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Kalbe: Kritik an Kommunikation der Stadtwehrleitung

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Von: Hanna Koerdt

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Feuerwehrmann wirft in Kalbe Wahlzettel in Wahlurne
Die Vertreter der Kalbenser Ortsfeuerwehren wählten während der Jahreshauptversammlung die neue Stadtwehrleitung. © Hanna Koerdt

Obgleich im Vorfeld viel Kritik zur Zusammenarbeit mit Verwaltung und Stadtrat geäußert wurde, bis hin zu Drohungen, man werde nicht weitermachen, wenn sich die Situation nicht ändere, stellten sich Kalbes Stadtwehrleiter Jörg Kämpfer und Stellvertreter Ramón Rulff nun erneut zur Wahl. Sie sahen sich diesmal selbst mit Kritik aus den Reihen der Feuerwehr konfrontiert.

Kalbe – „Ich will nicht sagen, dass nichts gemacht wurde“, erklärte Jörg Kämpfer während seines Berichts, als er über die Investitionen der vergangenen Jahre für den Brandschutz sprach. Doch es gebe „noch sehr viel Bedarf, der nicht erledigt wurde und noch gemacht werden muss“, so Kämpfer, der deutlich machte, dass die Risiko- und Bedarfsanalyse zwar kein Dogma, aber doch Grundlage für die Kommunalpolitik sein müsse. Die Stadträte müssten sich an die Beschlüsse halten, die Stadtwehrleitung dürfe nicht „nicht gehört oder übergangen“ werden. Kämpfer hatte eine Woche zuvor im Hauptausschuss die Kommunalpolitiker zur Teilnahme an der Sitzung eingeladen. Neben Kalbes Bürgermeister Karsten Ruth und Feuerwehrmann Ulf Kamith waren der Einladung vier weitere Stadträte, Ortrun Cyris, Solveig Kroth, Heiko Gabriel und Jens Mösenthin, gefolgt – von 21 Mitgliedern.

Stadtrat kann nicht alle Wünsche der Feuerwehr erfüllen

„Der Stadtrat hat die Ohren gespitzt, die Kritik wird in den Beratungen Eingang finden“, erklärte Karsten Ruth. Es gebe allerdings ein Spannungsverhältnis zwischen dem, was „uns gesetzlich zugeschrieben ist, nämlich den Brandschutz abzusichern, und dem was wir finanziell leisten können“. Auch die Feuerwehr müsse Verständnis dafür aufbringen, dass die Stadt nicht immer das erfüllen könne, „was gewünscht wird“. Der Prozess der Neuanschaffungen sei auch noch lange nicht beendet. Trotzdem habe es durchaus Missverständnisse und Fehlentscheidungen gegeben, erklärte Ruth, bat aber darum, mit den geäußerten Kritikpunkten objektiv und nicht populistisch umzugehen, sie komplex und wahrheitsgetreu wiederzugeben. Ramón Rulff, zunächst durch diese Anmerkung verstimmt, räumte nach einer Pause und Rücksprache mit dem Bürgermeister ein, „deutlich scharfe, vielleicht auch teils nicht ganz berechtigte Kritik“ geäußert zu haben.

Kritik der Feuerwehrkameraden: Stadtwehrleitung soll Ortswehrleiter mehr einbinden

Kritische Worte zu mangelnder Kommunikation und Einbindung wurden bei der Jahreshauptversammlung aber auch von Kameraden an die Stadtwehrleitung selbst gerichtet. Jörg Kämpfer erklärte in seinem Bericht, dass die Stadtfeuerwehr inzwischen gut zusammengewachsen sei, aber „noch Arbeit vor uns“ liege und man offen und ehrlich miteinander umgehen müsse. Der Aufforderung kam Andreas Schmidt, Ortswehrleiter der Feuerwehr Cheinitz, nach. „Von Kameradschaft können wir nicht reden“, so Schmidt. Während die Kommunikation mit der Verwaltung für ihn gut funktioniere, fehle ihm die Kommunikation zwischen Stadtwehrleitung und Ortswehrleitung. Als Beispiel führte er die Ausrückeordnung an, mit der Kritik, dass Cheinitz beispielsweise nicht zum Einsatz nach Zethlingen gerufen werde. „Wer denkt, das ist richtig? Es wird mit uns Ortswehrleitern nicht kommuniziert“, erklärte Andreas Schmidt. Die Ausrückeordnung sei, als sie erarbeitet wurde, für eventuelle Einsprüche aber an die Ortswehrleiter verschickt worden, antwortete Kämpfer und betonte, dass diese für die Zukunft auch kein Dogma sei. Er wolle ein „offenes Ohr“ für alle haben, so Kämpfer, aber „ich möchte kein Kindergärtner werden. Ich verspreche nicht, alles für jeden erträglich zu machen. Wenn das nicht jeder versteht, werde ich auch ernster werden müssen“. Auch Ramón Rulff erklärte, bereits vor der Kritik von Andreas Schmidt, dass die Stadtwehrleitung „die Ortswehrleiter mehr ins Boot holen“ müsse.

Feuerwehren haben gewählt: neue und alte Gesichter in der Stadtwehrleitung

Nach den Diskussionen, die mit dem Wunsch und der Ambition aller Beteiligten auf eine bessere Zusammenarbeit endeten, hatten die Vertreter der Kalbenser Ortsfeuerwehren die Aufgabe, die Stadtwehrleitung neu zu wählen. Jörg Kämpfer kandidierte ohne Gegenkandidaten und erhielt von 34 anwesenden Wahlberechtigten 32 Stimmen. Für den Zugbereich Badel ist ab sofort Thomas Kämpfer in der Stadtwehrleitung, der, ebenfalls ohne Gegenkandidaten, 27 Stimmen erhielt, die restlichen sieben waren ungültig. Für den Zugbereich Kalbe ist Ramón Rulff gewählt worden. 19 Anwesende wählten Kalbes Ortswehrleiter, 14 wählten seinen Gegenkandidaten Sebastian Vatge, eine Stimme war ungültig. Für den Zugbereich Kakerbeck standen Ulf Kamith und Matthias Schmidt zur Wahl. Schmidt gewann mit 28 Stimmen und ist somit neues Mitglied der Stadtwehrleitung

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