, hatten an dem Tag mit dem Angeklagten gesprochen, der sagte: „Ich bin nicht mit dem Auto gefahren, ich habe ja auch keine Fahrerlaubnis.“ Eine Anzeige gegen ihn wurde aufgrund der Aussage des Nachbarn angefertigt, so der Polizist weiter.

Der dritte Zeuge, ein 18-jähriger Jugendlicher, der keinen Führerschein hat, sagte aus, auf dem Hof des Angeklagten gefahren zu sein und dass der Angeklagte nicht gefahren sein könne, „weil die Autoschlüssel auf dem Tisch lagen und wir in dem Raum waren“.

Auch der zweite Jugendliche, 17 Jahre alt und ebenfalls ohne Führerschein, gab an, auf dem Hof gefahren zu sein, aber nicht auf der Straße. Ein dritter Jugendlicher aber, so der 17-Jährige, sei mit seinem Auto in der Ortschaft gefahren. Aber nicht mit dem Fahrzeug des Angeklagten, das falsche Kennzeichen hatte.

Laut Aussage des Nachbarn, der am Dienstag erneut geladen war, sind die Jugendlichen „mit rasanter Geschwindigkeit“ „ein paar Mal im Auto gefahren“ und hätten in der Ortschaftt „wilde Sau“ gespielt, weswegen er auch die Polizei informiert habe. Er hätte aber „nie gesagt“, dass der Angeklagte gefahren sei, regte sich der Nachbar zunehmend auf. Die Polizisten hätten ihn falsch verstanden.

Kurz bevor das Urteil gesprochen wurde, irritierte noch eine Aussage das Gericht. Auf Nachfrage der Staatsanwältin, warum er ohne gültige Fahrerlaubnis mehrere Autos auf seinem Grundstück stehen habe, sagte der Angeklagte, dass er Autoteile verkauft – damit hat der Angeklagte ein weiteres Einkommen, was er aber nicht angeben hatte, weil sich damit nicht viel verdienen lasse.

Die Staatsanwältin erklärte, dass sich der Vorwurf gegenüber des Angeklagten bestärkt habe. Sie glaube den Aussagen der Polizisten, die Jugendlichen hätten, so sah es auch Richter Axel Bormann, „Gefälligkeitsaussagen zugunsten des Angeklagten“ gemacht und auch die Aussagen des Angeklagten zweifelte die Staatsanwältin an.

Der Angeklagte wurde wegen vorsätzlichen Fahrens ohne Fahrerlaubnis zu sechs Monaten Freiheitsstrafe verurteilt, die zur Bewährung ausgesetzt wurden.

Rubriklistenbild: © dpa

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