Brüchauer Grube: BI und Stadt bei Umweltministerin

Nach Dalbert-Runde: „Wir waren stinksauer“

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Einfahrt zur Brüchauer Bohrschlammgrube.

koe Brüchau / Magdeburg. „Meine geringe Erwartungshaltung ist vom Ergebnis noch unterboten worden“, so das mehr als ernüchternde Resümee von Kalbes Bürgermeister Karsten Ruth bezüglich des Treffens mit Landes-Umweltministerin Claudia Dalbert am Mittwochnachmittag in Magdeburg zum Thema Brüchauer Bohrschlammgrube (wir berichteten).

Er war neben Kakerbecks Ortsbürgermeister Ulf Kamith, dem Brüchauer Jürgen Bammel und Mitgliedern der Bürgerinitiative (BI) „Saubere Umwelt und Energie Altmark“ auf deren Initiative im Umweltministerium. „Wir waren alle stinksauer, als wir da rausgingen“, fasst Bernd Ebeling, Bauingenieur für Wasserwirtschaft, das fruchtlose Gespräch ebenfalls deutlich zusammen. Er zeigte der Ministerin für Umwelt und Landwirtschaft und dem zuständigen Mitarbeiter der Landesanstalt für Altlastenfreistellung (LAF), die dem Umweltministerium unterstellt ist und aus deren finanziellen Mitteln die Sanierung der Brüchauer Bohrschlammgrube gezahlt wird, eine Präsentation, in der mehrfach Gutachten aus verschiedenen Jahrzehnten zitiert werden. Und aus diesen geht hervor, dass die Bohrschlammgrube nicht dicht ist. Selbst ein Jahresbericht der Betreiberfirma Engie zeigt, dass beispielsweise im Brunnen T11 auf dem Gelände der Bariumgehalt im Grundwasser von 2009 bis 2015 leicht anstieg und etwa vier mal höher ist als die zugelassenen Grenzwerte.

Die Reaktion: Ja, einst habe ein Grundwasserschaden bestanden, aber die Grube sei jetzt dicht. Es scheine wohl eine Art „Selbstheilung“ stattgefunden zu haben, so Karsten Ruth dazu. Und Bernd Ebeling erklärt fassungslos: „Wenn ein Wert gleich bleibt oder ansteigt, dann strömt es nach. Wenn nichts nachströmt, wird ein Wert geringer. Es wurden alle Fakten, auch die von der Unteren Wasserschutzbehörde des Altmarkkreises Salzwedel, vom Tisch gewischt und übergangen. Jetzt wissen wir, was wir zu erwarten haben.“ Auf Wasserrechtsebene hätte sich das Umweltministerium seiner Meinung nach sehr wohl in die Sache einschalten können. Dalbert habe lediglich geäußert, das Verfahren rund um den „Silbersee“ „argwöhnisch zu beobachten“. Und sie verstehe auch die Sorgen und Ängste der Bürger.

Wenig Verständnis für diese „Phrasen“ hat Jürgen Bammel: „Es geht doch um ein Umweltproblem. Das ist doch Wahnsinn“. Selbst vom Landesbergbauamt wurde schon geäußert, dass die Grube undicht sei, und auch der Betreiber zu DDR-Zeiten habe, so erinnert er sich an frühere Berichterstattung, ausgesagt, dass man nicht garantieren könne, dass die Grube dicht sei und bleibe.

Bis 2021 sollen die Untersuchungen des Sonderbetriebsplans auf dem Gelände laufen. „Dann haben wir wieder eine neue Regierung. Und irgendwann können wir keinen mehr zur Verantwortung ziehen“, so Bammel.

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