Zwei Männer betrieben in Kalbe von Ende 2016 bis Februar 2018 Hanf-Indoor-Plantage / Handel vor allem nach Berlin

„Die falsche Entscheidung getroffen“

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Am 28. Februar wurde die Indoor-Plantage mitten in Kalbe entdeckt und ausgehoben. Seit gestern stehen die geständigen Angeklagten, zwei langjährige Freunde, in Stendal vor Gericht.

Stendal / Kalbe. Sieben Anklagepunkte verlas der Staatsanwalt im Stendaler Landgericht gegen einen 38-Jährigen aus Flechtingen und einen 43-Jährigen aus Magdeburg.

Es handelt sich um das Strafverfahren gegen die beiden Männer, deren Indoor-Plantage am 28. Februar in der ehemaligen Kaufhalle in Kalbe hochgenommen wurde. Beide zeigten sich vor Gericht geständig.

„Ich bin froh, dass es vorbei ist“, sagte der 38-Jährige vor Gericht. Eigentlich wollte der Flechtinger keinen Drogenhandel starten, sondern einen mit Kaminholz. Das Gewerbe hatte er schon angemeldet und über seinen Freund, den Mitangeklagten, die Immobilie an der Alten Bahnhofstraße in Kalbe über einen Miet-Kauf-Vertrag erworben. Doch dann kam alles ganz anders: Er sei in finanzielle Schwierigkeiten geraten, dann habe er im Krankenhaus gelegen und schließlich in der finanziellen Not „die falsche Entscheidung getroffen“.

Wer von beiden tatsächlich auf die Idee kam, in den Räumlichkeiten in Kalbe eine Indoor-Plantage einzurichten, das konnte gestern keiner der beiden nachvollziehen. Oder wollte es nicht: „Schonmal von falscher Loyalität gehört?“, raunte der Verteidiger des Magdeburgers in Richtung seines Klienten. Schon lange sind beide befreundet, es bestand ein Vertrauensverhältnis. Deshalb wurde auch über die Mengen und Einnahmen nicht „Buch geführt im Sinne einer Buchführung“, so der Magdeburger. So kam es gestern im Gerichtssaal auch zu Verwirrungen über die genauen Erntemengen und Einnahmen. Erstmals Ende 2016 sollen die Angeklagten 150 Samen – 200 hatten sie vorher in Wien gekauft – angesetzt haben. Daraus habe sich eine Ernte zwischen 3700 und 4500 Gramm ergeben. Diese wurde vor allem nach Berlin verkauft, für vier Euro das Gramm. So habe sich ein Gewinn von etwa 20.000 Euro ergeben. Abnehmer seien „ganz normale Leute“ gewesen, sagte der Flechtinger, sogar „Lehrer und Anwälte“, die besonders das Medizinalhanf mit nur zweiprozentigem THC-Gehalt kauften, das die beiden zu einem späteren Zeitpunkt vermehrt anpflanzten.

Der Flechtinger war quasi als „Gärtner“ für die Pflanzen zuständig, während sein Mitangeklagter sich um die Technik kümmerte. Verkauft haben beide, sagten sie vor Gericht aus. Für die nächsten zwei Pflanzdurchgänge kauften sie in Österreich jeweils 1000 Stecklinge, weil diese günstiger gewesen seien und insgesamt unaufwendiger. Die Angaben der Angeklagten, wie viele Pflanzen tatsächlich gewachsen und abgeerntet werden konnten, variierten gestern. Der Magdeburger gab an, dass sich zehn Kilogramm aus den ersten drei Ernten ergeben hatten und man etwa 40.000 Euro Gewinn gemacht habe.

Ein Unglück in der Indoor-Plantage geschah dann im Juni 2017, als es einen Schwelbrand gab. Die Technik wurde zu „zwei Dritteln“, so der Magdeburger, zerstört. Es hätte ein Umkehrpunkt für die beiden Angeklagten sein können, allerdings habe man „so viel Arbeit reingesteckt, man sieht die Schulden“, so der Magdeburger. Sie hätten vor der Entscheidung gestanden, ob sie neu anfangen oder aufgeben sollten, hätten sich gefragt, ob der Brand ein Zeichen gewesen sei, aber dann doch weitergemacht. Mit neuer Technik und abermals rund 1000 Stecklingen hätten sich etwa sechs Kilogramm Ernte ergeben. Mit dem insgesamt erwirtschafteten Geld hätten die beiden vor allem erst einmal Schulden abbezahlt, beispielsweise die Mietraten für die Kalbenser Immobilie, und das, was sie finanziell in die Technik der Anlage gesteckt hatten. Der Flechtinger erzählte, dass er seine Schulden gegenüber dem Krankenhaus tilgen konnte, beim Finanzamt und noch weitere Posten bezahlen konnte.

Illegal war auch der Bezug des Stroms für die Plantage, der Stromanbieter habe etwa 15.000 Euro geltend gemacht.

Am Montag wird die Verhandlung fortgesetzt.

Von Hanna Koerdt

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