Rohgas-Leckage am Gassammelpunkt / Landesamt bestätigt den Austritt von Quecksilber

Erdgas-Havarie: BI schlägt Alarm

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Am Gassammelpunkt Kakerbeck ist Quecksilber ausgetreten. Bei „Winkelstedt 111“ wurden abgedeckte Container neben offenen Sandbergen dokumentiert. Die BI „Saubere Umwelt“ glaubt, dass dort kontaminiertes Erdreich zwischengelagert wird.

Kakerbeck. Nahe Kakerbeck hat es nach Angaben der Bürgerinitiative (BI) „Saubere Umwelt und Energie Altmark“ eine Havarie gegeben, konkret am sogenannten „Gassammelpunkt (GSP) Kakerbeck“.

Dort hat die BI einen frisch ausgehobenen Krater mit angeblich maroden Erdgasrohren dokumentiert. Laut BI handelt es sich um die dritte seit September 2016 bekannt gewordene Rohgas-Leckage im altmärkischen Erdgasfördergebiet.

Auf Nachfrage bestätigte das zuständige Landesamt für Geologie und Bergwesen, dass Quecksilber ausgetreten ist. Wie viel, könne man noch nicht abschließend sagen.

Die Havarie übertreffe die bisher bekannt gewordenen Leckagen um Größenordnungen, so Christfried Lenz im Namen der BI. Dass außer Quecksilber keine weiteren Schadstoffe ausgetreten sein sollen, wie das Amt für Geologie angibt, ist für die BI „schwer nachzuvollziehen, da das altmärkische Erdgas weit mehr giftige Stoffe inklusive radioaktiver Anteile enthält“.

Auf dem wenige hundert Meter entfernten Bohrplatz Winkelstedt 111 hat die BI zahlreiche abgedeckte Container neben offenen Sandbergen gesehen und fragt sich nun, ob hier kontaminiertes Erdreich zwischengelagert wird. Weitere Sandaufhäufungen würden sich unmittelbar neben dem Krater in einem Maisfeld befinden.

Christfried Lenz: „Das altmärkische Roh-Erdgas und Lagerstättenwasser enthalten üblicherweise außer Schwermetallen wie Quecksilber, Blei, Lithium, giftige Kohlenwasserstoffe, wassergefährdende Stoffe und Luftschadstoffe auch krebsauslösende Radionuklide wie Radium 226 (alpha-Strahler) und Radon 222 (radioaktives Edelgas).“ Die Stahlleitungen seien alt und von minderer Qualität. Sie würden von den im rohen Erdgas enthaltenen Salzen und vom Quecksilber zerfressen. Die BI geht davon aus, dass all die genannten Stoffe in den Boden, das Grundwasser und in die Luft gelangt sind. Dies sei „verantwortungslos und inakzeptabel“. Die Konsequenz könne nur sein, dem Unternehmen Engie die Betriebserlaubnis für die altmärkischen Erdgasfelder zu entziehen.

Die Firma Engie hatte Mitte Juni auf ihrer Webseite veröffentlicht, dass „Sanierungsarbeiten nach Bodenverunreinigungen“ stattfinden. Während Reparaturarbeiten an einer Erdgasleitung in der Altmark sei im umgebenden Erdreich freigesetztes Quecksilber entdeckt worden, heißt es dort weiter, worüber das Landesamt für Geologie und Bergwesen auch informiert worden sei. Das bestätigte die Behörde jetzt.

Von Ulrike Meineke

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