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Passanten füttern, Schafe sterben

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Von: Hanna Koerdt

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Tote Schafe auf Anhänger
Bei Altmersleben sind Schafe verendet. © Hanna Koerdt

Acht Schafe sind bei Altmersleben zuletzt vergiftet worden.

Altmersleben – Acht tote Schafe innerhalb von etwa sechs Wochen. Das ist das traurige Ergebnis von scheinbar gut-gemeinten Absichten von Spaziergängern, die die Tiere auf einer Weide zwischen Altmersleben und Kalbe mit Essensresten gefüttert haben. Das hat am vergangenen Wochenende schon wieder tödlich geendet, berichtet Landwirt Steffen Liermann, der die Schäferei seit Anfang des Jahres hat, der AZ.

Am vergangenen Wochenende waren es „Nummer sieben und Nummer acht“, sagt Steffen Liermann aus Altmersleben – die zwei toten Tiere, die er auf der Weide, auf der die Schafe aktuell grasen, entdeckte. Nicht etwa ein Wolf hat die Tiere gerissen. Sie starben offensichtlich, weil dort erneut Spaziergänger Essensreste über den Zaun geworfen haben, damit die Tiere sie fressen. „Sie denken, sie tun meinen Schafen damit etwas Gutes“, sagt Steffen Liermann. Doch das Gegenteil ist der Fall.

Als die ersten Tiere vor etwa sechs Wochen, nachdem sie auf die Weiden gebracht worden waren, plötzlich starben, dachte der Landwirt noch, er mache selbst etwas falsch und sorgte sich um den Weiterbestand seiner beiden Herden. Dann bemerkte Liermann, dass immer wieder Essenreste auf der Wiese liegen. Die Schafherden stehen auf Weiden zwischen Kalbe und Altmersleben, am Plattenweg nach Butterhorst. Dort parken immer wieder Autos – viele Spaziergänger laufen den Weg entlang. Liermann vermutet, dass sie es sind, die die Tiere mit ihren Hausabfällen füttern. Besonders gefährlich sind dabei die Kartoffelschalen. „Das vertragen die Mägen der Schafe nicht“, erklärt Liermann. Um sich daran zu gewöhnen, braucht es eine Nahrungsumstellung. Und selbst dann ist es gefährlich. Die Schafe fressen derzeit ausschließlich das Gras von den Weiden. Höchstens Stroh kommt hinzu, wenn das Gras knapp ist. Im Winter wird die Nahrung langsam und behutsam umgestellt, die Tiere erhalten dann Zuckerrüben. In seltenen Fällen muss während der Umstellung sogar medikamentös eingegriffen werden. Die Verdauung der Zuckerrüben und letztlich der Kartoffelschalen, die ähnliche Nährstoffe haben, ist eine ganz andere, „die Bakterien im Pansen müssen sich erst umstellen“. Durch die Fremdfütterungen mit Kartoffelschalen und Co. kann es zu einem Nährstoffüberschuss kommen. Die Folge ist, dass die Muskeln der Tiere dann verkrampfen, die Tiere versteifen „und dann daran sterben“, sagt Steffen Liermann, so wie es mittlerweile acht Mal passiert ist.

Zu solchen Fällen kommt es bedauerlicherweise immer wieder, „Aber das hier ist extrem. Die Leute müssen das einfach sein lassen“, appelliert Liermann. Er stellt nun auch Schilder an den Weiden auf. So wie ein anderer Landwirt, den Liermann kennt, der zeitweise auch massive Probleme damit hatte, dass Menschen seine Kühe auf Weiden gefüttert haben. Es weideten Mutterkühe mit Kälbern auf den Wiesen, durch die unerlaubten und ungebetenen Fütterungen „verlor er sogar auch Kälber“. Durch solche gut gemeinten Aktionen ensteht „mehr Schaden als alles andere“. Nicht nur ein finanzieller Schaden, sondern auch eine seelische Belastung für die Tierbesitzer: „Man macht sich die ganze Zeit einen Kopf“, so Liermann.

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