Stadt Kalbe will mit Vorreiterrolle Strukturschwäche entgegenwirken

100 Prozent erneuerbare Energie

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Mit dem Solarpark im Gewerbegebiet an der Vahrholzer Straße hat die Stadt einen weiteren Schritt in Richtung 100-Prozent erneuerbare Energien-Kommune getan. Neben der Unabhängigkeit vom Energiemarkt verspricht sich die Stadt von diesem Vorhaben auch positive wirtschaftliche Auswirkungen.

Kalbe. In Punkto Energie verfolgt die Einheitsgemeinde Kalbe ein hochgestecktes Ziel: Sie will 100-Prozent erneuerbare Energie-Kommune und damit zum Vorreiter der Energiewende werden, um die Zukunftsfähigkeit der Stadt zu steigern.

Ländliche Regionen können nach Ansicht der Verwaltung die Gewinner der Energiewende sein, da sich dort die Potenziale für die Energieversorgung von morgen konzentrieren: Sonne, Wind und Biomasse können auf dem Land unter guten Bedingungen erzeugt werden. Und: meist wird dort weniger Energie verbraucht, als erzeugt wird. So kann der Überschuss in die Ballungsräume exportiert werden.

Energiewende: Bürger sollen profitieren

Kalbes Bürgermeister Karsten Ruth.

Bereits jetzt werde auf dem Gebiet der Einheitsgemeinde mehr Öko-Strom produziert, als die Kommune verbrauchen würde, meint Kalbes Bürgermeister Karsten Ruth. Fünfmal so viel Energie wie benötigt aus Wind, Strom und Biomasse werden nach Aussage Ruths auf dem Stadtgebiet erzeugt. „Allerdings fließt dieser billige Strom wieder aus der Region ab und wir müssen teureren Strom einkaufen“, sagte das Stadtoberhaupt der Altmark-Zeitung. Und auch ein Großteil der Wertschöpfung verbleibt nicht in der Region, da die Masse des bereitgestellten Öko-Stroms von Windkraftanlagen stammt, die von Investoren außerhalb der Region betrieben werden. Der Anteil an Anlagen, die von Landwirten und Bürgern unterhalten werden, sei verhältnismäßig gering. Das soll sich in Zukunft ändern. „Bürgerbeteiligung soll auch bei Investitionen von außerhalb eine stärkere Rolle spielen.“ So soll Kalbes Einwohnerschaft direkter von den erneuerbaren Energien profitieren können, zum Beispiel durch günstigeren Strom oder durch so genannte Bürgerenergieparks.

Wirtschaftliche Vorteile für die Kommune

Aber auch in wirtschaftlicher Hinsicht verspricht sich Ruth vom Vorhaben positive Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Denn die Einheitsgemeinde kämpft mit Standortnachteilen, die einer erfolgreichen wirtschaftlichen Entwicklung im Wege stehen. So umfasst das Stadtgebiet überwiegend ländlichen Raum, die Bevölkerungszahl geht zurück und große Verkehrstrassen, wie die Bundesstraße 71 oder die Bahnverbindung Salzwedel-Stendal, tangieren die Kommune lediglich. Für die Ansiedlung größerer Betriebe seien Kommunen in der direkten Nachbarschaft besser aufgestellt.

Durch die Förderung der erneuerbaren Energien könnten qualifizierte Arbeitsplätze in der Region erhalten oder so gar geschaffen werden. Denn beim Ausbau regionaler Strom- und Wärmeerzeugung durch erneuerbare Energien würde auch das Handwerk vor Ort profitieren.

Unabhängigkeit vom Energiemarkt sichern

Bislang bestimmen fossile Brennstoffe weitestgehend das Bild bei der Energie- und Wärmeerzeugung. Dabei könnte vor allem im Bereich der Wärmegewinnung eine Unabhängigkeit von konventionellen Energieträgern durch die Nutzung regionaler erneuerbarer Energieträger leicht erreicht werden, sind sich die Verantwortlichen in der Stadtverwaltung sicher. Gute Beispiele finden sich hierfür in den zahlreichen Bioenergie-Dörfern, die zum Beispiel die Abwärme von Biogasanlagen zur Wärmeversorgung nutzen. Mit dem Solarpark im Gewerbegebiet hat die Stadt Kalbe zumindest das Potenzial geschaffen, Haushalte mit Solarstrom versorgen zu können. Auch hat der Stadtrat im Juli vergangenen Jahres ein kommunales Klimaschutzkonzept verabschiedet, das die Idee einer 100-Prozent erneuerbaren Energie-Kommune unterstützt. Innerhalb der Verwaltung begleitet eine eigene Personalstelle „Energieverwaltung“ diesen Prozess.

Zudem lege die Stadt bei ihren Sanierungsvorhaben Wert auf energetische Gesichtspunkte. „So sollen die Strom- und Energiekosten zusätzlich runtergefahren werden“, sagte Karsten Ruth.

Von Oliver Heymann

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