„Jetzt sollten alle Rücksicht nehmen“

Wie Michael Blume-Kühnast aus Kalbe die Corona-Krise als Risikopatient erlebt

+
Papa als Hauslehrer: Michael Blume-Kühnast lernt täglich mit seinen jüngeren Söhnen. Der Familienvater gehört wegen Vorerkrankungen zur Risikogruppe für Corona und muss jetzt besonders auf sich aufpassen.

Kalbe – Michael Blume-Kühnast ist gerade quasi Hauslehrer. Er sitzt jeden Tag mit seinen beiden jüngeren Söhnen Finn Luca und Leon am Esstisch und arbeitet gemeinsam die Wochenpläne durch, die es für den 6- und den 12-Jährigen von ihren Schulen gab.

Michael Blume-Kühnast ist 51 Jahre alt. Er ist laut seines Alters somit ganz knapp in der Risikogruppe für einen schwereren Verlauf, sollte er sich mit dem Corona-Virus anstecken. Doch was hinzukommt ist, dass Michael Blume-Kühnast gesundheitlich vorbelastet ist. Im vergangenen Jahr erfuhr der Familienvater, dass er ein Nierenzellkarzinom, also einen bösartigen Tumor in der Niere, hat. Nur wenige Tage nach der entsprechenden Operation wurde noch ein „sieben Zentimeter großer Riss in meiner Aorta und ein großes Aneurysma entdeckt“, erzählt er im Gespräch mit der Altmark-Zeitung. Derzeit versucht er, so wenig wie möglich aus dem Haus zu gehen. Und appelliert an alle diejenigen, die sich jetzt trotzdem noch draußen in Gruppen treffen oder zum Beispiel den Abstand zu anderen an der Supermarktkasse nicht einhalten: „Jetzt sollten alle Rücksicht nehmen. “.

Michael Blume-Kühnast passt momentan besonders auf sich und seine Liebsten auf. Zum Einkaufen müsse er ab und an, seine Frau Angelika arbeitet im Seniorenpflegeheim, aktuell ist sie aber krankgeschrieben. „Beim Einkaufen meiden wir die Zeiten, an denen immer viel los ist“, so der Kalbenser. Er achtet darauf „dass man sich nicht auf die Pelle rückt und an der Kasse nicht dicht beieinander steht“. Desinfektionstücher haben er und seine Frau für die Familie schon vor dem Ausbruch des Corona-Virus immer dabei gehabt, denn sie waren zum Schutz vor Infektionen wichtig, als ihr jüngster Sohn Elias an Krebs erkrankte. „Gestern sind wir ins Auto gestiegen und alle mal in den Wald gefahren, um frische Luft zu schnappen“, erzählt Michael Blume-Kühnast. Das Rauskommen zumindest mit der Familie sei wichtig, aber statt in die Stadt oder ins Café, ging es eben ins Grüne, wo die Wahrscheinlichkeit auf andere Menschen zu treffen deutlich kleiner ist. Zuhause wird neben Hausaufgaben und Haushalt zusammen gespielt, „wir basteln für Ostern“, erzählt Michael Blume-Kühnast, er selbst telefoniere außerdem viel mit Freunden und Mitstreitern aus seinen Vereinen, der Kalbenser Schützengilde und „Blaue Nase hilft“, der Familien krebskranker Kinder unterstützt. „Es ist wichtig, den Kontakt zu halten“, sagt er. Er würde auch gerne seinen Vater im Seniorenpflegeheim besuchen, aber das geht im Augenblick nicht. Es gelten schließlich strenge Hygiene- und Besuchervorschriften. Ein Trost ist, dass seine Frau Angelika in dem Seniorenpflegeheim arbeitet und den Kontakt hat.

Auch er sieht, dass sich viele Menschen aller Generationen noch immer treffen. „Beim Einkaufen sehe ich, wie Gruppen dastehen und erzählen.“ Viele scheinen die Einstellung „Mich betrifft das nicht“, zu haben, schätzt Michael Blume-Kühnast. Er habe dafür „kein Verständnis“. Solche Einstellungen werde es leider wohl immer geben, aber „denkt doch mal nach“, sagt der Familienvater – „Wenn man sich selbst in Gefahr bringt, dann muss man das mit sich ausmachen, aber man darf andere nicht in Gefahr bringen. Und man kann ja in diesem Fall nicht in sich reingucken: ‘Hab ich das?’“. Es sei ja gerade das Gefährliche am Corona-Virus, dass er besonders bei jüngeren Menschen symptomlos verlaufe. Doch von ihnen übertragen werden kann er ja trotzdem und beim nächsten „kann das ja ganz anders sein“.

Vielleicht liege die Leichtfertigkeit zumindest bei den Jüngeren an der fehlenden Lebenserfahrung, überlegt Michael Blume-Kühnast. Mit ihren Kindern haben er und seine Frau ausführlich gesprochen. „Sie sind voll im Bilde und verstehen es“, sagt er. Seinem Jüngsten, Finn Luca, musste er alles etwas besser erklären. „Er ist schon traurig, dass er nicht mehr so raus kann und sich mit Freunden treffen kann“. Der 17-jährige Sohn Justin, der eine Lehre macht, hat die Situation gleich verstanden und versucht seine sozialen Kontakte auf ein Minimum runtergefahren. Der Zusammenhalt in der Familie ist da, damit das Risiko nicht größer wird, als es schon ist.

Bis die Corona-Krise überstanden ist, „müssen alle mal kürzertreten, es geht auch vorbei“. Und sie sollten versuchen, aus der Situation das Beste zu machen: „Oft bleibt die Familie ja sonst im Alltag auf der Strecke“, so Michael Blume-Kühnast.

VON HANNA KOERDT

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare