Sie landen meist im Müll

Bonpflicht: In der Packebuscher Bäckerei Wischeropp geht ohnehin alles digital

Trotz digitaler Kasse mit Speicher muss Petra Egger in ihrer Packebuscher Bäckerei Bons ausdrucken und jedem Kunden anbieten. Nur dass sie kaum einer haben will.
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Trotz digitaler Kasse mit Speicher muss Petra Egger in ihrer Packebuscher Bäckerei Bons ausdrucken und jedem Kunden anbieten. Nur dass sie kaum einer haben will.

Packebusch – Die ältere Dame steht am Tresen in der Bäckerei Wischeropp in Packebusch. Mehrere Brote hat sie gerade eingekauft, bezahlt mit einem 20 Euro-Schein und Kleingeld.

Die Mitarbeiterin gibt alles in die Kasse ein, der Bon wird gedruckt und der Kundin zu ihrem Einkauf gelegt. „Den brauch´ ich nicht“, sagt die Kundin. Petra Egger, die mit ihrem Mann Axel Egger die Bäckerei betreibt, schmunzelt: „Das ist jetzt ein gutes Beispiel. “ Und zwar dafür, wie die Bonpflicht angenommen wird, die seit Beginn des Jahres 2020 in der Bundesrepublik eingeführt wurde.

Seit wenigen Wochen müssen Kassen die Umsätze auf einer technischen Sicherheitseinrichtung (TSE) speichern, beispielsweise einer SD-Karte. In Packebusch haben die Eggers schon seit 2016 eine solche digitale Kasse, denn das Gesetz wurde da bereits eingeführt. Auf der SD-Karte ist jede Bewegung aufgezeichnet und für das Finanzamt prüfbar. Die TSE verhindert eine Manipulation der Einnahmen. Bisher gab es eine große Bandbreite an leicht zu beeinflussbaren Kassensystemen, durch die eine Steuerhinterziehung leichter möglich war. Das Kassengesetz setzt deshalb auf eine Vereinheitlichung durch TSE und außerdem auf Bons, die jetzt zusätzlich Prüfnummern als Signaturen für das digitale Kassenbuch haben. Nur: Die Händler schmeißen die Bons ebenfalls weg. „Wir haben ja am Ende des Tages die Tagesabrechnung, die hefte ich ab“, erzählt Petra Egger. Die Bons aber nicht, es sei denn, es ist ein Stornobon oder Ähnliches dabei. Was in einer Bäckerei eher selten vorkommt.

Es wird also alles digital erfasst. Trotzdem muss auch in dem Packebuscher Traditionsbetrieb jeder Bon ausgedruckt und dieser jedem Kunden angeboten werden. Im Grunde hat sich nur dies geändert. Die Bäckereimitarbeiter fragen also immer nach, ob der Kunde den Bon mitnehmen möchte, oder „ich lege ihn direkt auf die Ware oder in die Tüte dazu“, sagt Petra Egger. Und „zwei Drittel“ ihrer Kundschaft lehnen entweder ab oder befördern ihn direkt wieder aus der Tüte und legen ihn auf den Tresen – „Brauch´ ich nicht“.

Die Bons landen fast immer direkt im Müll. „Wir verstehen den Sinn nicht“, sagen die Eggers. Denn Kunden wollen die Bons nicht und der Kassenspeicher sorgt ja bereits dafür, dass alles registriert wird.

Jetzt gibt es bei vielen Händlern eben nur größere Mengen Müll. Aber nicht im Papierkorb. Denn das beschichtete Thermopapier der Bons ist Sondermüll.

VON HANNA KOERDT

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