Ruth: „Rückkehr zu alten Zuständen“ / 7661 Menschen leben in der Einheitsgemeinde Kalbe

Einwohnerzahl 2016 um 115 gesunken

Kalbe. Nachdem in den beiden Vorjahren die Einwohnerzahlen der Einheitsgemeinde nur sehr gering gesunken waren – 2013/14 waren es 24 Einwohner weniger und 2014/15 sank die Zahl um lediglich 14 Einwohner – leben aktuell 7661 Menschen in der Einheitsgemeinde Kalbe.

Das sind 115 weniger als noch im Vorjahr. Es sei die „Rückkehr zu alten Zuständen. Trotzdem ist das nicht gerade erfreulich“, sagt Kalbes Bürgermeister Karsten Ruth.

Die niedrigen Zahlen der beiden Vorjahre waren bedingt durch den Zuzug von Flüchtlingsfamilien. Doch der allgemeine Trend geht hier wieder nach unten. Auch wenn die Einwohnerzahlen sinken, „der ganz drastische Schwund, wie er uns schon vor Jahren prophezeit wurde, ist in dem Umfang nicht eingetreten“, so Ruth. Auch Elke Buthut vom Kalbenser Einwohnermeldeamt sagt, dass die jetzige Zahl sich von denen der vergangenen Jahre insgesamt nicht unterscheidet: „Es sind im Durchschnitt immer so um die 100, mal mehr, mal weniger.“

In der Kernstadt leben aktuell 2293 Menschen. 46 weniger als im Vorjahr. Laut Elke Buthut gab es 128 Zuzüge und 131 Wegzüge. Verstorben sind im vergangenen Jahr 61 Bürger und 22 neugeborene Kinder leben in der Stadt. Auch in Brunau sank die Einwohnerzahl um 19 auf aktuell 464. Im Jahr davor, 2015, war sie dagegen um 15 gestiegen.

Gestiegen ist die Einwohnerzahl 2016 dagegen in Sallenthin, und zwar um gleich 16 Personen. Das hatte auch Elke Buthut überrascht. Der kleine Aufschwung liege an sechs Geburten, darunter eine Zwillingsgeburt. In Sallenthin wurde kein Sterbefall vermeldet, außerdem sei unter ein paar Zuzügen auch eine größere Familie gewesen. Auch in Vahrholz gibt es 13 Bürger mehr als noch im Jahr zuvor. Ebenfalls sei hier kein Einwohner verstorben und zwei größere Familien sing zugezogen.

Für eine Kommune ist es aus dreierlei Gründen wichtig, dass die Einwohnerzahlen nicht sinken, im besten Fall sogar steigen: Zum einen werde man von außen nur als gesunde Kommune wahrgenommen, wenn die Zahlen „im schlechtesten Fall stagnieren“, so Ruth. Zum anderen zögen erfahrungsgemäß vor allem junge Menschen weg, darunter viele Frauen. Das reduziere auch die Geburten in der Einheitsgemeinde. „Ein Teufelskreis“, sagt Karsten Ruth. Im Vergleich: 3900 Männer leben derzeit in der Einheitsgemeinde und 3761 Frauen. In neun Ortschaften (Faulenhorst, Jeggeleben, Kalbe, Klein Engersen, Vienau, Vietzen, Winkelstedt, Zethlingen uns Zierau) ist der Frauenanteil gering höher als der der Männer.

Abschließend hinzu käme dann noch die finanzielle Komponente, denn auch die Landeszuweisungen orientieren sich an Einwohnerzahlen.

Einfluss darauf nehmen, dass Einwohner, vor allem junge Menschen, in ihrer Heimatregion bleiben oder sich zum Zuzug entscheiden, kann man, so die Meinung des Bürgermeisters, auf kommunaler Ebene durch die Gestaltung eines guten sozialen Umfeldes. Dazu gehören gute Schulen und Kindergärten, denn stimmt hier die Qualität, werde den Eltern signalisiert, dass sie sich um die Betreuung ihrer Kinder keine Sorgen machen müssen. Da sei es auch nicht mehr so problematisch, wenn der Arbeitsplatz weiter entfernt wäre. Die Komponenten Kitas und Schulen seien in Kalbe gegeben. „Der Stadtrat investiert viel und regelmäßig in unsere Einrichtungen“, so Ruth. Haltefaktoren seien aber auch gut bezahlte und sichere Arbeitsplätze, mit diesen sei man in der Region allerdings „nicht überreichlich gesegnet“. Und hinzu kommt noch ein weiterer Faktor: schnelles Internet. Wenn es der Kommune gelänge, sich in diesem Punkt gut aufzustellen – der Zweckverband Breitband Altmark beginnt in diesem Jahr in der Einheitsgemeinde mit der Akquise –, dann sei dies nicht nur ein Attraktivitätsfaktor, sondern auch ein Haltefaktor: „Dies gibt auch der Möglichkeit von Heimarbeitsplätzen einen neuen Umfang“, so Ruth.

Von Hanna Koerdt

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