Naturschützer Michael Arens über den Vogelgrippe-Ausbruch in der Altmark

Vogelgrippe: Nicht „in Panik verfallen“

Ein Schwan schwimmt auf dem Burgraben in Kalbe.
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Ein toter Schwan wurde aufgefunden, der aber nicht an der Vogelgrippe verstarb.
  • Hanna Koerdt
    vonHanna Koerdt
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Naturschutzbeauftragter Michael Arens erklärt, wie die Situation für die Vögel in der Region nach dem Ausbruch der Vogelgrippe ist und wie sich Menschen gegenüber kranken oder toten Vögeln verhalten sollten.

Vienau – Rund zehn Kilometer um Vietzen besteht aktuell noch ein Beobachtungsgebiet wegen eines Ausbruchs der Vogelgrippe. Der Altmarkkreis Salzwedel verhängte Maßnahmen und rief auch zu Achtsamkeit beim Fund von verendeten Wildvögeln oder Erkrankungen und auffälligem Verhalten auch von Hausgeflügel auf (wir berichteten). In einem normalen Jahr werden dem Veterinäramt nur vereinzelt Funde von toten Wildvögeln angezeigt, aktuell sind es fast täglich mehrere. Die AZ fragte bei dem Naturschutzbeauftragten und Vienaus Nabu-Fachgruppenleiter Michael Arens nach, wie gefährlich die Situation für die Vögel in der Region ist.

Zu unterschätzen sei der Ausbruch keineswegs, sagt Michael Arens, besonders für Zuchtbetriebe, weswegen Hühner und Co. jetzt vorerst im Stall bleiben müssen. Aber „keiner muss in Panik verfallen“, weiß der Naturschützer ebenso, denn „es werden jetzt nicht massenweise tote Vögel vom Himmel fallen“. Das Virus verbreitet sich tatsächlich über Wildvögel, die in den vergangenen Wochen in der Region Rast gemacht haben oder über die Altmark zogen. Dass Greifvögel, wie der Uhu bei Vienau, bei dem die Vogelgrippe festgestellt wurde, an dem Virus erkranken und sterben „passiert eher selten“, erklärt Arens. Er vermutet, dass sich der Uhu an einem anderen Vogel, den er gefressen hat und der das Virus trug, angesteckt haben könnte. Denn Uhus ernähren sich unter anderem von Enten. „Wasservögel wie Enten, Schwäne und Gänse sind eher durch das Virus gefährdet“, erklärt Michael Arens. Der Schwan, der kürzlich an einem Graben zwischen Kalbe und Altmersleben gefunden wurde, hatte das Virus aber zum Beispiel nicht. Trotzdem sollte man aktuell solche Funde melden, damit sie getestet werden können und, falls das Testergebnis doch positiv ist, die Kadaver „aus der Landschaft rauskommen und nicht noch von anderen Tieren verwertet werden können und sich das Virus ausbreitet“, erklärt Michael Arens.

Nach Weiterzug der Vögel wird Ansteckungsgefahr geringer

Die Vogelgrippe trat in den vergangenen Jahren häufiger und tritt immer wieder auf, vor allem, wenn „der Vogelzug am stärksten ist. Wir hatten jetzt rund 500 bis 800 Wildgänse und Schwäne im Gebiet der Mildeniederung“, schätzt Michael Arens: „Es war zeitweise ein harter Winter, da kann es sein, dass einige Vögel geschwächter sind und anfällig für die Krankheit.“

„Unsere nordischen Gäste sind jetzt weiter gezogen“, sagt er, deshalb „wird die Ansteckungsgefahr jetzt nicht mehr so groß sein“. Die Schwäne werden nun brüten und nicht mehr in großen Gruppen zusammen sein, sondern paarweise. Und auch für die Störche, die inzwischen in die Altmark zurückgekehrt sind, sieht Michael Arens keine größere Gefahr, da auch sie als Paare leben und keinen großen Kontakt zu anderen Vögeln haben.

Auch wenn die Vogelgrippe auf den Menschen übertragbar ist, müssen Bürger keine Angst haben, wenn sie beim Spaziergang den Schwan auf dem Burggraben schwimmen sehen. „Beim Vorbeigehen springt das Virus den Menschen nicht an“, sagt Michael Arens. Wichtig sei, wenn man einen scheinbar kranken oder toten Vogel findet, das Tier bzw. den Kadaver nicht anzufassen, sondern das Veterinäramt zu informieren.

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