Mehr als die Geschichte einer Familie

Der sagenhafte Ring (am Johanneskopf befestigt) und der Abendmahlskelch, der einst mit einem Teil des Ringes vergoldet worden sein soll.

Kalbe - Von Conny Kaiser. „Es war einmal…“ So beginnen sie meistens, die Geschichten aus der Feder der Gebrüder Grimm. Sie haben im 19. Jahrhundert auch die Ring-Sage der Familie von Alvensleben zu Papier gebracht. Doch im Gegensatz zu vielen anderen Grimm-Märchen scheint diese wirklich wahr zu sein. Immerhin gibt es den sagenumwobenen Ring tatsächlich. Und am Wochenende kehrt er für einen Tag an den Ursprungsort der Sage zurück: In die Milde-Stadt.

Die Vorbereitungen sind getroffen. Prof. Reimar von Alvensleben hat bereits die instandgesetzte Kalbenser Kirche in Augenschein genommen. Schließlich soll dort am kommenden Sonnabend, 21. August, eine außergewöhnliche Veranstaltung stattfinden.

Für einen Tag kehren der Ring der Familie von Alvensleben und ihr Abendmahlskelch, der einst mit einem Teil des Ringes vergoldet worden sein soll, an den Ursprungsort jener Sage zurück, die sogar die Gebrüder Grimm dazu veranlasst hat, sie aufzuschreiben und sie somit für die Nachwelt zu erhalten. Doch was hat es mit diesem Ring überhaupt auf sich?

Der Legende nach soll vor hunderten von Jahren eine Edelfrau aus dem Alvenslebenschen Geschlecht nicht nur ebenbürtigen, sondern auch bürgerlichen Frauen in schweren Kindsnöten geholfen haben. Eines Nachts soll es am Tor des herrschaftlichen Gemäuers in Kalbe geklopft und eine Magd ängstlich gebeten haben, die Edelfrau möge ihr folgen. Sie soll nicht lange überlegt haben. Der Weg soll sie alsbald in einen Berg geführt haben, wo eine Zwergin in schweren Geburtswehen gelegen haben soll. Die Frau von Alvensleben soll dem Kindlein auf die Welt geholfen haben – und später von der Magd zurück nach Hause begleitet worden sein. Dort soll ihr diese im Auftrag ihrer Herrin jenen goldenen Ring überreicht haben – und zwar mit folgenden Worten: „Nehmet dieses teure Pfand wohl in Acht und lasset es nicht von Euch und von Eurem Geschlecht kommen: Die von Alvenslebens werden blühen, so lange sie diesen Ring besitzen. Kommt er ihnen ab, muss der ganze Stamm erlöschen.“

Den Stamm gibt nach wie vor. Denn auch der Ring existiert – war zeitweise sogar in der Kirche in Siepe eingemauert worden, um ihn im 30-jährigen Krieg vor Räubern zu schützen. Mittlerweile ist er Bestandteil des Halberstädter Domschatzes. Genau wie jener Abendmahlskelch, der am Sonnabend neben dem Ring mit nach Kalbe kommen wird. Der Legende nach hat ihn die Weiße Linie der Familie von Alvensleben mit ihrem Teil des Ringes vergolden lassen. Die Rote Linie soll ihren Teil hingegen bei einem Saufgelage in der Elbe versenkt haben – und ist ausgestorben. Die so genannte Schwarze Linie, der heute 90 Prozent aller von Alvenslebens angehören, hat ihren Teil des Ringes jedoch komplett bewahrt. Er soll, so Reimar von Alvensleben, aus dem 14. Jahrhundert stammen. Damals, genauer gesagt im Jahre 1324, kam die Familie von Alvensleben in die Milde-Stadt. Wie es ihr von da an bis zur Flucht im Jahre 1945 ergangen ist, das hat Reimar von Alvensleben, der in Falkenberg bei Fürstenwalde lebt, aufwändig recherchiert.

Die Ergebnisse seiner Arbeit stellt er während eines Vortrages in der Kalbenser Kirche vor, der sich an den um 14 Uhr beginnenden Gottesdienst –  inklusive Anwendung des Abendmahlskelches – anschließt. Die Familie hofft auf viele interessierte Besucher, zumal eine bislang unveröffentlichte Chronik an Bürgermeister Karsten Ruth übergeben werden soll (siehe auch Meldung unten).

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