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Turnier in Kalbe: Seit 20 Jahren eine „Streetball-Familie“

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Von: Hanna Koerdt

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Kinder spielen Streetball
Ab dem Vormittag bis zum späten Nachmittag spielten insgesamt 44 Mannschaften – Rekord in Kalbe – von Kitakindern bis zu Erwachsenen Streetball am Kulturhaus. © Hanna Koerdt

44 Teams nahmen am 20. Streetballturnier „Körbe gegen Gewalt“ in Kalbe teil und stellten damit einen Teilnehmerrekord der Sportveranstaltung auf, deren Erfolg am Abend bei einer Gala im Kulturhaus gefeiert wurde.

Kalbe - So sehe eine Streetball-Familie aus, meinte Thomas von Glahn, nachdem er im Kalbenser Kulturhaus dazu aufforderte, dass all diejenigen, die schon einmal eine Deutsche Meisterschafts-Medaille geholt, beim Turnier „Körbe gegen Gewalt“ aktiv mitgespielt, mitgeholfen oder das Turnier auf andere Weise unterstützt hatten, aufstehen sollten und fast der ganze Saal stand. Alle gemeinsam feierten am Sonnabend das 20. Jubiläum dieses sportlichen Events.

Zuvor jedoch wurden auf dem Kulturhausparkplatz ab dem Vormittag bis zum späten Nachmittag Körbe geworfen. Und zwar von insgesamt 44 Teams, damit ist der Rekord von 43 Mannschaften, der in den Vorjahren drei Mal erreicht wurde, geknackt, „und das nach zwei Jahren Pause“ verkündete Thomas von Glahn bei der Festveranstaltung am Abend, zu der eine Late-Night-Show gehörte, bei der der Turnier-Organisator mehrere Gäste zu sich auf die Bühne holte und interviewte. Zum Beispiel Bernhard Wittke, „der uns das hier eingebrockt hat“, erklärte von Glahn, der seit 2010 aufgrund seines Engagements mit „Körbe gegen Gewalt“ offiziell zum Botschafter für Demokratie und Toleranz vom gleichnamigen Bündnis ausgezeichnet wurde. Bernhard Wittke hatte in den Neunziger Jahren, als ein Streetball-Trend aus den USA auch in Deutschland aufkam, diesen gefördert und Streetball-Touren durch ganz Sachsen-Anhalt organisiert. „Eines Tages rief Thomas an und fragte: ‘Willst du nicht zu uns in die Tagesgruppe kommen’“, erinnerte sich Wittke zurück und erklärte, dass er zunächst nichts damit anzufangen wusste, da die Tour sich eher auf Schulen konzentrierte. Er probierte es aus und „es war eine tolle Sache für mein Team und eine neue Erfahrung. Es war so schön, wie du die Kinder begeistert hast, das hier ist was Besonderes“, fasste Wittke zusammen.

Kalbe hat sich unter Basketballern einen handfesten Namen gemacht. Es gibt einen Vergleich mit Asterix und Obelix, Kalbe werde als „gallisches Dorf“ bezeichnet, weil mit der relativ geringen Einwohnerzahl ein „echt erfolgreicher Basketball und Streetball gespielt werden. Die Gegner, die herkommen, wissen, dass sie hier richtig punkten müssen“, klärte Thomas von Glahn über die Geschichte dahinter auf.

Der Trainer erinnerte an erfolgreiche Sportlergeschichten, die durch das Turnier ermöglicht wurden, wie beispielsweise die Teilnahme und den Sieg der deutschen Meisterschaften 2015 oder auch Tagesgruppen-Kinder, die es an Sportschulen schafften. Durch die Geschichte einer Nachwuchssportlerin der Tagesgruppe wurde beispielsweise die damalige LinkenBundestagsabgeordnete Katrin Kunert auf das Streetballturnier aufmerksam. Über mehrere Jahre wurden insgesamt über 12 000 Euro aus dem Solidar-Fonds der Linken-Bundestagsfraktion für das Turnier gespendet. „Zum Projekt gehört auch, dass wir Kinder materiell unterstützen“, erklärte Thomas von Glahn. Kindern werden Sportschuhe und Kleidung gekauft, sie gehen dafür einen Vertrag ein, der besagt, dass sie keine Schule schwänzen, nicht klauen, sich nicht an Vandalismus beteiligen und regelmäßig an den Trainings teilnehmen. „Das Projekt trägt Früchte, wir haben nur einmal einem Kind etwas wegnehmen müssen“, berichtete von Glahn und forderte zur Saalwette auf: Um dieses Projekt weiterzuverfolgen, suchte er 20 Personen oder Firmen, die je 200 Euro dafür spenden. Zusammen kamen am Sonnabend stolze 6705 Euro.

Auch Ehrungen waren Teil des Abendprogramms, so dankte Thomas von Glahn Trainern, Unterstützern und Sponsoren. Carsten Straube, frisch gewählter Vorsitzender des Basketballverbandes Sachsen-Anhalt, vergab fünf Ehrennadeln in Bronze und eine in Gold, die an Thomas von Glahn ging. Straube fasste es zusammen: „Du kannst stolz auf dich sein, weil du jemand bist, der andere stärker macht.“ Das Publikum bestätigte diese Aussage mit tosendem Applaus für von Glahn.

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