Prozessionsspinnerraupe bleibt ein Problem

Kalbe ließ 1511 Eichen besprühen: Bekämpfung am Radweg erfolglos

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„Kein Weltuntergang“ ist der Eichenprozessionsspinner für Umweltministerin Claudia Dalbert. In Kalbe aber, das sich touristisch besonders im Radtourismus aufstellt, ist die Raupe in der Tat ein großes Problem. 

Kalbe – An 1511 Eichen hat die Stadt die Raupe des Eichenprozessionsspinners chemisch bekämpft. Zum größten Teil allerdings vergebens.

Zwar hat die Bekämpfung an den 590 Eichen innerorts – es werden Bäume besprüht, die an heiklen Standorten wie beispielsweise Bushaltestellen, Schulen, Kitas stehen – gegriffen, erklärt Renate Ahlfeld vom Kalbenser Ordnungsamt.

Jedoch wurde bei der Auswertung im Sommer auch deutlich, dass die Maßnahme an den 921 Bäumen entlang der Radstrecke der Milde-Biese-Aland-Tour nicht erfolgreich war: „Dort haben sie sich entwickelt und Nester angelegt“, so Ahlfeld. Das Problem: Besonders im Außenbereich gibt es direkt neben den kommunalen Wegen private Flächen mit großen Baumbeständen. Eine Pflicht, Eichen auf diesen Grundstücken mit dem Mittel gegen die Eichenprozessionsspinnerraupe besprühen zu lassen, gibt es nicht.

„Wir können keinen privaten Eigentümer dazu zwingen“, sagt Kalbes Bürgermeister Karsten Ruth. Es gibt inzwischen auch ein Gerichtsurteil aus Arendsee nach einem Rechtsstreit von 2018. Dieses besagt, dass ein Eigentümer nur die Pflicht hat, tätig zu werden, wenn eine Gefahr von der Sache auf seinem Grundstück ausgeht. Die Sache ist in diesem Fall aber der Baum. Vom Baum geht keine Gefahr aus, sondern von der Raupe, für die der Eigentümer ja nichts kann.

Die giftigen Haare der Raupe aber fliegen durch die Luft und verbreiten sich im Umfeld. Außerdem wandert die Raupe. Helfen würde nur eine flächendeckende Bekämpfung. „Ich weiß keine andere Lösung“, sagt Karsten Ruth, der sich diesbezüglich schon oft kritisch geäußert hat, auch in Berlin. „Eine flächendeckende Bekämpfung im gesamten Landkreis ist als äußerst schwer zu lösende Aufgabe einzuschätzen. Da teilweise in bestimmten Gebieten, wie zum Beispiel dem Biosphärenreservat Drömling keine Biozide eingesetzt werden dürfen“, erklärt auf Nachfrage der AZ der Altmarkkreis Salzwedel.

5934 Euro hat die Stadt für die chemische Bekämpfung ihrer Bäume in diesem Jahr ausgegeben. Ein Fördermittelantrag wurde gestellt, bei Bewilligung gibt es einen Teil des Geldes zurück. Für die mechanische Bekämpfung, also das Absaugen der Nester, würden die Kosten wohl in den sechsstelligen Bereich hineinreichen. Nicht alle Kommunen sind finanziell dazu in der Lage. Also verpufft oft das Geld, das in die chemische Bekämpfung gesteckt wird. Verweigern könne man sich der Bekämpfung aber auch nicht, so Karsten Ruth. Er könne auch nachvollziehen, wieso der Kalbenser Stadtrat entscheidet, entlang des Milde-Biese-Aland-Radweges sprühen zu lassen. „Die Tour ist unser Aufhänger im Tourismus und der Tourismus unser Standbein“, so Karsten Ruth.

Was also tun? Neue Strategien müssten von der Landesregierung erfolgen, erklärt der Altmarkkreis. Denn es seien viele weitere Gebiete in Sachsen-Anhalt betroffen. „Lösungen müssten vonseiten des Ministeriums für Arbeit, Soziales und Integration vorgeschlagen und umgesetzt werden. Es handelt sich um ein gesundheitsgefährdendes Problem“, heißt es vom Kreis.

Ob man aber Hilfe erwarten kann? Beim Regionaldialog „Biosphärenreservat Drömling – Chancen für einen sanften Tourismus?!“ Ende August in Oebisfelde (AZ berichtete) erklärte Sachsen-Anhalts Umweltministerin Claudia Dalbert (Bündnis90/Die Grünen), dass der Eichenprozessionsspinner ja „nicht den Weltuntergang bedeutet“.

VON HANNA KOERDT

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