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Mann fuhr 188 km/h auf der B 71 und wurde deswegen von Polizisten verfolgt

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Von: Ina Tschakyrow

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Ortseingang Kalbe
Mit überhöhter Geschwindigkeit fuhr der Angeklagte aus Richtung Wernstedt nach Kalbe und wurde während dieser Fahrt von der Polizei verfolgt. © Maik Bock

Mit 188 km/h war ein Salzwedeler auf der B 71 im Mai 2021 unterwegs. Die Polizei verfolgte den Fahrer bis nach Kalbe, der nun vor dem Amtsgericht Gardelegen stand.

Kalbe – „Ich habe gedacht, ihr wollt ein Rennen mit mir fahren“ – Das sagte ein Mann aus Salzwedel zu zwei Polizisten, als diese ihn am 5. Mai 2021 in Kalbe anhielten. Der Salzwedeler war mit 188 km/h von dem zivilen Fahrzeug mit eingebauter Videomesstechnik gemessen worden.

Die Polizisten verfolgten den Mann, der auf der B 71 aus Richtung Salzwedel unterwegs war, seit Winterfeld. Dort überholte er mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit. Die Polizisten fuhren hinter dem Salzwedeler im zivilen Einsatzfahrzeug her, der weiterhin zu schnell unterwegs war. Auf der Straße zwischen Kalbe und Wernstedt, kurz vor Kalbe, wurde der Mann mit 188 km/h gemessen. Wegen des verbotenen Kraftfahrzeugrennens stand der Mann vor dem Amtsgericht in Gardelegen.

Video von Verfolgungsfahrt

Dort wurde das Video der Überwachung des Fahrers gezeigt. In dem etwa zehnminütigen Video ist zu sehen, dass der Mann trotz nahenden Gegenverkehrs überholte. Kurz vor der Abbiegung nach Brüchau überholte er ein weiteres Fahrzeug und fuhr dabei auf die Sperrfläche. Kurze Zeit später gab es einen weiteren Überholvorgang, bei dem im Gegenverkehr vier Lkw waren. In die Ortschaften entlang der B 71 fuhr der Mann mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit hinein. Schnell war der Fahrer auch in den Kurven zwischen Kalbe und Wernstedt unterwegs. Dort fuhr der Mann teilweise so schnell, dass er auf die Gegenfahrbahn schlingerte.

In Kalbe gestoppt

Der Angeklagte ließ über seinen Verteidiger eine Einlassung verlesen. In dieser erklärte der Salzwedeler, dass er außerhalb von Winterfeld einen BMW feststellte, den er zuvor überholt hatte und der ihn danach verfolgte. Da nicht erkennbar war, dass in dem Auto Polizisten saßen, weil es ein ziviles Einsatzfahrzeug war, habe er sich „bedrängt gefühlt“ und sei daraufhin schnell gefahren. In den Ortschaften habe er sich allerdings an die Geschwindigkeiten gehalten, verlas der Verteidiger.

Erst in Wernstedt habe der Angeklagte „realisiert, wer hinter ihm ist“ – hinter Wernstedt wurde der Mann allerdings mit der höchsten Geschwindigkeit während der von den Polizisten überwachten etwa zehnminütigen Fahrt von Winterfeld nach Kalbe gemessen. In der Stadt wurde er schließlich auf einem Supermarkt-Parkplatz angehalten. Seine Äußerung gegenüber den Polizisten war „flapsig“ gemeint, erklärte der Angeklagte in der Einlassung.

Gefahr für Verkehrsteilnehmer

Während diese Äußerung in der Aufzeichnung zu hören war, schlug der Angeklagte die Hände vor dem Kopf zusammen. „Wie kann man mit 120 Sachen“ in diese Kurven hinter Wernstedt reinfahren, fragte Richter Axel Bormann ungläubig den Angeklagten. Mit dieser Fahrt habe der Angeklagte nicht nur sich, sondern auch andere Menschen in Gefahr gebracht, besonders die Polizisten, die ihn verfolgten, so der Richter weiter. „Alle Beteiligten können von Glück reden“, sagte Axel Bormann, dass nichts passiert sei, zu dem Angeklagten, der am 5. Mai 2021 auch seinen Führerschein abgeben musste.

Eineinhalb Jahre ohne Führerschein

Die Gerichtsverhandlung konnte aus mehreren Gründen erst eineinhalb Jahre später stattfinden. Weil der Angeklagte so lange auch keinen Führerschein hatte, wurde unter anderem über eine Einstellung des Verfahrens gesprochen, was von der Staatsanwältin aber abgelehnt wurde. Der Angeklagte entschuldigte sich zwar bei den Polizisten für sein Verhalten, aber die Staatsanwältin nahm es ihm nicht ab, erklärte sie, dass er fast mit 200 km/h unterwegs war, weil er sich vom Einsatzfahrzeug bedrängt gefühlt habe.

Das Verfahren vor dem Amtsgericht wurde dennoch unter Zahlung einer Geldstrafe vorläufig bis zum Mai 2023 eingestellt. Der Angeklagte muss bis dahin insgesamt 2500 Euro in fünf monatlichen Raten an einen gemeinnützigen Verein zahlen. Außerdem erhielt der Angeklagte seinen Führerschein zurück.

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