Ist der Unrat erst einmal vor der Tür, fühlt sich keiner mehr verantwortlich

Kalbe: (Sperr)Müll-Reste bleiben liegen

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Nach der Sperrmüll-Abholung bleiben oft noch Müllhaufen an Straßen zurück.

Kalbe – Es sei inzwischen unerträglich, schüttelte Brunaus Ortsbürgermeisterin Ortrun Cyris den Kopf.

Im jüngsten Stadtrat sprach sie ein Thema an, das nicht nur in ihrem Dorf und der Einheitsgemeinde Kalbe, sondern altmarkkreisweit offensichtlich ein Problem ist: Die Reste von Sperrmüllhaufen, die auch lange nach den Abholterminen des Sperrmülls bleiben.

So wie beispielsweise aktuell an der Ernst-Thälmann-Straße in Kalbe zu sehen. Da liegen Autoteile, Kartons und Kunststoff-Kleinteile verteilt am Gehwegrand. Die Abholung des Sperrmülls erfolgte allerdings bereits am 26. Juni. Für die Reste „will sich keiner verantwortlich fühlen“, monierte Cyris und führte an, dass es im benachbarten Landkreis Stendal anders sei: „Da funktioniert es doch.“

Allerdings besteht ein deutlicher Unterschied zwischen der Art der Abholung der benachbarten Kreise. Im Altmarkkreis Salzwedel gibt es zweimal jährlich feste Abholtermine für Spermüll. Im Landkreis Stendal besteht die Möglichkeit der Entsorgung von Sperrmüll einmal im Jahr mit Abholkarten. Nach deren Einreichung bekommt man innerhalb von etwa sechs Wochen den Abholtermin schriftlich mitgeteilt. Das heißt wiederum, dass deutlich nachvollziehbarer ist, wessen Müll sich auf der Straße befindet. Und es wird einem Phänomen entgegengewirkt, das im Kreis Salzwedel ebenfalls überhand nimmt: Mülltourismus. Die Mitfahrer der Transporter, meist aus dem osteuropäischen Raum, durchwühlen den Sperrmüll, schlitzen Säcke auf und lassen mitunter alles verstreut liegen.

Im Stadtrat appellierte Kalbes Bürgermeister Karsten Ruth an die Kalbenser Stadträte, die teils auch Mitglieder des Kreistages sind, die Problematik eben dort anzubringen. Das Problem müsse dort „grundsätzlich angegangen“ werden, so Ruth.

Die Reste-Deponien sind laut klarer Definition im Abfallrecht meist kein Sperrmüll. Darin liegt die Krux: Nur tatsächlicher Sperrmüll wird von der Abfuhr mitgenommen. Nach den Abholterminen müssen die städtischen Bauhof-Mitarbeiter als eine Art „Parallelmüllabfuhr“ herumfahren und die Reste von den Gehwegen und Straßen räumen, „was wir auch bezahlen müssen, nicht nur die Tätigkeit, sondern auch die anschließende ordnungsgemäße Entsorgung“, ärgert sich Ruth auf Nachfrage der Altmark-Zeitung.

Letztlich, so Ruth wie auch Volkmar Erl im Stadtrat, seien auch die Bürger in der Verantwortung. Viele halten sich nicht an die Sperrmüll-Definition und entsorgen nach dem Motto: Steht mein Müll einmal an der Straße, ist es nicht mehr mein Problem.

VON HANNA KOERDT

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