Probleme früh erkennen: Physiotherapeutin Yvonne Pontow besucht Kakerbecker Krippenkinder

„Kinder finden Ausweichmanöver“

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Moritz Schmidt kullerte sich über die Matte und Physiotherapeutin Yvonne Christin Pontow leitete ihn dabei an. Mit den Kakerbecker Krippenkindern und ihren Eltern wurde ein Parcours durchgegangen.

Kakerbeck. Wie weit ist mein Kind in seiner Entwicklung? Was kann es schon? Und was sollte es können? Das beantwortete den Eltern der Kakerbecker Krippenkinder am Dienstagnachmittag nicht ein Kinderarzt, sondern sie sich selbst auf spielerische Weise und mit Hilfe von Yvonne Christin Pontow.

Die 40-jährige Wannefelderin ist Physiotherapeutin für Kinder und Jugendliche sowie neurologische Patienten. 

Pontow kam auf Einladung der Erzieherinnen Jenny Zurek und Anke Tiebermann zu einem sportlichen Nachmittag in die Kita „Zwergenland“. „Wir kamen auf die Idee, weil das jetzt das Alter ist, in dem sich das Laufen entwickelt“, so Anke Tiebermann. Täglich sehen die Erzieherinnen, welchen unterschiedlichen Entwicklungsstand die Kinder haben. Neben einem professionellen Blick ging es an dem Machmittag aber auch darum, dass die Kinder und ihre Eltern aktiv Zeit miteinander verbringen. Die Kinder bekommen mit der Unterstützung ihrer Eltern Selbstbewusstsein in den Bewegungen, außerdem ist der Sport gut für das Immunsystem und die Entwicklung des Gehirns.

Selbstsicher krabbelte Pepe Drebenstedt durch den den Krabbeltunnel.

Yvonne Christin Pontow lud alle Eltern und ihren Nachwuchs nach einer getanzten Aufwärmrunde an einen Parcours ein. Dort sollten sich die Kinder unter anderem kullern, durch einen Tunnel krabbeln, auf Feldern balancieren und hüpfen. Es sei nicht schlimm, wenn das eine Kind später als das andere im gleichen Alter krabbelt oder springt. Allerdings können tatsächlich schon früh manche Verknüpfungen fehlen, was den Kindern später im Leben Probleme bereiten kann, erklärte die Physiotherapeutin den Eltern. Die größten Defizite bei Kindern bestehen in der Koordination von Armen und Beinen, viele haben Gleichgewichtsprobleme, außerdem Probleme sich aufrecht zu halten oder auch rückwärts zu laufen. Die Ursachen sind oftmals hausgemacht: „Manchmal liegt es daran, dass Kinder früher geholt werden, bevor sie sozusagen ausgebacken sind“, so Pontow bezüglich festgelegter Kaiserschnitttermine.

Keine „Abstelltasche“

Auch werden viele Kinder zu lange und ständig nur auf dem Arm oder in Tragetaschen getragen oder in tragbaren Babyschalen regelrecht abgestellt, während die Eltern sich mit anderen Dingen beschäftigen: „Die sind zum Tragen da und nicht zum Abstellen.“ Inzwischen sei es auch Mode geworden, Babys mit Kissen beim Sitzen und Kopf halten zu unterstützen oder sie auf Kissen am Boden zu legen: „Babys brauchen aber keine Kissen“, so die Physiotherapeutin. Diese Dinge führen dazu, dass die Muskulatur sich nicht so entwickelt, wie sie sollte. Und dies wiederum führt dazu, dass Kinder schon sehr früh Unsicherheiten entwickeln und sich nicht einmal in der Lage sehen, sich selbst hinzusetzen, obwohl sie es schon können sollten und müssten. Und: Auch Kleinkinder sind dazu fähig, sich Ausweichmanöver für Herausforderungen zu überlegen und die Probleme, die sie haben, zu umschiffen. „Leider wird es immer mehr“, sagt Yvonne Pontow. Die Krankenkassen überlassen Kinderärzten die Entscheidungen, wann eine professionelle Hilfe angebracht ist. Der Schwall an Bürokratie und auszufüllenden Papieren allerdings, kritisiert die Physiotherapeutin, ist für Ärzte oft so groß, dass viele den Weg des Abwartens wählen – das Problem könnte sich ja ausgleichen und von selbst erledigen. Das Kind lernt vielleicht nur langsam?! Ein klassisches Beispiel ist ein Beckenschiefstand, der sich im Kleinkindalter manifestiert hat. Er fällt beim Laufen nicht auf, aber später in der Schule im Sportunterricht. Wenn das Kind auf einem Bein vorwärts hüpfen soll – durch den Schiefstand wird es sich kaum auf dem einen Bein halten können und versuchen, das Gleichgewicht durch den Oberkörper und die Arme auszugleichen. Außerdem wird das Kind Probleme beim Schwung holen mit dem anderen Bein haben.

Die Kakerbecker Krippenkinder hatten viel Spaß und Yvonne Pontow beobachtete bei jedem mal die Bewegungsabläufe, gab Anregungen und sprach mit den Eltern, die bestimmt einige wertvolle Erkenntnisse mitnahmen, aber auch Sorgen losließen.

Von Hanna Koerdt

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