Kunststudent Lukas Mletzko kreierte Installation zum Thema Transhumanismus in Kalbe

Güldener Übermensch auf Folie

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Lukas Mletzko hat in Kalbe in den vergangenen Tagen „Übermenschen“ geschaffen.

koe Kalbe. In den vergangenen Tagen konnten Passanten und vorbeifahrende Autofahrer einen Mann dabei beobachten, wie er Frischhaltefolie um Bäume spannte und dann mit goldener Farbe die Umrisse eines Menschen darauf malte.

„Was macht der da?“, fragte sich bestimmt so manch einer. Der heißt Lukas Mletzko und er ist aktuell als Stipendiat der Künstlerstadt Kalbe in Vienau. Und das was er macht, ist eine Installation mit dem Thema „Der Übermensch“.

Seit dem vergangenen Jahr studiert der 34-Jährige Kunst an der Akademie der bildenden Künste in München. Vor seinem Studium allerdings war er beruflich in ganz anderen Gefilden unterwegs – er arbeitete als Kfz-Mechatroniker. Vielleicht spiegelt sich Technik deshalb auch in seinem Thema wider. „Ich beschäftige mich thematisch mit der nächsten Generation des Menschen“, erklärte der Kunststudent gestern, als er seinen „Übermenschen“ an der Straße der Jugend in Kalbe installierte. Schon heute verlängert der Mensch durch Impfungen sein Leben, ersetzt fehlende Glieder durch Prothesen, lässt seine Arbeit von Maschinen erledigen. Doch wohin geht die Entwicklung noch? In England werden zu Forschungszwecken Mensch-Tier-Hybride in Petrischalen gezüchtet. Noch werden sie nach kurzer Zeit wieder getötet. Und irgendwann wird sich wohl das menschliche Bewusstsein mit dem World Wide Web verbinden. Es sind erst die Anfänge, so Lukas Mletzko, eines evolutionären Sprungs. In der Wissenschaft und der Philosophie beschäftigt man sich schon lange mit dem Transhumanismus, auch wenn der Terminus hier noch nicht vollends festgelegt ist. Der „Übermensch“ von Lukas Mletzko hat weder Kopf, noch Arme oder Füße. Sie fehlen, weil noch nicht klar ist, wie der Übermensch genau aussieht. Er ist in diesem Fall kein Individuum, sondern steht stellvertretend für alle. Auf der durchsichtigen Folie verschmilzt er mit seiner Umgebung. Goldfarbe nutzt Lukas Mletzko, weil sie eine große kunsthistorische Bedeutung hat. Bei der Darstellung von Ikonen symbolisiert Gold oftmals die Transzendenz, das Übermenschliche, das Göttliche. Nicht die Ikonen selbst, aber der Raum um sie ist oft golden. Lukas Mletzko verkehrt dies – der Übermensch bzw. sein Umriss ist golden.

Die Folie nahm der Stipendiat nach kurzer Zeit wieder ab. Doch die Kalbenser Übermenschen existieren weiter. Sie wurden fotografiert und online gestellt und leben so digital fort. Anm. d. Red.: Irgendwie wie Tote, deren facebook-Account noch aktiv ist.

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