Martin Klahs und Jens-Christian Klaas sprayen hauptberuflich Graffiti / Großes Wandgemälde in Engersen

Ein Kunstwerk aus der Dose

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Die Graffiti-Künstler Jens-Christian Klaas (von rechts) und Martin Klahs haben auf die Gebäudefront der Werkstatt von Bärbel und Ralf Weber in Engersen einen Metallbauer gesprayt.

Engersen. Wer seit eineinhalb Wochen durch Engersen fährt oder läuft, dem wird ein riesiges Graffiti ins Auge fallen.

Denn vor kurzem waren dort Sprayer am Werk – ganz legal und mit einem Ergebnis, das so gar nichts mit den „Schmierereien“ zu tun hat, über die sich vielleicht mancher Bürger ärgert.

„Meine Kinder haben vorgeschlagen, Graffiti-Sprayer zu beauftragen“, erzählt Bärbel Weber. Die Werkstatt ihres Ehemannes Ralf Weber feiert im Juni 10-jähriges Firmenjubiläum. Und zu diesem Anlass sollte die Werkstatt des Metallbauers verschönert werden. „Wir wollten ein neues Zeitalter einläuten, deshalb sollte die Wand nicht einfach nur gestrichen werden, sondern es sollte etwas Modernes sein“, so Bärbel Weber.

Das Wandgemälde in Engersen zeigt einen Metallbauer bei der Arbeit – die Funken sprühen, die grelle Hitze spiegelt sich in seiner Schutzmaske und seinen Haaren, der rote Arbeitsanzug schlägt Falten. Auf die Wand gesprüht haben ihn Martin Klahs und Jens-Christian Klaas. Die Beiden haben mit ihrer Firma „Farbkraft – Objekt- und Flächengestaltung“ ihr Hobby zum Beruf gemacht: „Wir haben beide eigentlich einen ganz anderen beruflichen Hintergrund“, sagt Martin Klahs.

Die Leidenschaft für die Kunst aus der Dose begann in der Jugend: Er habe mit 14 die Graffiti an den Wänden bewundert und zeichnete diese dann einfach auf Papier nach, erzählt Martin Klahs. „Ursprünglich ist Graffiti sprühen, seinen Namen oder sein Pseudonym zu malen“, erklärt der 32-Jährige. Irgendwann nahm er sich dann die Spraydosen „von Papa“ und besprühte Wände. Wie es so ist, lässt die Begeisterung für das Hobb,y wenn man älter wird, entweder nach und man hört auf – oder man bleibt dabei und entwickelt die Kunstform für sich weiter. Letzteres war bei ihm und Jens-Christian Klaas der Fall.

Irgendwann kamen aus dem privaten Kreis der beiden Freunde Anfragen, Zimmer oder Hauswände mit ihrer Kunst zu verschönern und schließlich auch Anfragen für Auftragsarbeiten auf öffentlichen Flächen. Also wagten Klahs und Klaas („das mit den Namen ist Zufall“) den Berufswechsel und „probierten es einfach“, so Klahs.

Für ihren Beruf werden die Gebäude zunächst fotografiert und die Kunstwerke direkt am Objekt auf dem Computer entworfen. In der Umsetzung wird nicht nur „das Medium Dose“ genutzt, sondern auch Pinsel, Schablonen und „sämtliche Tricks und Mittel“, die so zur Verfügung stehen, erklärt Martin Klahs.

In der Freizeit wird auch weiterhin gesprayt. Martin Klahs setzt sich für sein Hobby sogar in den Flieger und trifft sich weltweit mit anderen Sprayern, um gemeinsam an legalen Sprühspots zu sprayen oder sich in einer „Hall of Fame“ (Gebäude, Abriss- und Fabrikgelände, die den Graffiti-Künstlern zur Verfügung gestellt werden und an denen die Flächen kunterbunt sind) zu verewigen.

Von Hanna Koerdt

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