Kalbe gegen CO2-Verpressung

Christfried Lenz (r.) und Stefan Quisdorf erläuterten Fakten und Gefahren einer CO2-Lagerung.

Kalbe - Von Gesine Biermann. Auch der Stadtrat Kalbe wendet sich mehrheitlich gegen die geplante CO2-Verpressung in der Altmark. Damit ist das Gremium bereits das vierte im Altmarkkreis, das das Bundesprojekt ablehnt.

Die Lokalpolitiker hatten den Punkt auf ihre Tagesordnung im Stadtrat gesetzt. Das interessierte auch die Mitglieder der Bürgerinitiative „Kein CO2 Endlager Altmark“. Sie kamen als Gäste mit Broschüren und vielen Informationen. Und sie bekamen Rederecht. Nicht jeder kennt sich schließlich mit den Fakten rund um die geplante Lagerung der ungeliebten Brennstoffrückstände aus der Energiegewinnung so genau aus wie sie.

Und so erläutertem die BI-Mitglieder Stefan Quisdorf und Christfried Lenz den Räten dann zunächst einmal die grundlegenden Fakten und die Gefahren, die ihrer Meinung nach mit einer Lagerung von verflüssigtem CO2 einhergehen können.

Geplant ist die CO2-Verpressung im Bereich Salzwedel hauptsächlich in der Region Mahlsdorf und Maxdorf. In diesem Gebiet gibt es, bedingt durch den Abbau von Erdgasvorkommen, riesige Untergrundhohlräume. Und hier sollen nun, so sieht es derzeit ein Bundesgesetzentwurf vor, im Rahmen eines Pilotprojektes zunächst 100 000 Tonnen CO2 unterirdisch gelagert werden.

Das Risiko dieses Planes bestehe in der Hauptsache in der Menge – teilweise sogar unbekannter – Bohrlöcher in der gesamten Region. „Es gibt da nicht einmal konkrete Zahlen, wie viele Löcher tatsächlich existieren“, erläuterte Lenz. Denn insbesondere zu DDR-Zeiten sei wohl so manche „Probebohrung“ nur unzureichend wieder verschlossen und oft dann nicht einmal registriert worden.

Fülle man die Hohlräume nun unter dem Druck von 200 bis 250 bar in rund 3 000 Metern Tiefe mit dem verpressten Erdgas, könne es in weitem Umkreis an völlig unkalkulierbaren Stellen wieder austreten. „Ein Horrorszenario“, wie Lenz beschreibt. Denn „schon eine Konzentration von acht Prozent CO2 in der Atemluft“ sei ein tödlicher Cocktail für Menschen. Zudem zerfresse CO2 Gesteinsschichten und kontaminiere möglicherweise das Grundwasser. Auch „Wasserverbände der Region“ hätten dahingehend schon Bedenken angemeldet.

Lenz prognostizierte weiterhin negative Auswirkungen auf Landwirtschaft, Immobilienpreise und Tourismus in der Altmark. „Einige Dinge gibt es nun mal, die für Geld nicht zu kaufen sind.“

Und das empfanden die Räte in Kalbe ähnlich. Den „schlüssigen Argumenten“ könne sich wohl kaum jemand entziehen, fasste Bürgermeister Karsten Ruth zusammen. Mit einer Enthaltung stimmten denn auch hier die Räte gegen die Pläne der Bundesregierung.

Nach dem Stadtrat in Arendsee, dem Gemeinderat Beetzendorf und dem Salzwedeler Kreistag lehnt mit dem Rat der Mildestadt mittlerweile die vierte Ortsvertretung das Projekt CO2 -Verpressung ab.

Für ihr klares Votum spendeten die Mitglieder der BI „Kein CO2 Endlager Altmark“ dann auch spontan Applaus. Ein Geräusch, das im Rathaussaal während der Sitzungen nicht so oft zu hören ist.

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