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Kalbe: Bald Einbahnstraße und absolutes Halteverbot?

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Von: Hanna Koerdt

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Polizist zeigt auf Luftaufnahme von Kalbe
Regionalbereichsbeamter Andreas Bläsing erklärte dem Kalbenser Ortschaftsrat, warum die Einbahnstraße an der Schulstraße bis zur Hauptkreuzung verlängert werden sollte. © Hanna Koerdt

Soll die Einbahnstraßenregelung entlang der Schulstraße um einige Meter verlängert werden? Und zwar so, dass Fahrzeuge nur noch aus Richtung des Rathauses kommend auf die Westpromenade abbiegen können. Den Vorschlag unterbreitete Kalbes Regionalbereichsbeamter Andreas Bläsing Kalbes Ortschaftsrat.

Kalbe – Eine brenzlige Situation beobachtete Andreas Bläsing vor einigen Monaten während der Fahrradprüfung der Grundschüler: Eine Schülerin fuhr auf der Straße und musste ein Auto umfahren, das auf dem Abschnitt Reisebüro Archut/Blumenhaus Hesse parkte. „Auf Höhe des Autos musste sich noch ein anderer Fahrer durchdrängen“, berichtete Bläsing dem Ortschaftsrat. Der Fahrer verfehlte das Mädchen auf dem Fahrrad nur ganz knapp, „mir stockte der Atem“, erinnerte sich der Polizist.

Dabei wurden gleich mehrere Regeln der Straßenverkehrsordnung gebrochen. Angefangen bei dem parkenden Auto: In dem Abschnitt der Geschäfte wird häufig geparkt, obwohl dort ein eingeschränktes Halteverbot gilt. Heißt, man darf drei Minuten stehen, be- oder entladen, ein- und aussteigen. Doch die Fahrer verlassen ihre Autos zum Einkaufen, „das liegt ausschließlich an der Bequemlichkeit, das ist absoluter Egoismus“, so Andreas Bläsing. Die zweite Fahrspur in dem Bereich ist eine Abbiegespur auf die Westpromenade und hat eine durchgezogene Linie. Sie dürfe also gar nicht überfahren werden. Allerdings bleibe den Fahrern nichts anderes übrig, wenn Autos auf ihrer Spur parken. Wenn ihnen in dem Moment aber ein Fahrzeug entgegenkommt, welches abbiegen will, kann es schnell zum Unfall kommen. Abschließend habe Bläsing in den vergangenen Monaten – nicht nur während der Umleitung – beobachtet, wie die Kurven Westpromenade auf Schulstraße und die an der Kreuzung zur Thälmannstraße „grundsätzlich“ geschnitten werden, erklärte der Polizist. Besonders schwierig werde es, wenn dort größere Fahrzeuge wie Busse, Lkw und ländliche Maschinen fahren.

Alles zusammengenommen ergebe ein eindeutiges Bild: Dieser Abschnitt birgt in der Stadt das höchste Potenzial für schwere Unfälle. Und wenn ein tödlicher passiert, werde ein Unfallfahrer ganz sicher alle Mittel nutzen, mahnte Bläsing, um die Verantwortung von sich zu weisen. Dann werde juristisch geprüft, ob beispielsweise die Behörden und die Kommune alles Nötige dafür getan haben, um das Gefahrenpotenzial zu senken.

Damit die Gefahr nicht „permanent bleibt“, schlug Andreas Bläsing vor, die Einbahnstraßenregelung der Schulstraße bis zur Hauptkreuzung zu verlängern. Die Abbiegespur auf die Westpromenade gebe es dann nicht mehr, es müsste dafür eigentlich lediglich die Fahrbahnmarkierung geändert werden. Zusätzlich könnte neben den Geschäften ein absolutes Halteverbot eingerichtet werden.

Bläsing bat darum, dass der Ortschaftsrat für die Änderung einen Antrag stellt, die Straßenverkehrsbehörde warte nur auf diesen. Doch der Ortschaftsrat beantragte die Änderung während der Sitzung am Donnerstag nicht. Vorerst. Ortschaftsratsmitglied Volkmar Erl sprach eine, wenn nicht sogar die größte Befürchtung aus: „Der Verkehr, der über die Westpromenade fährt, wird dann in die Altstadt fahren.“ Denn die Fahrer hätten keine Lust, einmal im Ring durch die Stadt zu fahren, um auf die Westpromenade abzubiegen. Sie würden einfach durch die Altstadt in Richtung Gardelegener Tor und Ortsausgang fahren. Andreas Bläsing argumentierte allerdings dagegen, dass die Altstadt eine wesentlich unbequemere und engere Strecke sei, besonders für größere Fahrzeuge. Der Weg sei ab der Hauptkreuzung, hoch Richtung Ernst-Thälmann-Straße und Schulstraße bis zur Abbiegung auf die Westpromenade, nur knapp ein Kilometer länger. Das neue Ortschaftsratsmitglied Thomas Klauß äußerte Bedenken, dass die Schulstraße zusätzlich belastet werde, schon die Umleitung sei eine extreme Belastung gewesen. „Schlag gestern war das vorbei“, erklärte Bläsing zu dem zusätzlichen Verkehr durch die Umleitung, die vor wenigen Tagen endete.

„Dass die Gefahr vorhanden ist, weiß jeder“, erklärte Kalbes Ortsbürgermeister Heiko Gabriel. Aber „der Kalbenser wird das nicht mit Kusshand nehmen. Der wird fragen: ‘Was soll der Quatsch?’“, deshalb brauche es wirkliche Fakten. Gabriel schlug vor, erst einmal Verkehrszählungen zu machen. Auch dürfe man nicht die Existenz der betroffenen Geschäfte gefährden. Diese würden die Änderung allerdings mittragen, berichtete Bläsing, er habe mit den Inhabern gesprochen. Außerdem hätten sie eigene Parkplätze. Diese würden aber nicht genutzt, entgegnete Heiko Gabriel, weil es schwer sei, auch wieder herauszukommen. Renate Ahlfeld vom Kalbenser Ordnungsamt bat ebenfalls ums Wort und erinnerte daran, dass es in den vergangenen zehn Jahren zahlreiche Beschwerden vor allem von Landwirten gab, weil sie an der Stelle wegen der parkenden Autos nicht auf die Thälmannstraße kamen. Dr. Helmut Bender war der Meinung, es brauche keine Verkehrszählung, da die Situation allgemein bekannt sei. „Wir können noch diskutieren und sollten das so beschließen, wie es vorgeschlagen wurde“, schlug Bender vor. Doch Heiko Gabriel bat erneut darum, erst „Sachargumente“ zu sammeln, damit „wir keine emotionale Entscheidung treffen“. Dem schloss sich schließlich die Mehrheit an.

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