12 Kreuze halten Erinnerung wach

Die zwölf neuen Holzkreuze erinnern an jene deutschen Soldaten und polnischen Arbeiter, die unmittelbar vor Kriegsende im Kalbenser Lazarett, das sich damals in den Räumen der Grundschule befand, gestorben sind.

Kalbe - Von Conny Kaiser. Die meisten von ihnen wurden keine 30 Jahre alt. Doch die Grabkreuze, die bislang an neun Soldaten und drei polnische Arbeiter erinnerten, die gegen Ende des Zweiten Weltkrieges in einem Kalbenser Lazarett verstorben sind, sie waren kaum noch zu entziffern. Deshalb entschieden sich die Mitglieder des Kalbenser Kultur- und Heimatvereins, diesen Zustand zu ändern. Versuche der Stadt, das Vorhaben in Angriff zu nehmen, waren nämlich bislang gescheitert. Vor allem an den Finanzen.

Sie waren Männer im allerbesten Alter, junge Burschen, die Johann, Josef oder Erwin hießen. Doch die meisten von ihnen drohten, namenlos zu werden. Denn die Inschriften jener zwölf schlichten Holzkreuze, die an die neun Soldaten und die drei polnischen Arbeiter erinnerten, die gegen Ende des Krieges im Kalbenser Lazarett gestorben waren, sie waren kaum noch zu lesen. Und der Zahn der Zeit nagte weiter an ihnen.

Diesem Zustand wollte der Kalbenser Kultur- und Heimatverein nicht länger zusehen. Die Bemühungen der Stadt, sich des Problems anzunehmen, waren nämlich im Friedhofssande verlaufen. Und so wurde im vergangenen Jahr beschlossen, neue Kreuze anfertigen zu lassen und sie aus der Vereinskasse zu bezahlen. Vor kurzem konnten diese nun aufgestellt werden.

Ganz unbeteiligt war allerdings auch die Stadt nicht an der Aktion. Denn mit ihrer Hilfe konnten nicht nur die verwitterten Namen, Geburts- und Todesdaten recherchiert werden, sondern mit ihrer Hilfe wurde auch die Verbindung zur Landschaftssanierung Beetzendorf hergestellt. Dort wurden die Kreuze kostengünstig gefertigt. Außerdem hat Bürgermeister Karsten Ruth inzwischen Kontakt zur Sekundarschule Kalbe aufgenommen. Denn Ziel ist es, dass Schüler im Rahmen eines speziellen Projektes die Pflege der zwölf Gräber übernehmen. So erhalten die Kinder und Jugendlichen einen zusätzlichen Einblick in die Geschichte der eigenen Heimat.

Denn auch diese wurde nicht von den Kriegswirren verschont, wie allein schon das Beispiel des riesigen, alliierten Kriegsgefangenenlagers Goliath zeigt. Allerdings sind jene Soldaten und polnischen Arbeiter, deren Gräber nun die neuen Holzkreuze tragen, nicht in diesem Lager gestorben, sondern im jetzigen Hauptgebäude der Kalbenser Grundschule. Denn genau dort war gegen Ende des Krieges ein Lazarett eingerichtet und die Schule kurzerhand ausgelagert worden. Gestorben wurde dort aber auch noch, als Kalbe schon längst von den Amerikanern eingenommen war. Die rückten nämlich am 11. April 1945 in der Klein-stadt ein. Später sollte diese dann Teil der russischen Besatzungszone werden.

Vergessen sind diese Zeiten nicht. Und auch die neuen Holzkreuze halten die Erinnerung daran weiter wach.

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