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Kalbe als Modellregion für Solar-Radwege?

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Von: Hanna Koerdt

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Ein Modell des Solar-Radweges
An den mit Solarmodulen überdachten Radwegen soll es Pausen-Stationen geben, ebenso wie Aufladestationen für E-Bikes. © 22. Train Path GmbH

Eine rund 35 Millionen Euro teure Investition soll auf dem Gebiet der Einheitsgemeinde Kalbe umgesetzt werden: Ein Radweg, der gleichzeitig eine Solaranlage ist.

Kalbe – Das Projekt stellte die 22. Train Path GmbH dem Bauausschuss vor. Das Start Up-Unternehmen möchte für das Projekt, welches in weiteren altmärkischen Gemeinden sowie in weiteren Bundesländern umgesetzt werden soll, stillgelegte Bahnstrecken nutzen. In Sachsen-Anhalt und Brandenburg hat die GmbH dafür bereits rund 800 000 Quadratmeter Flurstücke mit Bahnstrecken gekauft. Diese liegen brach, „darauf kann man nichts anbauen, es kann keiner etwas damit anfangen“, erklärte Burkhard Vorschulze, Generalbevollmächtigter der 22. Train Path GmbH. Statt Ackerflächen, die landwirtschaftlich genutzt werden, können die alten Trassen zu Solarparks werden. „Wir haben aber mehr vor“, so Burkhard Vorschulze, als einfach nur die Solarmodule auf Flächen zu bauen. Ab der Anschlussstelle in der Gemarkung Vahrholz der ehemaligen Bahnstrecke, auf der auch bald ein Radweg zwischen Bismark und Kalbe gebaut wird, könnte ein weiterer Radweg bis hinter Badel entstehen. Und zwar größtenteils als hochgesetzter, überdachter, aber an den Seiten offener Tunnel. Die Solarmodule befänden sich auf den Satteldächern und seitlich der Anlage. Es würde aber auch einen überdachungsfreien Teil geben, damit Radfahrer die Landschaft zusätzlich aus der offenen Perspektive genießen können.

Auf dem Radweg würde es Stationen zum Aufladen von E-Bikes geben, Pause- bzw. Wetter-Stationen mit Sitzbänken und Tischen sowie einen Naturlehrpfad mit Bildschirmen, auf denen Erklär-Videos angeschaut werden können. Entlang der Strecken gebe es selbstverständlich auch Durchfahrten für die landwirtschaftlichen Maschinen der Landwirte, erläuterte Burkhard Vorschulze das Projekt weiter. Im Vorfeld würde mit allen Beteiligten gesprochen und abgefragt, welche Wege genutzt und gebraucht werden. Dem Unternehmen steht ein Naturschutzfachmann zur Seite. Die Strecken werden auf den Meter genau abgelaufen und gefilmt, damit alle Gegebenheiten im Vorfeld bekannt sind. Die Anlage wird so hoch gebaut, dass Kleintiere sie sicher unterqueren können, erklärte Burkhard Vorschulze, nachdem Hans-Georg Otte Zweifel bezüglich des Naturschutzes äußerte: „Die Idee ist gut, aber ich weiß nicht, ob Sie damit überall durchkommen“, zweifelte das Bauausschussmitglied und sorgte sich, dass die Anlage für Tiere eine „Chinesische Mauer“ sei. Aber auch für größeres Wild soll es artgerechte Durchgangsmöglichkeiten geben, erklärte Vorschulze. All das werde mit Landwirten, Umwelt-, Forst- und Jagdbehörden sowie Jägern besprochen.

Die Einheitsgemeinde könnte laut des Erneuerbare Energien Gesetzes mit 0,2 Cent am Gewinn beteiligt werden. Im Jahr wären dies rund 36 000 Euro. Grundsätzlich nahm der Bauausschuss den Projektvorschlag positiv auf. Jedoch machte Heiko Gabriel darauf aufmerksam, dass das Projekt auch Akzeptanz unter den Bürgern finden müsse und schlug vor, beispielsweise den Kalbenser Tourismusverein in die Diskussion einzubeziehen.

Die Kalbenser Gremien müssen, damit das Projekt umgesetzt werden kann, ihre Zustimmung geben, da mehrere Bebauungspläne erforderlich sind. Es müsste außerdem ein städtebaulicher Vertrag mit Kalbe geschlossen werden, der das Unternehmen dazu verpflichtet, alles so umzusetzen, wie vereinbart. In der Einheitsgemeinde soll auch, vorausgesetzt es wird Anfang des Jahres ein Aufstellungsbeschluss beschlossen, ein erster 50 bis 100 Meter langer Abschnitt des Radweges gebaut werden. Dieser wäre Modell für alle zukünftigen Vorhaben. „Ich bin dafür, ein Pilotprojekt würde die Tür öffnen“, erklärte Bauausschussmitglied Thomas Schreiber.

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