Auf Otto Fürst von Bismarck folgt Ulrich Schmidt

Nach der Verleihung der Ehrenbürgerwürde durch den Stadtrat durfte sich Ulrich Schmidt im Beisein von Bürgermeister Karsten Ruth ins Goldene Buch der Stadt eintragen.

Kalbe - Von Conny Kaiser. Helmut Kohl hat sich schon darin verewigt, Uwe Seeler ebenfalls. Seit Donnerstagabend ist auch die Signatur von Ulrich Schmidt im Goldenen Buch von Kalbe zu finden. Denn der Stadtrat hat ihn einstimmig zum Ehrenbürger ernannt. Ein historisch einmaliger Vorgang, dem laut Bürgermeister Karsten Ruth „das Maß an Selbstlosigkeit, an Lokalpatriotismus und Heimatliebe, welches Ulrich Schmidt auszeichnet,“ zugrunde liegt.

Am Ende rollten doch die Tränen. Und zwar nicht nur bei Ulrich Schmidt selbst. Der Mann, der im September seinen 74. Geburtstag feiert, ist während der Stadtratssitzung am Donnerstagabend zum Ehrenbürger von Kalbe ernannt worden. Es handelt sich um einen historisch einmaligen Vorgang, der nach Recherchen von Bürgermeister Karsten Ruth letztmalig im Jahre 1895 stattgefunden hat. Damals wurde Otto Fürst von Bismarck Ehrenbürger der Stadt.

Ulrich Schmidt sei, so Ruth, quasi „der Prototyp eines Ur-Kalbensers“. Doch das ist nicht das, was den Rat zu diesem feierlichen Akt, für den die Gemeindeordnung Sachsen-Anhalts die rechtliche Basis liefert, bewogen hat. „Wer in den vergangenen Jahren mit offenen Augen durch die Gemeinden der Region Kalbe, durch die Ortsteile der Stadt gegangen ist“, so deren Bürgermeister, „der stieß immer wieder auf die Ölspuren des Künstlers Ulrich Schmidt.“ Seine Werke „zieren Kindergärten, Dorfgemeinschaftshäuser, Ortseingänge, Kultureinrichtungen. Sie bereichern Ausstellungen und Galerien. Sie greifen Romantik ebenso auf wie Reizthemen“, so Ruth mit Blick auf die heimatliche Idylle, die Ulrich Schmidt immer wieder auf Leinwände bringt – aber auch mit Blick auf Probleme wie den zunehmenden Transitverkehr. Dazu hat der Künstler Transparente für die Bürgerinitiative entworfen, die sich dem Betrachter durch ihre eindringlichen Darstellungen unauslöschlich ins Gedächtnis brennen.

Schmidts Werke, die er nicht selten unentgeltlich gefertigt hat, vermögen aber laut Karsten Ruth noch etwas anderes: „Die Schaffung eines Selbstverständnisses, einer Identifikation mit der Heimat. Nicht umsonst finden sich Gemälde mit dem Signum des Ulrich Schmidt auch in vielen Stuben von Kalbensern, die ihre Stadt verlassen haben, sie aber in guter Erinnerung behalten und ihren Namen in die Fremde transportieren.“

Mit der Verleihung der Ehrenbürgerwürde – die Idee dazu ist im Rathaus entstanden und dann durch die Ausschüsse abgesegnet worden – hat Ulrich Schmidt die höchste Auszeichnung erhalten, die eine Kommune einem Bürger zuteil werden lassen kann. Sie hat zwar ausschließlich symbolischen Charakter. Dennoch musste der Rat dazu am Donnerstagabend noch einen formellen Beschluss fassen. Dieser fiel einstimmig.

Unmittelbar danach begann eine kurze, aber feierliche Zeremonie, in deren Rahmen der 13-jährige Lukas Graf die Filmmusik aus „Die fabelhafte Welt der Amelie“ auf dem Keyboard spielte und der Bürgermeister eine Laudatio hielt, bei der er die Verdienste Ulrich Schmidts noch einmal in sehr würdevoller Weise herausstellte. Dann wurde der Kalbenser im Beisein seiner Ehefrau Renate und seiner beiden Geschwister Annemarie und Hans gebeten, sich in das Goldene Buch einzutragen. Als er abschließend die gerahmte Ehrenurkunde überreicht bekam, wollte Ulrich Schmidt sich bedanken. Doch Tränen der Rührung erstickten die Stimme. Die Abgeordneten erhoben sich von ihren Plätzen, applaudierten dem neuen Ehrenbürger der Stadt und stießen mit je einem Glas Sekt auf ihn an. Und im Hintergrund leuchteten Adler und Kalb aus jenem großen Kalbenser Wappen, das Ulrich Schmidt erst vor wenigen Wochen für den Sitzungssaal angefertigt hatte.

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