Idee vom Rat-Geräte-Kulturhaus: AG besichtigte Kalbes größtes Bauwerk / Kosten und Nutzen in keinem Verhältnis

Ernüchterung trotz Sentimentalität

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Das Modell des Kulturhauses zeigt seine Größe gut. Doch es passiert hier nicht mehr viel. Nun wurde im Stadtrat überlegt, ob man das Gebäude nicht zusätzlich nutzen könnte, nämlich als Verwaltung und Gerätehaus. Denn an allen drei Bauten sind große Investitionen notwendig.

Kalbe. Es kam so manche Erinnerung auf – an die eigene Jugendweihe oder an Partys im „U-Boot“. Gleichzeitig kam bei den meisten wohl auch absolute Ernüchterung auf, was das Kalbenser Kulturhaus anbelangt.

Denn dementsprechend lautet das Ergebnis, zu dem die Arbeitsgruppe (AG) kam, die das Gebäude am Dienstagabend in Augenschein nahm: Die Räumlichkeiten lassen es nicht zu, eine Kombination aus Gerätehaus, Stadtverwaltung und Kulturhaus zu schaffen. Der erforderliche Aufwand würde in keinem Verhältnis zu einem Nutzen stehen.

Eine AG besichtigte am Dienstag das Kulturhaus vom obersten Stock bis zum Keller.

Die AG war ein Resultat aus dem Antrag, den die CDU-Fraktion jüngst im Kalbenser Stadtrat stellte. Nämlich, dass bevor man Planungskosten für ein Brandschutzkonzept im Rathaus und einen Gerätehaus-Neubau ausgebe, geprüft werde, ob man nicht alle diese Institutionen in einem Gebäude unterbringen könnte. Denn mit dem Kulturhaus stehe ein riesiges, fast nicht genutztes Bauwerk in der Stadt. Um diese Möglichkeit auszuloten, wurde eine AG zusammengestellt. Die Fraktionsvorsitzenden bestimmten Stadtratsmitglieder, außerdem waren Verwaltungsmitarbeiter sowie Kalbes Stadtwehrleiter Jörg Kämpfer und Kalbes Ortswehrleiter Ramón Rulff beteiligt. Die zwei Männer gaben der AG vor der Besichtigung einen Überblick über ihre Vorstellungen bezüglich eines Um- bzw. Neubaus des Feuerwehrgerätehauses. Der Wunsch der Feuerwehr ist es, den vorderen Teil des Gerätehauses an der Schulstraße stehen zu lassen, den hinteren Komplex aber abzureißen und dort Garagen mit sieben Stellplätzen und vielleicht auch einer zweiten Etage zu schaffen. Dies würde voraussichtlich 3 Millionen Euro kosten, die Stadt stößt damit an finanzielle Grenzen und wird einen Kredit aufnehmen müssen. Um Luxus geht es dabei allerdings nicht (siehe Kasten), sondern darum, die Arbeitsfähigkeit zu sichern, auch rechtlich gesehen. In dem Bericht wurden Alternativstandorte wie das Kulturhaus unter anderem auf die Erreichbarkeit, Anbindung, Zusatzkosten, Größenanforderungen etc. beleuchtet. „Mit diesem Wissen im Hinterkopf“, so Kalbes Bürgermeister Karsten Ruth, wurde das Kulturhaus anschließend besichtigt. Schnell wurde allen klar, dass das Kulturhaus als Gerätehaus unbrauchbar ist. Die Anforderungen des Denkmalschutzes, die Raumaufteilung, die Bausubstanz, das Gebäude wäre sogar zu klein, um dort wie vorgeschlagen eine Kombination aus Kultur-, Geräte- und Rathaus zu schaffen.

Ein Rathausumzug in das Kulturhaus wurde im Ergebnis bei der Beratung nach der Begehung ebenfalls abgelehnt. Denn nicht nur im Rathaus, sondern auch im Kulturhaus müssen bauliche Veränderungen stattfinden, um den aktuellen Brandschutzauflagen gerecht zu werden. Deswegen ist der Teil des Kulturhauses, in dem der Theatersaal ist und die kleine Galerie in der oberen Etage, ja überhaupt erst gesperrt. Mit einem Umzug der Verwaltung ins Kulturhaus kämen auf die Stadt noch viel höhere Kosten zu, als die, die entstehen, wenn man die jetzige Verwaltung entsprechend umbaut. Wie die Umbauten am ehesten Sinn ergeben, das möchte die AG bei einem zweiten Termin in der Verwaltung im Zuge einer Besichtigung im Mai erörtern. Die Ergebnisse der AG sollen im Juni dem Kalbenser Stadtrat vorgestellt werden.

Was das Kulturhaus selbst angeht, sieht es die AG trotz emotionalem Wert so: Die Bausubstanz wird erhalten, aber ohne große Investitionen zu machen.

Von Hanna Koerdt

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