Erste Zeugenbefragungen im Untersuchungsausschuss

Bohrschlammgrube Brüchau: Mehrzahl der Gifte „hält sie zurück“

Jürgen Stadelmann war Leiter der Umweltanalytik bei der einstigen Betreibergesellschaft EEG der Bohrschlammgrube Brüchau. Er sagte am Montag im Parlamentarischen Untersuchungsausschuss zum Thema aus. Es sollen eventuelle behördliche Verfehlungen geklärt werden.
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Jürgen Stadelmann war Leiter der Umweltanalytik bei der einstigen Betreibergesellschaft EEG der Bohrschlammgrube Brüchau. Er sagte am Montag im Parlamentarischen Untersuchungsausschuss zum Thema aus. Es sollen eventuelle behördliche Verfehlungen geklärt werden.

Fünf Stunden, sechs Zeugen, viele Fragen – der Parlamentarische Untersuchungsausschuss, der sich mit der Giftmüllgrube Brüchau beschäftigt, hatte am Montag ein volles Programm.

Magdeburg/Brüchau – In den Magdeburger Landtag geladen waren in erster Linie Leute, die in ihrer früheren beruflichen Tätigkeit mit dem Thema befasst waren. Der Prominenteste von ihnen hat auch heute noch maßgeblich damit zu tun.

Jürgen Stadelmann war von 1998 bis 2006 Leiter der Umweltanalytik bei der Betreibergesellschaft EEG. Heute ist er Chef der Landesanstalt für Altlastenfreistellung und damit der Behörde, die sich mit dem Landesamt für Geologie und Bergwesen (LAGB) um die Verantwortung für die vom Landtag beschlossene Beseitigung der Giftschlammgrube streitet. Aber das war diesmal nicht Gegenstand der Befragung. Die Abgeordneten wollten vor allem wissen, wer, wann, was über die in Brüchau eingelagerten Schadstoffe wusste und wie es um die Sicherheit der Grube bestellt war. Die Vernehmungen glichen weitgehend einem Rückblick in die Geschichte.

Wie auch andere Zeugen bestätigte Stadelmann, dass es seit Anfang der 1990er Jahre bekannt war, dass die Grube undicht ist. Die entweichenden Chloride (Salze) hätten aber keinen Grund zur Sorge gegeben. Dass möglicherweise noch andere Stoffe entweichen, sei nicht bekannt gewesen. „Die Deponie tut, was sie soll: Die Mehrzahl der Schadstoffe hält sie zurück“, beschrieb Stadelmann seine Einschätzung. „Eine Gefahr ging damals von der Deponie nicht aus“, bestätigte Armin Astel diese Meinung. Als Mitarbeiter des Staatlichen Amtes für Umweltschutz (Stau) hatte er vor 20 Jahre zwei Stellungnahmen zum Thema Grundwasser verfasst.

Jürgen Rückheim war von 2003 bis 2007 als Geschäftsführer der Betreibergesellschaft EEG tätig. Wichtig war es ihm zu betonen, dass die Deponie zu seiner Zeit stets korrekt nach dem dafür vorgesehenen Plan betrieben worden sei. Was alles eingelagert wurde war ihm nicht mehr geläufig. Insgesamt musste er bei den meisten Fragen passen. „Ich kann mich nicht erinnern“, so seine Standardantwort.

Ganz anders Uwe Baumbach: „Quecksilberhaltige und cyanidhaltige Stoffe, Strontium, Radium, Abfallsalzsäure…“, zählte der Chemiker, der von 1974 bis 2001 in den Betreiberfirmen tätig war, Stoffe auf, die nach seiner Erinnerung im „Silbersee“ zu finden sind. Besonders „fatal“ sei Letzterer, weil er das Gestein, das die Deponie abdichtet, porös mache „wie einen Schweizer Käse“. Es gäbe eindeutige Zeichen auf eine Versalzung aus der Grube. Brüchau sei in dieser Beziehung „der schlimmste Hotspot in der Gegend“.

Trotz aller Hinweise und Bedenken wurde der Betrieb erst 2012 eingestellt. Von den zähen Diskussionen darüber berichtete Herbert Halbe. Der Altmarkkreis Salzwedel, dessen Umweltamt er von 1994 bis 2016 leitete, habe seit langem gefordert, die Anlage stillzulegen und den Austrag von Stoffen zu stoppen. Warum es letztlich so lange gedauert habe, die Betreibergesellschaft zu überzeugen, wollte Olaf Meister (Grüne) wissen. Es sei schwierig, ein gut laufendes Geschäft zu beenden, verwies Halbe auf wirtschaftliche Interessen.

Mit den Zeugenbefragungen geht es am 1. März in der nächsten Sitzung des Untersuchungsausschusses weiter. (VON CHRISTIAN WOHLT)

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