Wer soll das Gift auslöffeln?

Kita Kakerbeck gestaltet Banner gegen den „Silbersee“

Die Kinder im „Zwergenland“ haben ein Banner gegen die Bohrschlammgrube in Brüchau gestaltet. Dieses wird zur nächsten Infoveranstaltung am 29. April am Dorfgemeinschaftshaus in Kakerbeck aufgehangen.
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Die Kinder im „Zwergenland“ haben ein Banner gegen die Bohrschlammgrube in Brüchau gestaltet. Dieses wird zur nächsten Infoveranstaltung am 29. April am Dorfgemeinschaftshaus in Kakerbeck aufgehangen.
  • Hanna Koerdt
    VonHanna Koerdt
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Kakerbeck – „Sollen wir die Suppe auslöffeln, wenn wir groß sind?“ steht in großen bunten Buchstaben auf dem weißen Tuch. Pauline Bastian und Anton Serowy freuen sich, dass sie ihre Hände mit bunter Farbe bemalen und ihre Handabdrücke rund um den Slogan verewigen können.

Die beiden zweijährigen Kinder wissen aber nicht um den ernsten Hintergrund des Banners, der am Donnerstag in den Horträumen des Kakerbecker „Zwergenlandes“ gestaltet wurde.

Aber wenn sie größer sind, werden sie verstehen, weshalb ihre Eltern damals in Magdeburg demonstrieren gingen. Denn die Familien wohnen in Brüchau, unweit der Bohrschlammgrube.

Bohrschlammgrube ist eigentlich der falsche Begriff, denn es wurden über mehrere Jahrzehnte hinweg auch Giftstoffe in der Grube entsorgt, die nichts mit der Erdgasförderung zu tun hatten. Auch eine Deponie ist es nicht, denn für Deponien gelten rechtlich deutlich strengere Vorschriften. Pauline und Anton sind noch zu klein, aber einige größere Kinder aus dem Hort in Kakerbeck, insbesondere die, die in Brüchau wohnen, kennen den sogenannten „Silbersee“.

Vor der Bannergestaltung „haben wir das in der Einrichtung thematisiert und gefragt, wer von den Kindern den See kennt“. Und so erzählten die Kinder, dass es ein See ist, der gefährlich für die Gesundheit ist und in dem nicht gebadet wird. Kindgerechte Informationen zu einem komplexen Thema, das die Bürger und Politik vor Ort seit einigen Jahren begleitet. Demnächst auch wieder, denn am Montag, 29. April, findet die nächste sogenannte „Kalbe-Runde“ im Kakerbecker Dorfgemeinschafshaus (DGH) statt.

Anwesend sind voraussichtlich Landes- und Kommunalpolitik, die Silbersee-Betreiberfirma, Vertreter beteiligter Behörden wie dem Landesamt für Geologie und Bergbau, Vertreter der Bürgerinitiative Saubere Umwelt und Energie Altmark sowie alle interessierten Bürger, die sich über den aktuellen Stand auf dem Gelände in Kenntnis setzen lassen möchten. Vor Kurzem wurde dort mit Bohrungen für die Messstellenerweiterung begonnen, die im Sonderbetriebsplan steht.

Das Banner, das nun von den Kakerbecker Kindern im „Zwergenland“ gestaltet wurde, wird am Infoabend vor dem DGH aufgehangen. Die Idee dazu hatte Steffen Lötge, der in Kakerbeck wohnt und sich für die Beräumung der Giftschlammgrube einsetzt. Dass die Kita sich auf diese Weise beteiligt, haben die Eltern positiv aufgenommen und auch mit der Stadt als Träger der Einrichtung wurde die Aktion abgesprochen.

Kitaleiterin Martina Ebeling erinnert sich selbst noch an die starken Kopfschmerzen, wenn sie und Mitschüler auf dem Feld in der Nähe des „Silbersees“ Rüben hackten und der Wind aus Richtung der Grube wehte. „Das Recht auf eine gesunde und saubere Umwelt ist ein Menschenrecht“, sagt Ebeling.

VON HANNA KOERDT

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