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Vergünstigungen als Motivation für das Ehrenamt

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Von: Hanna Koerdt

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Die Feuerwehr Kalbe bei einem Einsatz
Der Brandschutz im ländlichen Raum ist freiwillig organisiert, aber Feuerwehren verzeichnen weniger Mitglieder. Der Kalbenser Stadtrat soll deshalb über Vergünstigungen für Feuerwehrleute nachdenken, als zusätzliche Motivation für das Ehrenamt. © Hanna Koerdt

Die Feuerwehren der Einheitsgemeinde Kalbe brauchen wieder mehr Mitglieder, damit der Brandschutz auch in vielen Jahren noch gewährleistet werden kann. Sollten Feuerwehrleute deshalb künftig Vergünstigungen erhalten?

Kalbe – Freier Eintritt im Freibad? Niedrigere Elternbeiträge in Kitas? Werbung in Sozialen Netzwerken? Das sind nur ein paar der Ideen, wie Bürger dazu motiviert werden könnten, in eine Freiwillige Feuerwehr einzutreten. „Die Stadt muss zum Wohle ihrer Bürger etwas für die Stärkung des Ehrenamtes Feuerwehr tun“, sagt auf Nachfrage der AZ Kalbes Ortswehrleiter Ramón Rulff, der in seiner Funktion als stellvertretender Stadtwehrleiter das Thema kürzlich während der Hauptversammlung ansprach.

Insgesamt sei nicht nur die Kommune in der Verantwortung, sondern auch die Feuerwehr selbst sowie die Landes- und Bundespolitik „im Gesamtpaket“, sagt Ramón Rulff. Denn der Brandschutz im ländlichen Raum ist ehrenamtlich organisiert. Allerdings gibt es immer weniger Menschen, die dieses Ehrenamt machen können und wollen. Auch die Mitgliederzahlen der Feuerwehren in der Einheitsgemeinde Kalbe sind gesunken. Es brauche gesetzliche Änderungen, beispielsweise hinsichtlich der stundenintensiven Ausbildungen, die mehrere Wochenenden hintereinaner laufen, was viele Interessierte nicht leisten können. Die Angleichung der Rentenpunkte war ein Vorschlag, den Kalbes Stadtwehrleiter Jörg Kämpfer während der Hauptversammlung der CDU-Landtagsabgeordneten Sandra Hietel, die ebenfalls anwesend war, für den Landtag mit auf den Weg gab.

Im vergangenen Jahr sprach die Kalbenser Feuerwehr auch über intensive Werbung wie zum Beispiel einen Imagefilm auf Social Media-Kanälen, um neue Mitglieder zu gewinnen. „Noch ist aber nichts festgelegt, wir müssen da am Ball bleiben“, so Rulff im Gespräch mit der AZ.

Als eine wichtige Säule fungieren die Kinder- und Jugendfeuerwehren, in denen es aber eine hohe Fluktuation gebe, wie Rulff bei der Versammlung erklärte. Deren Ausstattung und Arbeit müsse ausgebaut werden.

Auch die Aufwandsentschädigungssatzung der Stadt Kalbe müsse „noch mal angefasst werden“, erklärte Rulff während der Versammlung. Im ersten Pandemiejahr war eine allgemeine Erhöhung der Aufwandsentschädigung für die Feuerwehren bereits Thema. Allerdings verzichteten die Brandschützer darauf, denn Ehrenamt solle nicht als Verdienstmöglichkeit erachtet werden. „Es muss kein Job am Ende sein, der finanziell ausgeglichen wird“, erklärte Rulff erneut während der Hauptversammlung, jedoch sollte es Anpassungen für die Mitglieder geben, die Selbstständige sind, aber in ihrem Ehrenamt bei Einsätzen, Ausbildungen und Veranstaltungen teilnehmen.

Die Stadtwehrleitung habe bereits vor einigen Jahren auch einige Punkte mit Ideen für Vergünstigungen zusammengetragen, die nun nochmals beim Stadtrat Thema werden sollen. Möglichkeiten wären beispielsweise geringere Kitabeiträge für die Kinder von Feuerwehrleuten, freier bzw. vergünstigter Eintritt im Freibad und andere öffentliche Einrichtungen für die Mitglieder, die Bevorzugung von Bewerbern, die in der Feuerwehr aktiv sind, um einen kommunalen Arbeitsplatz und Ähnliches. Sicherlich, so Ramón Rulff, müsste es dafür auch einen Kriterienkatalog geben, wann die Vergünstigungen tatsächlich greifen, damit diese nicht von am Ehrenamt eigentlich uninteressierten Bürgern ausgenutzt werden würden. Festgelegt werden könnte dies zum Beispiel durch Kriterien wie „Mitgliedsdauer und Aktivitäten“, erklärt der Ortswehrleiter.

Das Ehrenamt „muss ein Stück weit attraktiver werden“, es werde freiwillig geleistet, während die meisten Aktiven nebenbei „in Lohn und Brot“ stehen, so Rulff. Die Motivation dafür müsse gesteigert werden.

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