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Mit Agroforst in Zierau gegen den Klimawandel

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Von: Ina Tschakyrow

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Menschen lassen sich Agroforst erklären
Karsten Bauer (links) erklärte den Interessierten, von denen viele auch von außerhalb kamen, was Agroforst bedeutet. © Ina Tschakyrow

Mit der Umsetzung von Agroforst auf landwirtschaftlichen Flächen kann dem Klimawandel entgegengewirkt werden. Wie das geht, wurde am Sonnabend in Zierau an einer Modellfläche vielen Interessierten gezeigt.

Zierau – In einer Reihe stehen verschiedene Nusssorten, wie Herz-, Hasel-, Butter- und Pekannuss. Khaki, Sauerkirsche, Aprikose, Mandel, Maulbeere und Pfirsich sind in zwei anderen Reihen daneben angepflanzt. „Nicht zwischen die einzelnen Reihen treten“, bat Karsten Bauer die Besucher und Besucherinnen, „weil Pflanzen dazwischen sind, wie zum Beispiel Spargel“, erklärte er den Interessierten, die sich am Sonnabend in Zierau die Agroforst-Modellfläche ansahen.

Agroforst bedeutet, dass landwirtschaftliche Flächen mit verschiedenen Gehölzen kombiniert werden, die meistens in Reihen angepflanzt werden. Das hat den Vorteil, erzählte Karsten Bauer, dass eine Anpassung an und auch eine Abmilderung der Folgen des Klimawandels möglich sind. In Zierau liegt der Schwerpunkt auf essbaren Landschaften. Das Gebiet, generell die Altmark, ist von heißen Sommern und geringen Niederschlägen geprägt. Hinzukommen weitere Bedingungen, die beispielsweise den Anbau beeinflussen.

Viele Vorteile

Der Wind, der in Zierau vor allem aus Westen kommt, wird gebrochen, dadurch wird im Sommer die Restfeuchte im Boden gehalten, nannte der Zierauer als Vorteil. In den Nächten bleibt mehr Tau zwischen den Reihen. Der Tau sei fast der wichtigste „Niederschlag“, sagte Karsten Bauer, der gemeinsam mit Katharina Nabel die etwa ein Hektar große Fläche 2020 als Grünland übernommen und mit der Bepflanzung von verschiedenen Gehölzen im Winter 2020/2021 begonnen hat.

Er erklärte weiter, dass auch der Kapillareffekt seit 2018 nicht mehr vorhanden ist. Bei diesem findet zwischen der unteren Bodenschicht, die feuchter ist, ein Austausch mit der oberen Bodenschicht statt. Die Beschattung durch Bäume auf einer Agroforst-Fläche kann hierbei vorteilhaft sein.

Zu viel Sonne

Viele Bäume haben Obstbrand, „sie kommen mit so viel Sonneneinstrahlung nicht zurecht“. Hinzukomme, dass in der Altmark auch viele „Obstbäume kaputt gehen“, aber „sie müssen erhalten bleiben“. Deswegen veredeln die Zierauer auch Obstbäume, um zu sehen, wie sie mit den veränderten Bedingungen durch den Klimawandel zurechtkommen. Nicht alle Bäume eignen sich, auch die Zierauer müssen auf ihrer Modellfläche die Pflanzen bewässern, da es viel zu trocken ist.

Ab 500 Hektar Einfluss auf regionales Klima

Ein Umdenken müsse beginnen, forderte Karsten Bauer. Agroforst „kann helfen, wenn in großen Maßstäben gedacht wird“, aber auch die kleinere Modellfläche bringe „schon etwas“. Dazu wurde eine Erhebung durchgeführt, bei der deutlich wurde, dass auch „diese Fläche schon einen Effekt auf den Boden hat“, so Karsten Bauer. Dieser Effekt nehme zu, je größer die Gehölze werden. Der Zierauer ergänzte, dass laut einer Studie eine Agroforst-Fläche ab 500 Hektar beginnt, „Einfluss zu nehmen auf das regionale Klima“. Es gebe nichts, was „annähernd so viel Potenzial hat wie Agroforst“, verdeutlichte Karsten Bauer. Von seiner Modellfläche sollen die Zierauer etwas haben. Es wachsen Beeren, die sich jene Menschen pflücken können, die selbst kein Obst im Garten haben. Dadurch soll auch das Thema Agroforst verbreitet werden.

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