1. az-online.de
  2. Altmark
  3. Kalbe

Orchesterjubiläum: Blaubeeren für eine Mandoline

Erstellt:

Von: Ina Tschakyrow

Kommentare

Orchester spielt
Das Mandolinen- und Gitarrenorchester besteht in diesem Jahr seit 60 Jahren. Das soll am Sonnabend, 10. September, gefeiert werden. © Archiv

Das Mandolinen- und Gitarrenorchester in Kalbe besteht in diesem Jahr seit 60 Jahren. Leiterin Gisela Horst erzählt wie aus Musikunterricht ein Orchester entstand.

Kalbe – „Das ist eine Gabe Gottes“, sagt Gisela Horst lächelnd. Sie spielt seit über 60 Jahren Gitarre, „und fast nur nach Gehör“, ergänzt die Kalbenserin. Sie höre, wie das Instrument klingen muss. Selten spiele die 77-Jährige nach Noten. Gisela Horst leitet seit 1962 das Mandolinen- und Gitarrenorchester, welches in diesem Jahr seit 60 Jahren besteht.

Am 1. August 1962 begann Gisela Horst, als Grundschullehrerin in Kalbe zu arbeiten. Die damals 17-Jährige spielte im Akkordeonorchester des Kulturhauses mit, wo sie dann auch als Musiklehrerin tätig war, nachdem dessen Leiter die junge Lehrerin fragte, ob sie auch Gitarre spielen kann. Das lernte die Kalbenserin während ihres Studiums, da Lehrer damals ein Instrument spielen können mussten. Also hat die Kalbenserin die Griffe der Gitarre geübt und konnte schließlich das Instrument spielen. Gisela Horst begann also, Gitarren- und auch Mandolinen-Unterricht zu geben, obwohl sie noch nie zuvor eine Mandoline gespielt hat. „In der Theorie wusste ich aber, wie das geht“, erzählt die 77-Jährige. Gitarre und Mandoline sind Zupfinstrumente, sind sich also ähnlich.

Auszeichnungen und Ehrungen für Musikerinnen

Der Unterricht begann mit drei, vier Schülern. Es wurden immer mehr. Die ersten Konzerte wurden durchgeführt, erzählt die Kalbenserin. Es entstand später eine Anfänger- und eine Fortgeschrittenengruppe. Die musikalische Arbeit wurde immer besser, sodass das Orchester als „Hervorragendes Volkskunstkollektiv“ ausgezeichnet und Gisela Horst mit der „Kurt-Barthels-Medaille“ – eine staatliche Auszeichnung der DDR im kulturellen Bereich – geehrt wurde. Die Kalbenserin spielt das Leitinstrument, das Akkordeon, wonach die Mitglieder mit ihren Instrumenten musizieren.

Damals gab es nicht viele Instrumente. Das Kulturhaus hatte zwar welche, aber Gisela Horst ist während der DDR-Zeit manchmal nur wegen zwei Instrumenten nach Magdeburg gefahren. Um diese zu bekommen, hatte sie ein Glas gepflückter Blaubeeren dabei. Etwa 75 Mark hat eine Mandoline und etwa 100 Mark eine Gitarre gekostet, erinnert sich die 77-Jährige. Heute sind die beiden Instrumente viermal so teuer.

Lieder für Instrumente umgeschrieben

Um die 100 Lieder kann das Mandolinen- und Gitarrenorchester, dessen Mitglieder 2008 dem Förderverein der Kalbenser Sekundarschule beitraten, um unter dessen Führung aufzutreten, spielen. Die Lieder wurden von Gisela Horst so umgeschrieben, dass diese auf den Instrumenten gespielt werden können. Aber nicht jedes Lied gefällt den Musikerinnen, sagt die Kalbenserin.

Es gab viel Unterstützung für das Mandolinen- und Gitarrenorchester, das sich einmal im Monat zur Probe trifft – „Da bekommt man immer das Neueste von Kalbe zu hören“, lacht Gisela Horst – , regelmäßig in der Median Klinik spielt und kürzlich ein Konzert beim Windparkfest in Jeetze gab. Darüber hinaus machen die Musikerinnen Ausflüge und sind auch schon nach Zichtau gefahren, um dort im Wald Blaubeeren zu pflücken, erzählt Gisela Horst. Vor zwei Jahren besuchten sie den Bundestag und konnten auch noch die Stasi-Zentrale besichtigen. Das sei ein toller Ausflug gewesen, erinnert sich die 77-Jährige.

Am 10. September wird gefeiert

Das Gitarren- und Mandolinenorchester besteht fast nur aus ehemaligen Schülerinnen von Gisela Horst, die in der Schule als auch im Musizieren von ihr unterrichtet wurden. Einige von deren Kindern unterrichtet die Kalbenserin heute. Insgesamt hat das Orchester derzeit 29 Mitglieder.

Das Jubiläum wird am Sonnabend, 10. September gefeiert. Wo, steht noch nicht genau fest. Eingeladen werden auch alle ehemaligen Mitglieder sowie Ehrengäste und Sponsoren. Ein Geburtstagsgeschenk hat sich das Mandolinen- und Gitarrenorchester schon selbst gemacht: Für die Mitglieder ging es im Mai nach Naumburg und Freyburg.

Auch interessant

Kommentare