Der Orthopäde, ein Handwerker

Orthopäde Matthias Fischer erläuterte den Gelenkersatz.

Kalbe - Von Conny Kaiser. „Wir haben rund 500 Prothesenarten zur Verfügung. Aber entscheidend ist die Erfahrung des Operateurs.“ Neuartig bedeutet demnach nicht automatisch besser. Das und mehr ließ Matthias Fischer gestern die Mitglieder der Rheumaliga wissen. Sie kamen zum Gruppentreffen in der Median-Klinik Kalbe zusammen, wo der Orthopädie-Chef über künstlichen Gelenkersatz referierte.

„Als ich meinem Vater, der Tischler war, einst sagte, dass ich Orthopäde werde, meinte er nur: Na, dann bist Du ja nachher auch Handwerker.“ Diese kleine Anekdote erzählte Matthias Fischer, Chef-Orthopäde der Median-Klinik Kalbe, gestern vor Mitgliedern der Rheumaliga. Sie waren in die Reha-Einrichtung gekommen, um sich von Fischer über die Möglichkeiten des künstlichen Gelenkersatzes, vor allem im Hüftbereich, aufklären zu lassen. Und in der Tat: Als der Facharzt über die Verfahrensweisen bei Gelenkoperationen berichtete, hatte das durchaus etwas Handwerkliches.

Zwar hantieren Orthopäden nicht mit der Maurerkelle, wohl aber mit Zement. Allerdings werde, so Fischer, auch zementfrei operiert. „Voraussetzung ist aber ein gut regenerationsfähiges Knochengewebe.“ Dieses Verfahren werde also vorrangig bei jüngeren Patienten angewendet. Ohnehin, diese Erfahrung hat der Chef-Orthopäde der Rehaklinik gemacht, werden Patienten, die sich ein neues Hüftgelenk einsetzen lassen, im Durchschnitt immer jünger. „Deshalb ist es wichtig, so knochensparend wie möglich zu operieren.“ Denn nicht selten sei später noch einmal eine so genannte Wechsel-OP erforderlich, weil sich die vorherige Prothese gelockert habe.

Komplett zementiert werde eine Prothese in aller Regel, wenn „osteoporotische Verhältnisse“ beim Patienten vorlägen. Das sei nicht selten ab dem 75. Lebensjahr der Fall. So genannte Hybrid-Endoprothesen, die nur eine Teilzementierung erfordern würden, kämen meist zwischen dem 65. und 75. Lebensjahr zum Einsatz. Entscheidend sei aber stets, wie sich das betroffene Gelenk insgesamt darstelle.

Im Vergleich sämtlicher operativer Verfahren „ist die Versorgung des arthrotischen Hüftgelenks aber das am meisten schmerzbefreiende.“ Damit dieser Zustand auch lange anhalte, sei eine „fachgerechte Nachbehandlung“, bei der nach jahrelangen Schmerzen auch „aufs Herstellen des physischen und psychischen Gleichgewichtes“ geachtet werde, unerlässlich. Anschlussheilbehandlungen, wie sie auch in der Median-Klinik Kalbe erfolgen würden, seien fürs weitere Wohlergehen deshalb von enormer Bedeutung.

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