Nicht nur Steinig brachte Steine…

Kakerbeck - Von Conny Kaiser. „Komm, wir malen eine Sonne…“: Mitten auf der B 71 wurde das Frank-Schöbel-Kinderlied am Mittwochabend in die Tat umgesetzt. Dort, wo sonst der Transitverkehr durchs Dorf rollt, herrschte aus Anlass des Tages gegen den Lärm eine herrliche Ruhe. Nur Vogelgezwitscher war zu hören. „Man könnte sich glatt dran gewöhnen“, meinte Moderator Hans Steinig. Doch vor dem Dorf warteten die Laster schon wieder auf das Signal zur Weiterfahrt…

„Ich ziehe wieder weg. Ich halte es hier nicht aus.“ Ernst Ciesla (Foto rechts) meint mit „Hier“ den Ort Kakerbeck. Rund 80 Dorfbewohner hören am Mittwochabend zu, was er da durchs Mikrofon spricht.

Und sie alle können den alten Mann verstehen. Denn Ciesla wohnt, so wie die meisten Kakerbecker, direkt an der B 71, findet dort keine Ruhe. „Dabei bin ich im Urlaub immer gern hierher gekommen“, so der 85-Jährige aus Herne/Westfalen. Seine Tochter lebt seit der Wende in der Altmark. Und auch er wollte sich hier dauerhaft niederlassen, seit seine Frau verstorben ist. Doch nun sind die Umzugskartons gepackt. Morgen wird dem Dorf der Rücken gekehrt.

Andere wollen auf jeden Fall bleiben. Wollen kämpfen. Für ein Leben, das sich auch an der B 71 aushalten lässt. Zum Beispiel mit Aktionen wie der am Mittwochabend. Aus Anlass des Tages gegen den Lärm hat die Kakerbecker Bürgerinitiative (BI) „Pro Leben an der B 71“ nämlich die Genehmigung dafür eingeholt, die Hauptverkehrsader zwischen den beiden altmärkischen Kreisstädten – und für viele Brummifahrer auch zwischen dem Hamburger Hafen und Zielorten im Süden – für eine halbe Stunde sperren zu dürfen.

„Halten Sie durch mit solchen Aktionen“, bittet Landrat Michael Ziche dann auch die Kakerbecker. Denn auch der Kreis habe sich deutlich für Ortsumgehungen ausgesprochen, werde dies auch während der Altmarkkonferenz am Montag, 3. Mai, in Gardelegen thematisieren.

Ziche spricht seine Worte, während zu seinen Füßen Steine aufeinander gestapelt werden. Denn in Kakerbeck lautet das Motto am Tag gegen den Lärm: „Wir legen dem Transitverkehr Steine in den Weg.“ Ein besonders großes Exemplar – laut Moderator Hans Steinig „Der Stein des Anstoßes“ – rollt BI-Mitglied Michael Rieke mit der Sackkarre auf die Straße, andere Dorfbewohner legen Mauer- oder kleine Feldsteine ab. Die Kinder finden die Sache ganz besonders spannend, möchten am liebsten weiter auf dem Asphalt spielen und lassen sich natürlich auch nicht zweimal bitten, als ihnen die BI-Mitglieder Materialien hinlegen, um daraus eine Sonne zu basteln. Der Chef der Aktionsgruppe, Steffen Lötge, schreibt derweil mit einem Kreidewägelchen das Wort „Stopp“ auf die Straße. Der einjährige Lennard schnappt sich das Gerät und marschiert damit quer über die B 71 – zur Freude der umstehenden Erwachsenen. Doch wenig später mahnt eine Mutti ihren Sohn: „Komm, aufräumen! Gleich kommen wieder die Lkw…“

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