Müll wird auf dem Friedhof in Kalbe weiterhin abgeladen und Mitarbeiter beschimpft

„Faule Sau“-Pöbeleien und Ausreden

Die Mitarbeiter nehmen das von Bürgern zusammengefegte Laub an den Wegrändern des Friedhofs mit. Aber Müll zu sammeln und zu entsorgen, ist nicht ihre Aufgabe.
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Die Mitarbeiter nehmen das von Bürgern zusammengefegte Laub an den Wegrändern des Friedhofs mit. Aber Müll zu sammeln und zu entsorgen, ist nicht ihre Aufgabe.

Kalbe – Ständig finden sie volle Plastiktüten mit Plaste, Laub und anderem Müll darin. Einfach in irgendwelchen Ecken des Friedhofs abgestellt. Darüber ärgern sich Maik Hinz und Jennifer Rücker, die sich seit Mai um die Pflege des Friedhofs kümmern.

Den Müll der Bürger zu entsorgen, gehört nicht dazu, auch wenn mancher Friedhofsbesucher anderer Meinung zu sein scheint, was teils sogar in Pöbeleien mündet.

Offiziell ist es seit dem 1. Oktober verboten, auf dem Friedhof in Kalbe Müll zu hinterlassen. Denn im Juli beschloss der Stadtrat, die Container auf dem Friedhof abzuschaffen. Dort wurde regelmäßig illegal Hausmüll entsorgt, von Chipstüten über volle Babywindeln war alles dabei. Für die Trennung und Entsorgung zahlte die Stadt jährlich über 2000 Euro statt der eingeplanten 200 Euro.

Tüten mit Plastik und anderem Müll werden einfach in die Ecken des Kalbenser Friedhofs gestellt.

Seit der große Container für Grün und die Mülltonnen für Plastiktöpfe und Co. abgeschafft wurden, hat sich die Problematik trotzdem nicht aufgelöst. „Wir haben hier schon richtige blaue Säcke wegräumen müssen, das ist doch nicht normal“, ärgert sich Maik Hinz im Gespräch mit der Altmark-Zeitung. Und zeigt dann zwei große Plastiktüten, die am Tag zuvor von jemandem am Eingangstor seitlich zwischen Hecken gestellt wurden – mit Plastikblumentöpfen, Erde und anderen Abfällen darin und daneben. „Wir sind nicht dafür zuständig, hier Müll wegzuräumen“, betont Maik Hinz. Und das erkläre er auch den Besuchern des Friedhofs, wenn er sie bittet, ihren Müll mitzunehmen. Manche würden sich darauf rausreden, dass sie nicht wissen, dass man seinen Müll nicht mehr dalassen kann und sagen, dass sie, wenn es Schilder gebe, das auch nicht machen würden, berichtet Hinz. Andere jedoch, fangen an zu pöbeln: Maik Hinz wurde schon als „faule Sau“ beschimpft, weil ein Bürger es nicht als seine eigene, sondern die Aufgabe von Maik Hinz ansah, den Müll wegzuschaffen. Auch andere Beschimpfungen haben er und Jennifer Rücker schon gehört und wurden gefragt, was sie das überhaupt angehe, wenn sie Friedhofsbesucher darum bitten, ihren eigenen Müll wieder mitzunehmen.

Ein großes Schild weist darauf hin, dass es verboten ist, Müll abzuladen. Darunter: abgeladener Müll.

Die Stadt hat bereits Schilder aufgestellt, dass Müll abladen verboten ist. Sie würden aber an den Eingangstoren fehlen, kritisierte am Dienstag eine Bürgerin auf dem Friedhof. Auf Nachfrage der AZ im Rathaus werden jetzt voraussichtlich noch zusätzliche Schilder an den Eingängen aufgestellt. Mit der Abfallproblematik hat sich in der vergangenen Woche auch schon die Friedhofskommission beschäftigt, die sich erstmals getroffen hat. „Wir wussten, dass die Abschaffung der Container noch nicht das Ende des Problems war“, sagt Kalbes Bürgermeister Karsten Ruth. Die Umstellung für die Bürger brauche Zeit. Aber das, was Maik Hinz und Jennifer Rücker erleben sei ein echter „Härtefall“ und inakzeptabel. Die Kommission sucht nach Möglichkeiten, die Probleme nachhaltig zu lösen oder zu regulieren, so Ruth.

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