Mit durchschnittlich 41 km/h achteinhalb Stunden unterwegs

Auf der Simson von Kalbe zur Ostsee

Matthias Schwarz (v.l.), Steffen Jahr und Thomas Archut fuhren auf ihren Simson S51 und einer Schwalbe von Kalbe zur Ostsee.
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Matthias Schwarz (v.l.), Steffen Jahr und Thomas Archut fuhren auf ihren Simson S51 und einer Schwalbe von Kalbe zur Ostsee. Abgestiegen wurde auf der Fähre in Lenzen.
  • Hanna Koerdt
    VonHanna Koerdt
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„Jeder von uns kann sechseinhalb Stunden auf dem Bock sitzen“, sagt Steffen Jahr. „Am Stück“, fügen Thomas Archut und Matthias Schwarz hinzu. Die drei Kalbenser fuhren kürzlich zur Ostsee – auf zwei Simson S 51 und einer Schwalbe.

Kalbe – Eigentlich sollte es zum Ötztaler Mopedmarathon gehen, an dem jährlich zwischen 1000 und 2000 Fahrer teilnehmen. Eine echte Herausforderung: drei Klimazonen, 5500 Höhenmeter über die Alpen mit einer 18-prozentigen Steigung. „Teilweise fährt man da drei Stundenkilometer, man könnte das Moped auch schieben“, erzählt Steffen Jahr und zitiert das Marathon-Motto: „Wer langsam fährt, hat länger Spaß.“ Nicht jeder kommt am Ziel an. Denn die Mopeds, die nur unfrisiert sein dürfen, verweigern durchaus den Dienst. Der Ötztaler Moped Verein musste die Tour coronabedingt absagen. Die Kalbenser Männer hatten sich dafür bereits Urlaub genommen und wollten diese Tage nicht ungenutzt lassen. Also planten sie ihre eigene Tour – statt runter in den Süden ging es rauf zur Ostsee. „Bisher haben wir nur Tagesfahrten durch die Altmark gemacht, das Weiteste waren 65 Kilometer“, schätzt Matthias Schwarz.

Übungstour für Mopedmarathon

Die Ostsee-Tour war eine kleine Übung für den Marathon, besonders um den Benzinverbrauch für solch längere Strecken einschätzen zu können. Denn „man fährt sonst nicht einen Tank an einem Tag leer“, erklärt Thomas Archut. An den Tankstellen gibt es kein Benzin-Gemisch mehr, welches die Zweitaktmotoren der Simsons brauchen. Deshalb nahmen die Männer Öl und einen leeren Zehn-Liter-Kanister mit, um das Benzin darin zu mischen. Die Mopeds wurden vor der Tour mit neuen Motoren und teils auch Zylindern ausgestattet. Größere Ersatzteile nahmen sie nicht mit. Denn „im Osten findest du immer jemanden, der aushilft“, sind sich die Männer einig. Für ein paar Werkzeuge sowie Kleidung und Co. wurden zusätzliche Seitengepäckträger an die Simsons angebracht.

262 Kilometer von Kalbe bis nach Wustrow

Los ging es an einem Donnerstagmorgen in Kalbe an der Waschanlage des Vereins „24 Stunden Simsonrennen 2017“, dem die drei angehören. Die Mopedfahrer wählten eine Strecke ohne Autobahnen und Bundesstraßen, oft fuhren sie über ländliche Wege, „wir dachten auch an Fahrradwege, aber die wären teilweise unbefahrbar gewesen“, erzählt Steffen Jahr. Es ging zur Fähre nach Lenzen, weiter nach Parchim und Güstrow, Rostock und schließlich nach Wustrow auf den Darß. Mit einer insgesamt zweistündigen Pause brauchten sie achteinhalb Stunden für 262 Kilometer, mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 41 Stundenkilometern. Vorsorglich getankt wurde in Rostock, obwohl „wir es sehr wahrscheinlich auch ohne nachzutanken geschafft hätten“, schätzt Steffen Jahr.

Neue Bekanntschaften mit anderen Zweirad-Fans

Neben den landschaftlichen Eindrücken auf der Tour war das Highlight, dass die Kalbenser und ihre Mopeds „von vielen gefeiert wurden“, lachen die Männer. Ihre Bilder bei WhatsApp wurden von vielen Freunden angeschaut, „manche verfolgten unsere Tour richtig mit“, erzählt Matthias Schwarz. Unterwegs hupten und winkten viele Fahrer, als sie merkten, dass die Männer mit ihrem Gepäck wohl eine längere Tour machten. Und natürlich fragten viele nach, wohin es für sie ging. Am Freitag trafen sie auf der Fähre Hohe Düne in Warnemünde Fahrer aus Viersen, die für ein BMW-Motorradtreffen in der Gegend waren. „Es ging gar nicht um ihre Motorräder, sondern um unsere Mopeds. Sie erzählten, dass sie mit Mopeds angefangen hatten. Wir sagten, wir hören damit auf“, schmunzelt Steffen Jahr.

Später an dem Tag „hatten wir viel Spaß mit dem ‘After Work Mopeten Club’“ – die Motorradfahrer aus Frankfurt am Main waren mit Cafe Racer-Umbauten, BMW-Maschinen und sogar einer Harley-Davidson unterwegs. Das Gruppenfoto wurde aber trotzdem nur mit den Simsons der drei Kalbenser gemacht und auch gleich im Internet auf der Clubseite geteilt. Die Begeisterung für die Mopeds war groß, wobei die Kalbenser ebenso interessiert an den Bikes der Frankfurter waren: Matthias Schwarz durfte sich dann auch mal auf die Harley setzen.

Nochmal 280 Kilometer auf Rügen und zurück

Am Sonnabend wurden nochmals 280 Kilometer gefahren, es ging auf Rügen zum Kap Arkona. „Wir durften leider nicht über die Rügenbrücke, weil sie nur für Kraftfahrzeuge zugelassen ist“, erzählt Steffen Jahr. Stattdessen ging es über den niedriger gebauten Rügendamm. Vier Stunden brauchten die Männer für die Strecke von Rügen zurück nach Wustrow. Unterwegs wurde in Barth etwas gegessen, denn „es war schon nach 20 Uhr, um 21 Uhr macht da oben alles zu. Wir hätten bei uns nichts mehr bekommen“, berichtet Steffen Jahr. Im Dunkeln kamen sie wieder an ihrem Bungalow an.

Simsons in vier Tagen viermal betankt

Am Sonntag ging es zurück nach Kalbe. Viermal wurde jede Simson auf der Tour vollgetankt. Von den Wetterbedingungen war von Sonne bis Regen alles dabei. Technische Probleme hatten sie nicht, aber trotzdem gemerkt, dass längere Anstiege, die es unterwegs gab, eine Herausforderung für die Mopeds sind. „Das reicht für Österreich nicht, da müssen wir was verändern“, resümiert Steffen Jahr. 882 Kilometer wurden innerhalb der vier Tage insgesamt gefahren. „Nächstes Mal kriegen wir die 1000 voll, das ist der Plan“, sagt Steffen Jahr. 21 Stunden betrug die reine Fahrzeit. Zum Ötztaler Mopedmarathon 2022 geht es allerdings erst mit dem Auto zum Startpunkt.

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