Für Entschlammung des Engersener Dorfteichs müssen verschiedene Auflagen erfüllt werden

Einfach ausbaggern? So einfach ist es nicht!

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Die Entschlammung des Engersener Dorfteiches ist aufwendiger als ursprünglich angenommen.

Engersen – Eigentlich hatte sich Uwe Wolff vom städtischen Bauhof die Sache unkompliziert vorgestellt: In Abstimmung mit dem Unterhaltungsverband Milde/Biese die Fische entnehmen, Wasser absenken, Schlamm ausbaggern und entsprechend entsorgen – fertig.

So war der Plan für den Engersener Dorfteich, der besonders den Anwohnern ringsherum, die sich bei Behörden beschwerten, in diesem Jahr unangenehm auffiel – der Wasserstand war niedrig, es stank und auf der Wasseroberfläche machten sich eklige Ablagerungen breit.

Begonnen wurde mit dem Absenken des Wassers, um die Bodenbeschaffenheit zu prüfen, im Oktober. Wobei aber ein Unglück passierte – ein Brett am Stau löste sich unbemerkt, wodurch zu viel Wasser entwich (wir berichteten). Die Arbeiten wurden daraufhin gestoppt und vom Kreisumweltamt geprüft, wie weiter verfahren werden muss. Nun steht fest: So einfach und schnell geht es nicht, die Stadt muss als Rechtsträger des Gewässers – Eigentümer sind offiziell die Nachkommen einer Gemeinschaftsseparation aus dem Jahr 1848 und der Unterhaltungsverband ist nur für den ordnungsgemäßen Zu- und Abfluss des Dorfteiches zuständig – verschiedene Auflagen erfüllen, für die Fremdfirmen beauftragt werden müssen. Deshalb wird die Maßnahme wohl erst 2020 laufen. Jedenfalls sind aktuell dafür 30 000 Euro eingeplant. Ob es dabei bleibt oder die Entschlammung für 2020 doch gestrichen wird, wird die weitere Haushaltsplanung ergeben – das entscheiden die Gremien in den nächsten Monaten. Jedenfalls handelt es sich um eine, eben durch die entsprechende naturschützende Gesetzgebung, sehr teure Unterhaltungsmaßnahme. Und eine freiwillige dazu: Da der Teich kein offizieller Feuerlöschteich ist, sieht das Kreisumweltamt eine Entschlammung als nicht zwingend notwendig an.

Die Gründe für die Notwendigkeit der Beantragung bei der Unteren Naturschutzbehörde sowie dem Einholen einer wasserrechtlichen Erlaubnis: Wasser wird entnommen und der Teich wieder befüllt. Es handelt sich nicht um eine regelmäßige Unterhaltungsmaßnahme. Die Mengen an Schlamm können nicht im Randbereich des Teiches eingebettet werden, sondern müssen, als Abfall ordnungsgemäß entsorgt werden. Und somit fallen folgende Auflagen an: Vor einer Entschlammung muss der Schlamm geprobt und analysiert werden. Das muss ein geeignetes Ingenieurbüro machen. Im Falle der Ausbringung des Schlamms auf einer landwirtschaftlichen Fläche muss die Nützlichkeit dieser Maßnahme nachgewiesen werden – ist der Schlamm überhaupt geeignet als Dünger? Wenn ja, muss auch das Düngemittelrecht beachtet werden. Und der Oberboden der Fläche muss beprobt und analysiert werden. Sind alle Unterlagen eingereicht sowie das Vorhaben verbal beschrieben und ist eine Erlaubnis erteilt worden, kann der Dorfteich entschlammt und gegebenenfalls Wurzelwerk etc. entfernt werden.

Nochmal: Einfach ausbaggern? So einfach ist es nicht.

VON HANNA KOERDT

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