Helmut Seeger und Henning Krüger zeigten Kalbenser Stadtgeschichte: Historische Aufnahmen des früheren Filmzirkels

Mit dem Multicar über die Gartenstraße

Henning Krüger (links) und Helmut Seeger wurden am Freitagabend nach der Filmvorführung mit Lob und Beifall überschüttet.

mb Kalbe. Es war ein Erfolg auf ganzer Linie. So einen Zuspruch wie am Freitagabend zur Filmpremiere „40 Jahre Stadtgeschichte Kalbe“ hätten Helmut Seeger und Henning Krüger nicht erwartet.

Das Eiscafé „Piccolo“ war bis auf den letzten Platz gefüllt, es mussten sogar noch Stühle nachgeholt werden. Viele Kalbenser wollten noch einmal im Film durch die Geschichte reisen.

Dass es solch einen tollen Film, der gut 50 Minuten dauert, überhaupt gibt, ist zum ersten den damaligen Männern hinter der Kamera zu verdanken, die dem seinerzeitigen Filmzirkel des Kreiskulturhauses angehörten. „Wir werden heute Dinge sehen“, so Helmut Seeger, „die nicht mehr da sind. Menschen, Gebäude und Szenen, an die man sich gerne erinnert.“ Nach der Wende 1990 war keiner mehr vom Filmzirkel da und Seeger als Leiter rettete die Filme in 8 und 16 Millimeter. So gab es Szenen aus Kalbe in schwarz-weiß und in Farbe zu sehen

Eines stellte Henning Krüger vor dem Start zum Film klar: „Wir wollen die DDR nicht wieder haben, aber nehmen lassen wollen wir sie uns auch nicht“, zitierte er einen Satz von Schauspieler Peter Sodann. Doch war und ist der Film ein großer Schatz, vielleicht „der Größte, den Kalbe nun in seinem Besitz hat“, so Andrea Müller, die Vorsitzende des Kalbenser Kultur- und Heimvereins. Zeige er doch, wie sich die Mildestadt in den vergangenen 30 bis 40 Jahren entwickelt habe und wie es einst früher in Kalbe zuging.

Dann war der große Augenblick gekommen und über 40 Jahre Kalbenser Zeitgeschichte flimmerten über die Leinwand. Immer wieder hörte man aus dem Publikum: „Das ist doch...“, „Denn kenn´ ich doch...“ und „Wisst Ihr noch, wie schön das einst war?“ Vor allem die alte Technik, die im Film zu sehen war, die Mode der Damen und deren Kopfbedeckung – besonders die Hüte der damaligen Zeit – wurden belächelt. Ob LO 1000 oder Multicar, der über die Gartenstraße tuckert, der Traktor, der Erde auf der Burg abkippt: Alles authentisch, als ob es erst vor wenigen Jahren war.

Ein Aufstöhnen gab es beim Blick zur damaligen Badeanstalt mit seinem Fünf-MeterTurm und den kunstvollen Sprüngen, die zu sehen waren. Weiter ging es zur Friedensfahrt, der großen Maikundgebung 1961. „Wir haben alles so laufen lassen, wie es damals war“, sagte Henning Krüger, nachdem der Film vieles in die Herzen der Mildestädter in Erinnerung rief.

Nach gut 50 Minuten war die Zeitreise vorbei. Doch dann gab es noch eine Zugabe, die auch ein zweiter Teil des ersten Films hätte sein können. Denn auch dabei haben sich viele Personen im Film wiedererkannt, denn saßen sie doch als Zuschauer im Publikum. Vom Burgfest 1991 nach der Wende mit Sinfonie-Orchester und dem einstigen Chor „Euterpe“, der Volksslieder intonierte, sowie dem ehemaligen Kalbenser Kurt Arndt, der ein Gedicht seines Vaters über Kalbe vortrug. Der Gesang des Chores ließ Henning Krüger auch den Satz sagen: „Man müsste den Chor wiederbeleben und dann singe ich auch mit.“

Dies vernahm Christine Lüttge mit Wohlwollen. Denn sie war die letzte Chorleiterin und saß ebenfalls im Publikum.

Alles in allem war der Hauptfilm „40 Jahre Stadtgeschichte Kalbe“ ein kleines Meisterwerk und vor allem ein schönes Filmerlebnis für alle Anwesenden. Doch ohne die Männer vom einstigen Filmzirkel – Helmut Seeger, der mit alter Technik das Material auf Video überspielte, und Henning Krüger, der das Material in die Neuzeit auf DVD zu neuem Leben erweckte – wäre all dies nicht möglich gewesen.

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