Künstlerstadt kommt für Förderung der Kulturstiftung des Bundes in Frage / Recherche vor Ort

Nicht einfach nur Geld ausschütten

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Sarah Freistedt (von links) und Karoline Weber von der Kulturstiftung des Bundes informierten sich vor Ort bei Corinna Köbele und vielen weiteren Vereinsmitgliedern (hier Elke Gabriel) über das Potenzial der Künstlerstadt Kalbe.

Kalbe. Einfach mal erzählen, von Erfolgen berichten, die Arbeit beschreiben, aber auch die Probleme besprechen und in die Zukunft schauen. Das taten die Mitglieder Künstlerstadt Kalbe am Montag in der „Galerie der 100 Brücken“.

Denn Karoline Weber von der Kulturstiftung des Bundes wollte alles genau wissen. Sie war in die Mildestadt gekommen, um sich einen Eindruck von der Kalbenser Kulturinitiative zu machen. Denn die Künstlerstadt kommt für eine Förderung durch die Kulturstiftung in Frage.

Karoline Weber betreut ein Förderprogramm der Kulturstiftung des Bundes, den „Fond zur Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements für die Kultur in den neuen Bundesländern“, „ein sehr langer und umständlicher Name, aber es steckt ganz viel drin“, stellte sich Weber den Künstlerstadtmitgliedern und -unterstützern vor. Im Vergleich zu anderen Förderprogrammen habe man bei diesem Fond ein ungewöhnliches Vorgehen, erklärte Weber: „Wir gehen initiativ auf Projekte zu. Das heißt, die Förderung ist nicht antragsoffen, sondern wir nennen das ‘aufsuchende Förderung’.“ Vor Ort könne man sich, so wie Karoline Weber und Praktikantin Sarah Freistedt am Montag in Kalbe, den besten Eindruck von einem Projekt verschaffen und schauen, ob – aber noch wichtiger – wie dieses gefördert werden kann. Denn Nachhaltigkeit spielt bei der einmaligen Förderung eine große Rolle: „Wir wollen nicht einfach nur Geld ausschütten. Wir wollen sehen, wie die einmalige Förderung nachhaltig wirken kann, deshalb fördern wir nichts, was einen späteren Mangel aufkommen lässt“, erklärte Weber.

Vor dem Treffen war sie bereits mit der Vereinsvorsitzenden Corinna Köbele in der Stadt unterwegs und schaute sich die Gebäude an – mittlerweile sind es 20 – , die von der Künstlerstadt genutzt werden.

In der „Galerie der 100 Brücken“ wurde dann eifrig erzählt, zum Beispiel davon, wie alle – von den Mitgliedern über Händler bis zur Feuerwehr – angepackt hatten, um die leerstehenden Wohnungen in Kalbe für die Stipendiaten des ersten Sommercampus bewohnbar zu machen. Auch davon, wie die Stipendiaten, die oft vor allem an die Anonymität der Großstädte gewöhnt sind, verwundert und gerührt über die Willkommenskultur der Bürger sind, die ihnen Essen vor die Tür legen, Arbeitsmaterial vorbeibringen oder zu sich in den Garten zum Grillen einladen.

Im Mai will man nochmals miteinander sprechen. Bis dahin kann die Künstlerstadt überlegen, wo eine Förderung wünschenswert wäre.

Von Hanna Koerdt

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