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Zu viel Geld für Jugendarbeit? Bürger kritisiert im Stadtrat Zuschüsse für AWO-Einrichtung

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Von: Hanna Koerdt

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Jugendliche am Jugendclub Kroko in Kalbe
Der AWO-Jugendclub „ Kroko“ in Kalbe wird durchschnittlich von 20 Jugendlichen täglich besucht. Bei der Einwohnerfragestunde des Stadtrates wurde jetzt die Finanzierung der Jugendarbeit thematisiert. © Hanna Koerdt

Gibt es zu viel Geld seitens der Stadt Kalbe für die Jugendarbeit? Mit dieser Frage wurde am Donnerstag der Kalbenser Stadtrat konfrontiert.

Kalbe – Die Einwohnerfragestunde der Stadtratssitzung nutzte Frank Kossow, um zu erfahren, weshalb bei der Höhe der Zuweisungen der Brauchtumsmittel, die von Ortschaftsräten an Vereine und Institutionen verteilt werden, teils immense Unterschiede bestehen. In der Stadtratssitzung vor der Sommerpause hatte das Gremium die Zuschüsse für dieses Jahr, die im vergangenen Jahr bereits von den Ortschaftsräten beraten wurden, beschlossen. Alle Antragssteller bekämen im Durchschnitt zwischen 200 und 400 Euro, erklärte Kossow. Wenige Antragssteller erhielten Beträge über 1000 Euro. Die Jugendarbeit der AWO aber wurde mit 4780 Euro und die mobile Jugendarbeit der AWO mit 2800 Euro vom Kalbenser Ortschaftsrat bezuschusst. Das seien über 30 Prozent „vom ganzen Kuchen“, kritisierte der Bürger, und dass, obwohl die Arbeiterwohlfahrt (AWO) als Träger eine GmbH sei, und über eigene finanzielle Mittel verfüge, im Gegensatz zu den ehrenamtlichen Vereinen, die die Brauchtumsmittel brauchen. „Warum kriegen die so viel Geld?“, fragte Frank Kossow.

Es sei richtig, dass die AWO für die Jugendarbeit auf den ersten Blick von der Stadt – die Ortschaften erhalten sechs Euro pro Einwohner als Brauchtumsmittel aus der Stadtkasse, welche von den Ortschaftsräten verteilt werden – viel Geld erhalte, erklärte dazu Kalbes Bürgermeister Karsten Ruth. Die Stadt zahlt jährlich auch noch einen Festbetrag für die Jugendarbeit, abseits des Budget-Zuschusses. Allerdings „ist es gar nicht mehr so viel“, so Karsten Ruth, betrachtet man den Hintergrund: Die Jugendarbeit richtet sich nicht nur an Kinder und Jugendliche aus einem Ort, sondern aus der gesamten Einheitsgemeinde. Lediglich der Ortschaftsrat Kalbe bezuschusst aber die AWO.

Die Jugendbetreuung obliegt den Kommunen als rein freiwillige Aufgabe. Die Fachstellen werden vom Land, Landkreis und den Kommunen Co-finanziert, erklärte Stadtratsmitglied Mirko Wolff. Wenn die Kommunen nicht auch finanziell unterstützen würden, „gäbe es die Stellen nicht“, so Wolff. Professionell geführte Jugendräume gibt es schon seit geraumer Zeit nicht mehr in den Ortschaften der Einheitsgemeinde Kalbe, sondern nur in der Kernstadt. Man wolle einen pädagogisch ausgerichteten Jugendclub „wenigstens an einer zentralen Stelle“ anbieten, erklärte Ruth. Wobei vom Jugendclub „Kroko“ auch die Mobile Jugendarbeit in den Ortschaften angeboten wird. Diese Fachstelle war die vergangenen zwei Jahre in Kalbe wegen des Fachkräftemangels nicht besetzt, ist es aber seit Kurzem wieder, erklärte Jugendclubleiter und Stadtratsmitglied Volkmar Erl. Und: Fast 60 Prozent der Kinder, die regelmäßig in den Jugendclub kommen, wohnen nicht in Kalbe, sondern in anderen Ortschaften der Einheitsgemeinde, erklärte Erl. Heiko Gabriel betonte, dass die AWO bei der Antragsstellung für die Jugendarbeit für Zuschüsse aus dem Budget auch den AWO-Haushalt mit einreiche. Betrachte man die Zahlen, werde „ein gewisser Eindruck erweckt“, bezog sich Gabriel auf die Skepsis des Bürgers, doch beim Verteilen des Geldes „macht es sich der Ortschaftsrat auch nicht einfach“.

Ursprünglich stand auf der Tagesordnung des Stadtrates am Donnerstag der Punkt „Beratung zur finanziellen Beteiligung der Stadt Kalbe an den Jugendräumen“, welchen Karsten Ruth aber noch vor der Einwohnerfragestunde mit Zustimmung des Gremiums streichen ließ. Denn am Dienstag, 6. September, soll als vorgeschaltetes Gremium erneut der Finanz- und Sozialausschuss das Thema Kinder- und Jugendarbeit diskutieren. Schon im April 2021 beriet und vertagte der Ausschuss das Thema – man wolle sich erst von Trägern wie der AWO, dem Künstlerstadtverein und Vertretern der Schule informieren lassen, welcher Bedarf bei der Jugendarbeit besteht. Noch einmal beraten und doch wieder vertagt wurde das Thema ein halbes Jahr später im November wegen fehlender Informationen – die Jugendarbeit-Träger wurden zur Sitzung nicht eingeladen.

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