Nur noch drei Aktive wollten das Ehrenamt weiterbetreiben

Die Feuerwehr Hagenau löst sich auf

Wolfgang Gühne und Helmut Bach verkünden das Ende der Feuerwehr Hagenau im Ortschaftsrat Packebusch
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Hagenaus Ortswehrleiter Wolfgang Gühne (rechts) und sein Stellvertreter Helmut Bach informierten am Dienstag, 8. Juni, den Packebuscher Ortschaftsrat, dass es für die Hagenauer Ortsfeuerwehr keine Zukunft gibt.
  • Hanna Koerdt
    vonHanna Koerdt
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Nicht mehr genug Mitglieder, ausgelaufene Berufung der Wehrleitung: Im Jahr ihres 95. Jubiläums löst sich die Freiwillige Feuerwehr Hagenau auf.

Hagenau/Packebusch – Er habe „seit Freitag nicht mehr geschlafen“: Die Emotionen waren Hagenaus Ortswehrleiter Wolfgang Gühne anzusehen und anzuhören, als er am Dienstag, 6. Juni, während der Sitzung des Packebuscher Ortschaftsrates das Hauptthema der Tagesordnung ansprach: das Ende der Freiwilligen Feuerwehr Hagenau.

Ende der Hagenauer Feuerwehr vor 20 Jahren verhindert

Bereits vor über 20 Jahren stand die Hagenauer Ortswehr vor dem Aus, berichtete Packebuschs Ortsbürgermeister Otto Wienecke und richtete an Wolfgang Gühne und seinen Stellvertreter: „Ihr habt dafür gesorgt, dass die Feuerwehr vor 20 Jahren nicht aufgelöst wurde“. Die beiden Männer hatten innerhalb von zwei Jahren alle notwendigen Fähigkeiten erlernt und Ausbildungen absolviert, um die Leitung der Ortswehr zu übernehmen. „2001 war es möglich, dass du Wolfgang zum 75. Jubiläum als Wehrleiter eine Rede hieltst“, erinnerte Wienecke. Die Entscheidung damals sei „goldrichtig“ gewesen, doch „heute stehen wir wieder vor der Frage: Wie geht es weiter mit der Feuerwehr?“, sah Wienecke Gühne an.

Von sieben aktiven Feuerwehrleuten wollten nur drei weitermachen

Die Antwort darauf: Es geht gar nicht weiter. „Es ist traurig, es ist aber so“, erklärte Wolfgang Gühne. Laut Brandschutz-Gesetz brauche eine Freiwillige Feuerwehr 18 aktive Mitglieder. Oftmals werde bei dieser Zahl zwar „geschummelt“ – diesbezüglich müsse niemand etwas vorgaukeln, erklärte Gühne –, allerdings habe man zuletzt bei der Ortsfeuerwehr bezüglich der Einsatzbereitschaft und aktiven Feuerwehrarbeit „den Pool durchgeschaut, wer ist denn wirklich noch da“, erzählte Gühne. Da waren sieben Mitglieder. „Wir haben alle sieben am Freitag nochmal zusammengerufen und Tacheles geredet. Drei blieben übrig, die noch Feuerwehrarbeit machen wollten“, resümierte der Ortswehrleiter. Über die Hälfte gab an, aus gesundheitlichen Gründen die Arbeit nicht mehr leisten zu können oder zu wollen. Viele stünden vor ihrer Rente, vor 20 Jahren habe es „ein ganz anderes Kräftepotenzial gegeben“, erzählte Wolfgang Gühne. Für eine Feuerwehr sind es definitiv viel zu wenige Mitglieder. Er habe die verbliebenen, die noch bei der Hagenauer Feuerwehr mitmachen wollten, auch gefragt, ob sie zur Packebuscher wechseln wollten. Doch, auch wenn die Zusammenarbeit gut ist, wie neben Wolfgang Gühne auch Packebuschs Ortswehrleiter und Ortschaftsratsmitglied Dirk Borchert betonten, habe daran kein Interesse bestanden.

„Wir blicken mit Stolz zurück“, betonte Wolfgang Gühne. Die Leistungen hätten sich in den 20 Jahren gesteigert und entwickelt. Das bestätigte auch Otto Wienecke, der die Arbeit der beiden Männer mit Worten und Präsenten würdigte.

Stadtwehrleitung zeigt „null Reaktion“, mangelnde Wertschätzung „sehr schäbig“

In puncto Wertschätzung machten Wolfgang Gühne und Helmut Bach ihrer Enttäuschung und ihrem Ärger über die Stadtwehrleitung und die Stadt Kalbe Luft: Bachs Berufung lief im April aus, die von Wolfgang Gühne im Januar. Gühne erzählte, er habe sich im Dezember 2020 beim Stadtwehrleiter Jörg Kämpfer gemeldet, auch bei Ulf Kamith, und gefragt, wie es weitergehen solle mit der Feuerwehr, auch, weil der TÜV für ein Fahrzeug ablief. „Die Reaktion: Null“, erklärte Gühne. Die Auflösung wurde einfach hingenommen, „und bei Festen und Jubiläen schmieren sie einem Honig um den Mund und loben, wie toll man ist“, sagte Gühne enttäuscht. Dass sich keiner gekümmert und mal einen Dank ausgesprochen habe „finde ich sehr schäbig und unanständig“, fasste Helmut Bach zusammen.

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