Senioren brauchen Stabilität

Kalbe: Begegnungsstätte der Volkssolidarität wird von zu wenigen besucht

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Seniorensport und andere Angebote gibt es in der VS-Begegnungsstätte in Kalbe. Doch es kommen wenige. Den Senioren fehlt eine langfristige Bezugsperson.

Kalbe – Einmal im Monat ist Heike Roscher zu Gast und macht mit den Senioren leichte und doch effektive Sportübungen. Vor Kurzem erst war Melchior Boshamer vom Seniorenpflegeheim Klein Sanssouci zu Gast, am 12. Juni schaut Henning Krüger vorbei, und hält einen Vortrag über den Goliath.

Es gibt immer wieder verschiedene Angebote in der Kalbenser Begegnungsstätte der Volkssolidarität. Trotzdem ist die Besucherzahl ziemlich gering.

Laut Statistik sind es nur „fünf Besucher am Tag“, sagt Yvonne Hinz, Leiterin des Regionalverbandes der Volkssolidarität. Vor kurzem war sie selbst in Kalbe und bedauert, dass „die Begegnungsstätte so wenig angenommen“ werde. Fünf Besucher am Tag ist allerdings gerechnet auf fünf Öffnungstage. Tatsächlich ist die Begegnungsstätte in Kalbe aber nur an drei Tagen, manchmal auch nur zweien geöffnet.

Und dann sind es auch schon etwas mehr Besucher, die die Öffnungstage tatsächlich nutzen. Trotzdem könnten es mehr sein, „das Angebot ist vielfältig, und es gibt viele Senioren, die sich austauschen wollen“, so Hinz. Man müsse nicht einmal Mitglied der Volkssolidarität sein, um den Klubraum, der sich auf der Rückseite des Kulturhauses befindet, besuchen zu dürfen. Jeder kann von den regelmäßigen Angeboten wie Karten- und anderen geselligen Spieleangeboten, Stricktreffen, Mittagessen und diversen Vorträgen profitieren.

Das Angebot scheint auch nicht das Problem der Senioren zu sein. Es ist eher die mangelnde „Stabilität“, sagt Erika Schwarzbach, die im Vorstand der VS-Ortsgruppe Kalbe ist. Und die hat fast 100 Mitglieder. Doch nur wenige gehen regelmäßig in die Begegnungsstätte. „Das Problem ist, dass wir keine konstante Betreuung haben“, so Schwarzbach. Die vielen Wechsel in den vergangenen Jahren waren „katastrophal“, mitunter auch die Betreuerinnen, die von Arbeitsamts-Maßnahmen kommen.

„Letztens haben schon welche gesagt, sie gehen nicht mehr hin, weil sie sich nicht willkommen fühlen“, erzählt Erika Schwarzbach. Eine der zwei neu eingestellten Frauen hat sich nach kürzester Zeit schon verabschiedet, weil „sie andere Vorstellungen hatte, von dem, was sie machen wollte“, so Hinz gegenüber der AZ. Die gute Seele der Begegnungsstätte, Giesela Brand, hat dies aufgefangen. Noch immer kümmert sie sich um ihre Gäste, erhält dafür eine kleine Aufwandsentschädigung. „Frau Brand ist sehr engagiert“, sagt Yvonne Hinz. Auch sie bedauert es, „dass wir nicht eine langfristige Bezugsperson hier haben“. Es zähle aber die Wirtschaftlichkeit.

Um die Wirtschaftlichkeit machen sich auch Erika Schwarzbach und andere Senioren ihre Gedanken, denn „mit einem vollen Haus steht und fällt viel“, sagt Schwarzbach. Schließlich müsse man für den Klub ja Miete zahlen. Lohnt es sich nicht, könnte der einzige Seniorentreffpunkt in der Mildestadt wegbrechen.

VON HANNA KOERDT

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