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Fünf Ausschüsse, kein Ergebnis?

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Von: Hanna Koerdt

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Jugendliche treffen sich im Jugendraum in Altmersleben.
In Altmersleben gibt es einen Jugendraum, um den sich die Jugendlichen und jungen Erwachsenen selbst kümmern. Es ist aber eine kommunale Immobilie, in der Sanierungsarbeiten notwendig sind. Der Verwaltung fehlt bisher eine Positionierung der kommunalen Gremien, wie finanziell mit Jugendräumen umgegangen werden soll. © Hanna Koerdt

Die finanzielle Unterstützung und der Umgang mit Jugendräumen in der Einheitsgemeinde Kalbe wurde im Stadtrat wieder Thema. Seit anderthalb Jahren soll der Finanz- und Sozialausschuss eine Richtung vorgeben, was offenbar nicht gelingt.

Altmersleben / Kalbe – Wie geht es weiter mit dem Jugendraum in Altmersleben? Dazu konnte Ortsbürgermeister Bernd Pawelski im Ortschaftsrat am Dienstag den Jugendlichen, die sich regelmäßig im Jugendraum treffen, nichts Konkretes sagen. Seit dem Frühjahr 2021, mittlerweile also seit anderthalb Jahren, verlangt der Stadtrat eine Empfehlung des Sozial- und Finanzausschusses, dessen Vorsitzender Pawelski ist, für den Umgang mit Jugendräumen in den Dörfern.

Altmerslebener Jugend pflegt Raum und Außenbereich ihres Treffs

Am Dienstagabend war der Jugendtreff Thema im Altmerslebener Ortschaftsrat. Jasmin Pawelski berichtete über die Arbeit dort. Der Jugendraum in Altmersleben wird rege genutzt. Regelmäßig kommen rund 20 Jugendliche ab etwa 18 Uhr, die bis circa 21 Uhr bleiben. Es wird unter anderem Darts gespielt, im Sommer draußen auch Volleyball, Frisbee, Gesellschaftsspiele und Co.. Was für die Stadt Kalbe eher nicht sichtbar sei, erklärte die Altmerslebenerin, sei der Einsatz der Jugendlichen, die etwa im Alter zwischen 18 und 25 Jahren sind, für den Erhalt und die Gestaltung des Jugendtreffs: Das Mobiliar wurde selbst angeschafft, Deko selbst gebastelt, Wände gestrichen und „innen etwas renoviert“, so Jasmin Pawelski. Es wurde eine Sitzgarnitur für draußen gebaut, ein Strandkorb angeschafft und Hecken gepflanzt. Für Grünarbeiten vor dem Gebäude hatten zwei Jugendliche Blumensaat gekauft und einen Trecker organisiert. Im Jugendraum gibt es eine funktionierende Schankanlage, die bei Dorffesten zum Einsatz kommt. „Das ist keine Baracke“, erklärte die junge Frau, sondern habe „einen Wert“ und dementsprechend werde auch mit den Räumlichkeiten umgegangen.

Jugendraum: Sanierung von Heizung und Elektroanlage ist notwendig

Mit der Mobilen Jugendarbeit der AWO haben sich die Jugendlichen schon in Verbindung gesetzt, um über weitere Angebote im Jugendraum zu sprechen, aber nur „in Zusammenarbeit mit uns“. Denn die Jugendlichen wollen sich ihren Treff nicht komplett „aus der Hand nehmen lassen“. Damit die Jugend künftig mehr in den Raum investieren kann, soll ein Verein gegründet werden, was allerdings, so machte Jasmin Pawelski deutlich, durchaus kompliziert sei und noch dauere. Ob sich der Prozess dahin überhaupt lohnt, ist fraglich. Denn die Elektro- und die Heizungsanlage des Jugendraums muss erneuert werden, es sei „allerhöchste Eisenbahn“, so Jasmin Pawelski. Sonst kann die Jugend – es kommen auch Jugendliche aus anderen Orten – die Räumlichkeiten in naher Zukunft nicht mehr nutzen.

Eine „Neiddiskussion“?

Vor rund einem Jahr setzte der Altmerslebener Ortschaftsrat die Maßnahmen auf die Liste der Investitionen, erklärte dazu Bernd Pawelski. Er habe sich wegen des Jugendraums in Kalbe allerdings schon Dinge anhören müssen, die „unter die Gürtellinie“ gingen. Er empfinde die Diskussion um die Jugendräume „fast schon als Neiddiskussion“. Auch sei er der Meinung, dass die Verantwortung für den Jugendraum lediglich weitergereicht wird. Zu den jüngsten Sitzungen des Stadtrates und des Finanz- und Sozialausschusses, in denen der Jugendtreff besprochen wurde, äußerte sich Bernd Pawelski allerdings nicht.

