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„Die Feuerwehr ist unwichtig geworden“

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Von: Stefan Schmidt

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Mann  am Rednerpult.
Kalbes Wehrleiter übte Kritik. © Stefan Schmidt

Es gibt Ärger zwischen Kalbes Wehrleitung und dem Rathaus.

Kalbe – Als Karsten Ruth nach seinen Worten vom Rednerpult zurück an seinen Platz ging, gab es Beifall. Immerhin. Wenn auch spärlich und eher pflichtschuldig. Keine Frage: Kalbes Bürgermeister hatte am Freitagabend bei der Jahreshauptversammlung der Ortsfeuerwehr Kalbe in der Aula der Sekundarschule einen schweren Stand. Zuvor hielt Kalbes Ortswehrleiter Ramón Rulff seinen Rechenschaftsbericht. Rund eine Stunde lang ging er auf die Lage der Wehr nach zwei Jahre Pandemie ein – und vor allem auf das Verhältnis zum Kalbenser Rathaus. Das sei, so konstatierte Rulff mit betont ruhiger Stimme unter dem – im Vergleich zu Karsten Ruth deutlich stärkeren – Beifall der anwesenden Feuerwehrmitglieder, vor allem eines: Schlecht.

Im Mittelpunkt der Kritik des Feuerwehrchefs stand der geplante Neubau des Feuerwehr-Gerätehauses, der seit vielen Jahren von den Einsatzkräften gefordert wird. Getan habe sich am Standort an der Feldstraße aber immer noch so gut wie nichts. „Schlimm“ sei dies, „ich hoffe und bete“, dass bald etwas passiere.

Es sei „sehr, sehr frustrierend“ mit anzusehen, wie sich nichts bewege, schimpfte Rulff. Er höre bei Gesprächen im Rathaus „immer einen neuen und anderen Sachstand“, es gebe keine Kontinuität. Auch deshalb würden er als stellvertretender Stadtwehrleiter und der Stadtwehrleiter selbst, Jörg Kämpfer („Ich fühle mich nur noch verarscht“), nicht mehr zur nächsten Wahl antreten. Rulffs bittere Bilanz mit Blick auf die Stadtverwaltung: „Die Feuerwehr ist unwichtig geworden.“ Sprachs und ging – unter lautem Beifall – zurück auf seinen Platz.

Kalbes Bürgermeister versuchte kurz danach, die Wogen zu glätten. Karsten Ruth kündigte an, wohl schon Ende diesen Monats den ersten Auftrag zum Neubau des Gerätehauses zu unterschreiben. Die Ausschreibung habe europaweit erfolgen müssen, was man beim ersten Versuch nicht getan habe und deshalb neu habe ausschreiben müssen. Kritik aus dem Saal: Das habe man von Anfang an wissen müssen. Es kam sogar die Forderung, dass Kalbe mit der Stadt Gardelegen fusionieren solle. Da klappe die Verwaltungsarbeit wenigstens, da sei die Feuerwehrarbeit hoch geachtet.

Auch die Stadtratsvorsitzende Ortrun Cyris kämpfte gegen die dicke Luft in der Aula an, indem sie versicherte: „Der Stadtrat steht zu 100 Prozent hinter dem Neubau.“ Doch dann setzte sie sich unfreiwillig in die Nesseln, als sie erklärte: „Sie bekommen Ihr Gerätehaus“ – Rumoren in der Aula. Da sei nicht allein das Gerätehaus der Kalbenser Ortsfeuerwehr, wenn auch mit 133 Aktiven die schlagkräftigste Wehr in der Einheitsgemeinde, sondern eine Investition für alle Bürger. Ortrun Cyris korrigierte sich umgehend: „Wir bekommen unser Gerätehaus.“

Auch eine zuvor getätigte Aussage von Karsten Ruth stieß auf Unverständnis unter den Brandschützern. Nämlich, dass durch die Millionen-Investition Gerätehaus andere Baumaßnahmen zurückstehen müssten. Diese Gegenüberstellung sei „nicht fair“, ärgerte sich Rulff. „Ich will das nicht mehr hören.“

Kalbes Bürgermeister versuchte am Ende, dann doch Zuversicht zu verbreiten. Nämlich mit der Aussage „die Nachricht, dass wir das Gerätehaus-Projekt einstellen, will ich nicht verkünden müssen.“

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