Kalbes Bürgermeister Karsten Ruth spricht mit der AZ über kleine und große Herausforderungen im kommenden Jahr

Langer „Aufgabenzettel“ für 2018

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Die Auflagen des Denkmalschutzes müssten aus Sicht von Kalbes Bürgermeister Karsten Ruth gelockert werden, um Investitionen in der Kalbenser Altstadt zu ermöglichen. Denn der Wert einer Kommune „misst sich auch an der Optik“.

Kalbe. Es war für die Kommune ein guter Start in das Jahr 2017, findet Kalbes Bürgermeister Karsten Ruth. Zum ersten Mal in der Geschichte der Einheitsgemeinde konnte der Haushalt, weil es mehr Geld vom Land gab, früh abgesegnet werden. Das ermöglichte „Ausgaben, die wir so schnell nicht mehr leisten werden können“, sagt Ruth und denkt dabei beispielsweise an Investitionen in den Brandschutz.

Kurz vor den Weihnachtstagen hatte die Kalbenser Ortsfeuerwehr ihre neue Drehleiter in Empfang genommen, „was mich sehr gefreut hat“. Auch konnte ein jahrelang angefallener Reparaturstau abgearbeitet werden, zum Beispiel an Straßenkörpern und -beleuchtungen. Was wiederum bedeutet, dass die Kommune hier künftig Ausgaben spart.

Andere Projekte allerdings „haben sich nicht realisieren lassen, worüber ich enttäuscht bin“, resümiert Ruth. Die flächendeckende Breitbandversorgung zum Beispiel – ein wichtiger Haltefaktor, „wenn sie denn da ist“. Die Problematik der Bohrschlammgrube in Brüchau hat sich nicht gelöst, geplante Leaderprojekte konnte man nicht umsetzen, weil die Finanzierung durch die LAG „Mittlere Altmark“ nicht getragen werden konnte. Oder auch die endgültige Sicherung des Grundschulstandortes Brunau. „Wir wollen hier investieren“, so Ruth, aber die Kommune muss weiterhin darauf hoffen, dass die Idee von „Schulverbünden“ Realität wird. Eine entsprechende Gesetzesänderung habe es, so Ruth, vor kurzem gegeben. 2018 wird der Schulverbund wohl ein großes Thema werden, „es verschwindet nicht vom Aufgabenzettel“, sagt Kalbes Bürgermeister.

Denkmalschutz auf Agenda

Dieser Aufgabenzettel ist lang: Die Probleme mit den Saatkrähen und die Brückensanierungen werden beispielsweise angegangen. Ein Thema, das für die Stadt – und damit sei nicht nur die Verwaltung, sondern auch die Menschen, die in ihr leben gemeint, betont Ruth – von großer Bedeutung sei, sei der Leerstand. Und dieser sei besonders in der Altstadt prägnant. Auch wenn die bürokratischen Mühlen nur „schleppend“ mahlen, möchte Karsten Ruth erreichen, dass sich die Auflagen des Denkmalschutzes entweder lockern, so dass Investitionen für die jeweiligen Eigentümer lukrativer bzw. überhaupt erst möglich werden oder dass es über Förderungen angemessene Gegenfinanzierungen gibt. Denn gerade die Altstadt ist prägend für das Ortsbild der Mildestadt. Die Bürger identifizieren sich mit ihr und messen den Wert der Kommune „auch an der Optik“, so Ruth. Zerfall, bis nur noch der Abriss der Gebäude bleibt, wie an der Marktstraße geschehen und im Rosenwinkel drohend, seien nicht im Interesse der Stadt und dürften auch nicht im Interesse des Denkmalschutzes sein.

Zukunft sichern

Die Zukunft der Einheitsgemeinde bilden und sichern – dieses Ziel steht allem voran. Eine gute Infrastruktur oder auch schöne Kindereinrichtungen sind dabei nur einige der Faktoren, die der Abwanderung junger Menschen entgegenwirken sollen. Um an den richtigen Stellen investieren zu können und einen Fahrplan zu haben, wohin es gehen soll, bedienen sich die Verwaltung und ihre Gremien solcher Instrumente wie dem Brachflächenkataster, dem Flächennutzungsplan oder auch dem IGEK. Das Entwicklungskonzept wird jetzt ebenfalls in Angriff genommen. Ein Großprojekt, welches mit sehr umfassenden Informationen und Überlegungen zu verschiedenen gesellschaftspolitischen Themen zeigen soll, in welche Richtung sich eine Kommune entwickelt oder entwickeln möchte und kann. Ein klares Zeichen dafür, „dass wir eine attraktive Kommune sind, die sich nicht aufgibt“, so Ruth, sind Neubaugebiete. Deshalb wird 2018 die Erschließung des Areals zwischen Eugenie-Schildt-Straße und Siedlungsweg als Neubaugebiet angestrebt.

Vielleicht, so hofft Ruth, kommt Kalbe auch endlich in den Genuss von Geldern aus der Städtebauförderung. Dafür ist unter anderem ein IGEK oder ein anderes Entwicklungskonzept notwendig. Ohne Förderungen sind viele Investitionen gar nicht möglich, doch die bisherigen „sind teils immer noch zu kleinteilig“, sagt Kalbes Bürgermeister. Doch ohne die Kopplung geht nur wenig. Fördermöglichkeiten prüfen, Förderungen beantragen, Fördervoraussetzungen einhalten – das hält die Mitarbeiter der Kalbenser Stadtverwaltung, eigentlich aller kommunalen Verwaltungen, wohl ziemlich auf Trab. Die Anforderungen „steigen exorbitant“, sagt der Verwaltungschef, und sie „zehren an den Kräften“. 25 Mitarbeiter hat die Stadtverwaltung im Moment. Eigentlich würde Karsten Ruth 2018 gerne schon einen Auszubildenden einstellen. Denn ab 2021 werden laut Prognosen eines Personalentwicklungskonzeptes über einen Zeitraum von zehn Jahren etwa 60 Prozent der Mitarbeiter in Rente gehen. Verwaltungsfachangestellter – ein „Job mit guten Perspektiven“, sagt Ruth und hofft, dass er ab 2019 mindestens einen Auszubildenden einstellen kann.

„Wichtige Säulen der Gesellschaft“

Eines möchte Karsten Ruth im Jahresabschlussgespräch mit der Altmark-Zeitung besonders nicht ungesagt lassen. Nämlich, dass ein „gesellschaftliches und kommunales Leben ohne Ehrenamt nicht vorstellbar, nicht zu leisten und auch nicht mit Geld zu bezahlen ist“. Ob es Kultur-, Förder- oder Sportvereine sind, Ehrenamtliche, wie die des „Alten Wachhauses“ oder in Ortschaftsräten und Feuerwehren, Bürger, die Seniorenveranstaltungen organisieren oder sich dafür einsetzen, dass etwas Neues entsteht wie der Spielplatz in Brunau – sie alle leisten viel und sind „eine wichtige Säule, auf der unser gesellschaftliches Leben mitruht“, so der Bürgermeister. Dazu zählt er auch die Gewerbetreibenden und die beiden Geldinstitute. „Ich bin dankbar für jede Form der Unterstützung“, sagt Karsten Ruth und wünscht allen in der Einheitsgemeinde ein gutes Jahr 2018.

Von Hanna Koerdt

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