Finanz- und Sozialausschuss in Kalbe: Geld für Räume sollte besser in Facharbeit investiert werden

Kalbe: Jugendraum ist nicht gleich Jugendarbeit

Im Jugendclub „Kroko“ in Kalbe wird professionell gearbeitet.
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Im Jugendclub „Kroko“ in Kalbe wird professionell gearbeitet. Sollte hier investiert werden oder in Jugendräume, wurde im Finanzausschuss debattiert.
  • Hanna Koerdt
    vonHanna Koerdt
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Der Finanz- und Sozialausschuss in Kalbe hat über den Umgang und die finanzielle Beteiligung bei den Jugendclubs diskutiert. Denn Jugendraum bedeutet nicht gleichzeitig auch Jugendarbeit.

Kalbe – Man dürfe nicht „Äpfel mit Birnen vergleichen“, ermahnte Mirko Wolff vor wenigen Tagen im Finanz- und Sozialausschuss die Gremiumsmitglieder. Der Apfel ist ein professionell geführter Jugendclub bzw. die professionelle Jugendarbeit, die Birne ein Jugendraum.

„Umgang und finanzielle Beteiligungen mit und bei den örtlichen Jugendclubs“ stand auf der Tagesordnung des Gremiums. Anlass dazu gab ein vorerst gestrichener Posten auf der Investitionsliste der Stadt: 30 000 Euro für den Umbau eines Feuerwehrschuppens zu einem Jugendraum in Zethlingen. Zu den baulichen Voraussetzungen in Zethlingen gab Ulf Kamith, Vorsitzender des Bauausschusses, eine kurze Information: Es handle sich um einen ganz einfachen, alten Lagerraum. „30 000 Euro reinzustecken, siehst du nicht, ich denke, da müssten bestimmt 70 000 investiert werden“, schätzte Kamith. Beispielsweise gebe es keine Toiletten. „Ich gebe doch keine 30 000 Euro für ein marodes Haus aus“, erklärte Kay Grahmann, wenn nicht garantiert werden könne, dass sie nachhaltig, also für Generationen investiert werden.

Schwankende Zahlen von Jugendlichen seien durchaus ein Problem. In den vergangenen Jahren wurden Jugendräume in der Einheitsgemeinde geschlossen, beispielsweise in Packebusch, erläuterte Otto Wienecke. Es gibt nur noch einen Jugendraum, nämlich in Altmersleben. Entscheidet man, in einem Dorf wieder einen Jugendraum zu schaffen, dann müsse man künftig „alle gleich behandeln“, meinte Solveig Kroth.

Statt in Räumlichkeiten zu investieren, könne in professionelle Jugendarbeit investiert werden, denn diese sei chronisch unterfinanziert, erklärte Mirko Wolff. Und machte klar, dass ein Jugendraum zwar eine Art von Jugendförderung darstelle, ein Jugendclub aber etwas völlig anderes sei. In der Debatte dürfe man dies nicht vermischen. Und gleichzeitig könnte die getrennte Betrachtung und Unterstützung beider dazu führen, „dass beide geschwächt da rausgehen“, sagte Wolff. Er sprach sich dafür aus, das Geld eher für die Unterstützung beispielsweise der mobilen Jugendarbeit zu nutzen, die die professionelle Arbeit und Angebote in die Fläche bringt. Bernd Pawelski argumentierte, dass da aber eventuell das Angebot überdacht werden müsse, weil die mobile Jugendarbeit auf wenig Resonanz stieße – so jedenfalls die Erfahrung aus Altmersleben.

Mirko Wolff und Heiko Gabriel sprachen sich dafür aus, dass sich die Ausschussmitglieder generell von Trägern wie der AWO, dem Künstlerstadtverein und Vertretern der Schule informieren lassen sollten, welcher Bedarf bei der Jugendarbeit besteht. Eventuell sei im Anschluss auch die Förderung von Personalstellen, so wie bei der Künstlerstadt Kalbe über das Leader-Programm, möglich.

Die Entscheidung zu dem Thema wurde vertagt. Und die Pläne zum Jugendraum in Zethlingen an den Ortschaftsrat zurückgegeben. Dieser solle erst nach anderen Möglichkeiten suchen, einen Jugendraum anzubieten. Zum Beispiel durch Kooperationen mit dem Sportverein oder dem Erlebnishaus.

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