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In der Wildnis campen, aber ganz legal gebucht

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Von: Hanna Koerdt

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Ein Wohnwagen steht an einem Feld
In der Natur und nicht mehr auf großen Campingplätzen zu stehen, ist der Trend bei Campern. Die Stadt Kalbe könnte durch die Kooperation mit der Online-Plattform Alpaca-Camping auch Stellplätze anbieten. © IMAGO

Camping-Stellplätze in der wilden Natur, ohne Wasser- und Stromanschlüsse? Der Bedarf dafür steigt seit einigen Jahren zunehmend. Auch in Kalbe könnten solche demnächst vorgehalten und online gebucht werden.

Kalbe – Das Thema Caravan-Stellplatz wird vom Kalbenser Stadtrat und anderen Gremien „immer wieder beleuchtet“, erklärte Kalbes Bürgermeister Karsten Ruth im Hauptausschuss vor wenigen Tagen. Bis jetzt jedoch ließ sich der Plan einen großen Platz mit Strom- und Wasseranschlüssen anzubieten, nicht realisieren. Jetzt eröffnet sich der Einheitsgemeinde aber ein Weg, unkompliziert und ganz ohne solche Investitionen in die Infrastruktur Stellplätze zu schaffen und finanziell sogar davon zu profitieren. Eine Kooperation mit einer Firma soll das ermöglichen.

Vor etwa noch sechs Jahren gab es in Kalbe einen Caravan-Stellplatz an der Straße der Jugend, doch auf der Fläche wurde die AWO-Tagespflegeeinrichtung gebaut. Auf dem Stellplatz gab es keine Anschlüsse für Strom und Wasser. Der Stadtrat hatte in der vergangenen Förderperiode von LEADER darauf gehofft, mit Fördergeld solche Anschlüsse am Kulturhausparkplatz zu schaffen, woraus aber nichts wurde. Mit solchen Plänen für die Zukunft solle das aktuelle Angebot nicht kollidieren oder sie ausbremsen, erklärte Karsten Ruth, der im Hauptausschuss Stefan Schittler, Salesmanager bei der Online-Plattform Alpaca-Camping und zuständig für Kommunen, per Online-Konferenz hinzuschaltete, der das Konzept erklärte: Auf der Homepage können Camper Stellplätze dort suchen, wo sie gerade unterwegs sind und diese online buchen. Die Stellplätze können Kommunen und Privatpersonen, die Flächen zur Verfügung haben, anbieten.

„Wir haben einen Auftritt, wo wir die Gemeinden präsentieren“, das Posten auf der Website und Sozialen Medien mache die Gemeinden bekannter, erklärte Schittler und informierte, dass die Website bisher etwa 100 000 Nutzer habe. Wenn ein Camper einen Stellplatz bucht, erhält die Stadt eine E-Mail mit allen Angaben, die Camper sind nicht anonym. Den Gemeinden bzw. privaten Anbietern wird die Stellplatzmiete, welche davon abhängig ist, was der Stellplatz bietet, ganz herkömmlich überwiesen. Die regionale Wirtschaft profitiere außerdem, da die Camper einkaufen, Restaurants und Cafés besuchen, ins Freibad oder auf den Reiterhof möchten und Sehenswürdigkeiten besuchen.

Dieses Angebot zielt vor allem auf die Camper ab, die autark unterwegs sind und ein ungetrübtes Naturerlebnis bevorzugen. Das Angebot von Strom- und Wassernutzung oder WLAN am Stellplatz mache diesen grundsätzlich zwar für noch mehr Nutzer attraktiver, „ist aber kein Muss“, erklärte Schittler auf Nachfrage von Volkmar Erl, welche Infrastruktur vorgehalten werden müsse. Es gehe, so Schittler, zuallererst um die Fläche und die Gewissheit für Camper, dass die Polizei nicht anrückt, weil die Wohnmobile wild stehen. Die Aussagen bestätigte Melissa Schmidt im Hauptausschuss. Sie bietet Stellplätze auf ihrem Reiterhof an. Erfahrungsgemäß wollen „50 Prozent es normal mit Strom und einer Dusche und 50 Prozent sind autark. Sie kommen mit einem umgebauten Bulli und brauchen nichts. Die wollen nur den Blick auf die Wiese und Abendsonne“, so Schmidt. Auch Stefan Schittler bestätigte dies: „Unsere Nutzer sind sehr naturverbunden“, die Zahl der Camper habe außerdem sehr stark zugenommen und steige weiter.

„Für mich ist das eine gute Chance, ohne großen Aufwand in die Materie einzusteigen“, erklärte Karsten Ruth, was die Stadt aber nicht davon abhalte, für die Zukunft Stellplätze mit Infrastruktur zu schaffen. Dem schloss sich Melissa Schmidt, die auch Vorsitzende des Altmärkischen Tourismusvereins Kalbe ist, an: „Ich finde es gut. Wir haben kein großes Risiko, würden wo drinstehen und wären im Gespräch.“ Martin Palm erklärte, dass ihm „auf Anhieb fünf, sechs Stellplätze für Vienau einfallen“. Der Hauptausschuss unterstützte einstimmig die Anmeldung der Kommune auf der Alpaca-Camping-Homepage.

Als einer der nächsten Schritte müssten die Kommune und die Gremien über geeignete Plätze nachdenken bzw. diese schaffen und Kontakt zu möglichen weiteren privaten Anbietern aufnehmen, erklärt Ruth auf Nachfrage der AZ. Doch zuvor berät das Thema noch der Kalbenser Stadtrat am Donnerstag, 21. Juli.

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