Gespräche zu Jugendräumen starteten im Frühjahr 2021

Zum Kontext: Die Diskussion um Jugendräume in den Ortschaften, die abseits der von der AWO getragenen Jugendarbeit zu betrachten sind, begann schon im Frühjahr 2021. Der Zethlinger Ortschaftsrat wollte, dass die Stadt einen Jugendraum umbaut und mitfinanziert. Jugendliche und Eltern wollten sich mit Eigenleistungen an dem Projekt beteiligen. Der Stadtrat lehnte die Investition vorerst ab und gab dem Finanz- und Sozialausschuss den Auftrag, eine grundsätzliche und einheitliche Linie zum künftigen Umgang und der finanziellen Unterstützung der Jugendräume und Jugendarbeit zu finden.

Richtlinien zum Umgang mit Jugendtreffs endlich festlegen

Fünf Sitzungen des Finanz- und Sozialausschusses fanden seit der Aufforderung statt, zuletzt am 27. September dieses Jahres. Doch scheinbar kann der Stadtrat für sich erneut kein Ergebnis aus der Beratung des Ausschusses ziehen. Während der Stadtratssitzung vergangene Woche sprach Kalbes Bürgermeister Karsten Ruth das Thema wieder an. Er berichtete, dass Zethlingen inzwischen aus eigener Kraft einen Wohn- bzw. Bauwagen als Jugendtreff eingerichtet habe und es dafür pädagogisch ausgebildete Betreuer gebe. Der Stadt „sind damit nicht ein Cent Kosten entstanden“, erklärte Ruth. An ihn wurde nun lediglich die Anfrage aus Zethlingen gestellt, den Bauwagen auf eine kommunale Fläche stellen zu dürfen. Er habe dem zugestimmt, was auch der Stadtrat an dem Abend guthieß. Allerdings machte der Bürgermeister deutlich: „Wir brauchen ganz, ganz dringend eine Richtlinie, wie wir weiter mit Jugendräumen umgehen. Wir haben noch keine vorzeigbaren Ergebnisse.“

Gleichbehandlung bei Engagement vor Ort

In Altmersleben stehen Investitionen an, für den Jugendtreff zahlt die Verwaltung jährlich etwa 1200 Euro Unterhaltungskosten. Auch aus anderen Dörfern könnte der Wunsch kommen, mit finanzieller Hilfe der Stadt Jugendräume einzurichten. Entsprechende Anfragen gab es schon. Die Verwaltung brauche ein Signal, ob und unter welchen Voraussetzungen künftig in Jugendräume investiert oder die selbst organisierte Form der Jugendarbeit mit anderen Mitteln seitens der Stadt unterstützt wird, damit eine Gleichbehandlung möglich ist. Er verstehe die Bedenken, „und das unterstütze ich sogar. Wir müssen da mal zu Potte kommen. Wie wollen wir es finanzieren? Darüber haben wir nicht gesprochen“, erklärte Bernd Pawelski dem Stadtrat über die Sitzung des Finanz- und Sozialausschusses. In dieser äußerte Pawelski diesbezüglich aber, dass für die Sanierungen im Jugendraum Altmersleben Fördermittel beantragt werden sollen.

Der Finanz- und Sozialausschuss soll erneut beraten

Man müsse den Orten die Chance geben, wenigstens gleich behandelt zu werden, erklärte Thomas Schreiber im Stadtrat. „Es ist nicht gleich, eindeutig“, wenn in Altmersleben der Jugendtreff finanziert werde, in Zethlingen aber alles aus eigener Kraft entstanden sei, weil der Stadtrat es abgelehnt hatte, dort zu investieren. Melissa Schmidt erklärte, dass der Stadtrat an diesem Abend nur seine Zustimmung zur Fläche für Zethlingen geben könne. „Alles andere müssen wir im Nachgang, ob im Sozialausschuss oder woanders, als Rahmenbedingungen erarbeiten“. Die Stadtratsvorsitzende Ortrun Cyris gab dem Finanz- und Sozialausschuss „den Auftrag, das Thema aufzugreifen“. Schon wieder.

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