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Erste Familie aus der Ukraine in der Einheitsgemeinde Kalbe aufgenommen

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Von: Hanna Koerdt

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Wohnen jetzt neben- und miteinander: Karl-Heinz und Ilona Meier mit Alona Basaraba, Ehemann Aleksander und den Kindern Viktoria und Wolodimir. © Hanna Koerdt

Die Familie Basaraba ist kürzlich in der Einheitsgemeinde Kalbe angekommen. Die Geflüchteten aus der Ukraine wohnen nun in Dolchau und erzählen von den Geschehnissen in ihrem Heimatland.

Dolchau – Aleksander Basaraba war wegen einer Arbeit gerade in Polen, als seine Frau Alona ihn anrief und sagte, dass der Krieg in der Ukraine begonnen hatte. Nur zwei Tage später war sie mit zwei kleinen Kindern und ein paar persönlichen Sachen von Czernowcy in der Westukraine aus auf dem Weg zu ihrem Mann. Kürzlich hat die Familie in Dolchau ein neues Zuhause bekommen.

Eltern der Dolchauerin flüchteten einst selbst

Die junge Familie ist die erste, die in der Einheitsgemeinde Kalbe angekommen ist. Nachdem der Altmarkkreis Salzwedel die Kalbenser Stadtverwaltung kontaktierte, meldete sich diese bei Ilona und Karl-Heinz Meier. Das Dolchauer Rentner-Ehepaar hat der Familie eine Wohnung zur Verfügung gestellt. „Als das losging, waren wir erschüttert. Wir haben im Leben nicht damit gerechnet“, sagt Ilona Meier und denkt an den 24. Februar zurück, als der Krieg begann. „Nachdem die ersten Bomben fielen, haben wir gesagt: ‘Da müssen wir unbedingt was tun’. Finanzielle Mittel haben wir nicht, aber wir haben eine Wohnung“. Die Meiers besprachen dann alles mit ihren Kindern. Die Wohnung wird, nachdem die letzten Mieter 2015 auszogen, nur noch für Familienbesuche genutzt, damit Kinder und Enkel „ein Reich für sich“ haben. Aber „jetzt müssen wir einfach hier zusammenrücken“, sagt Ilona Meier, denn das habe ja auch geklappt, als noch Mieter in der Wohnung waren. Die ganze Familie war mit dem Plan, Geflüchtete aufzunehmen, einverstanden, erzählt die Dolchauerin. „Ich sehe das einfach als unsere Pflicht an.“ Ilona Meiers Eltern flüchteten einst selbst aus Dolchau in den Westen, nachdem der Vater eine Warnung erhielt, dass ihn die Volkspolizei abholen würde. „Ich weiß, für meine Eltern war es sehr schwer, wir hatten wenig Hilfe“, erinnert sie sich zurück und sagt: „Das hat mich sehr geprägt.“

Nachbarn unterstützen Geflüchtete

Auch jetzt seien Menschlichkeit, Hilfsbereitschaft und Empathie besonders wichtig. Die gab es auch von der Dolchauer Nachbarschaft, freut sich Ilona Meier. Mehrere Nachbarn brachten schon Süßigkeiten, Obst, Eier und andere Dinge. „Toll, dass sie so unterstützen“, findet die Rentnerin. Die Familie kam kürzlich an, eine Mitarbeiterin des Kreises war dabei und ein Dolmetscher, gestern kam eine Mitarbeiterin aus der Kalbenser Verwaltung, um ein paar Sachen zu klären. Mit den Meiers kommuniziert die Familie ein wenig auf Deutsch, mithilfe einer Übersetzer-App und mit Händen und Füßen.

„Wir sind sehr glücklich, dass wir so viel Hilfe bekommen“, sagt Aleksander Basaraba, der in der Ukraine Polizist war, aber wegen der besseren Verdienstmöglichkeiten auch viele Jahre in Polen, zum Beispiel in einem Schlachtbetrieb, arbeitete, im Gespräch mit der AZ. Durch einen privaten Kontakt in Salzwedel kam die Familie darauf, auf ihrer Flucht hierherzukommen, statt in Polen zu bleiben. Seine Frau und die Kinder sind jetzt sicher, „um sie mache ich mir keine Sorgen mehr“, sagt der Familienvater. Seine Sorge gilt jetzt den Freunden und Verwandten, die noch in der Ukraine sind. Seine Eltern leben in Iwano-Frankiwsk, wo schon am ersten Kriegstag der dortige Militärflughafen bombardiert wurde. Und es blieb nicht beim Flughafen, weiß er von seinem Vater. In der Region fallen vor allem Bomben, Panzer und bewaffnete Bodentruppen seien noch nicht dort. Seine Eltern können nicht fort, weil sie seine Schwester pflegen, die schwer krank ist. Die Eltern seiner Frau Alona leben noch in Czernowcy, dort ist es noch ruhig. Jeden Tag steht Aleksander Basaraba mit den Menschen in der Ukraine in Kontakt. Er versucht, zwischen seinen Kontakten in Deutschland, Polen und der Ukraine zu helfen, Geld zu sammeln und zu vermitteln. „Jetzt will ich auch ihnen helfen, das ist, was ich machen kann“, sagt er.

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