Hortkinder befreiten den Roten Wall von Müll

Frühjahrsputz in Kalbe: Bleibt Plastik zwei oder 25.252 Jahre?

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Junge Umweltschützer: Mit Greifzangen und Piksern räumten die Kinder Müll vom Weg und aus dem Wasser.

Kalbe – Auf dem Hof des Hortes Abenteuerland wurde gekehrt, was das Zeug hielt und Laub und Rinden zusammengetragen. Einige andere Hortkinder gingen am Freitagnachmittag hingegen den Roten Wall ab.

Der Weg führt direkt an der Einrichtung und der nebenan befindlichen Sekundarschule vorbei und wurde jetzt vom Müll befreit.

„Ich finde das richtig gut, dass die Künstlerstadt die Initiative gestartet hat“, meinte Hortleiterin Christina Schulenburg. Die eigentliche Putzaktion, an der sich neben dem Künstlerstadtverein auch andere Vereine und Einwohner beteiligten, fand am Sonnabend statt. Aber die Hortkinder krempelten schon am Freitag die Ärmel hoch, um ihre Einrichtung und den Roten Wall aufzuräumen. Auf diesem fanden sie viel Müll: Hier ein Plastikbeutel am Wegesrand, da eine Schnapsflasche im Busch, Verpackungen im Wasser und viele Kippenstummel überall verstreut. Letztere wurden allerdings nicht aufgehoben, dafür der ganze andere Müll.

Sogar ein Waschbecken lag herum. Ganz schön eklig fanden die Kinder den vielen Müll. Aber sie hatten auch Freude daran, ihn aufzusammeln. So meinte Lotte Ruth, dass sie später mal Müllsammlerin werden will. Mal sehen, ob der Berufswunsch so bestehen bleibt, aber zumindest haben die Kinder schon jetzt ein gutes Bewusstsein für die Umwelt und darüber, was ihr schadet.

Ben Rudloff holte Müll aus den Büschen am Roten Wall.

So wusste Ben Rudloff, dass besonders die Ozeane vom Plastikproblem betroffen sind und dadurch Tiere ersticken und sterben, weil sie sich mit Hälsen in Plastikteilen verheddern oder Plastikmüll mit Nahrung verwechseln und ihn fressen, „sogar Haie“, meinte der Neunjährige. Tatsächlich ist das weltweite Plastikproblem aktuell häufig in den Medien. Seit den 1950er Jahren, als die Produktion von Kunststoffen durch neue Verfahren sehr billig wurde und richtig an Fahrt aufnahm, hat die Menschheit mehr als acht Milliarden Tonnen Plastik produziert. Nur ein geringer Teil im einstelligen Prozentbereich wurde recycelt, der Löwenanteil wurde auf Deponien gebracht, schwimmt in Gewässern und liegt in der Natur herum.

Was die Kinder nicht gedacht hätten ist, dass vom Plastik, welches jetzt produziert oder weggeworfen wird, auch noch ihre Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Enkel, oder einfacher gesagt viele folgende Generationen etwas haben werden. Auf die Frage, wie lange Plastik wohl braucht, bis es so wie eine Bananenschale verrottet ist, kamen Vorschläge wie zwei, drei oder auch sechs Jahre auf. Die Kinder sollten aber an eine viel höhere Zahl denken. 20 Jahre, 50, 100, 300.

Im Hort Abenteuerland in Kalbe wurde zusammen klar Schiff gemacht.

Doch zu abgefahren war die Zahl 25.252 Jahre, aber ob der tatsächlichen machten die Nachwuchs-Umweltschützer ziemlich große Augen: Angefangen von der Plastiktüte, die zehn bis 20 Jahre braucht, um sich zu zersetzen, braucht eine Wegwerfwindel, die bedauerlicherweise besonders gerne nach dem Motto „Pampers in die Pampa“ irgendwo im Gebüsch weggeworfen wird, etwa 450 Jahre. Laut dem Fraunhofer-Institut dauert die Zersetzung mancher Plastikprodukte sogar bis zu 1000 Jahre. Insgesamt handelt es sich aber selbst dann laut Umweltbundesamt nicht um einen vollständigen Abbau. Also ist die hochgegriffene Zahl 25.252 Jahre doch irgendwie nicht falsch.

VON HANNA KOERDT

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