Ranken an vielen Bäumen im Kalbenser Kurpark gekappt: Geister scheiden sich an Notwendigkeit

Efeu: Eigentlich eine klare Sache

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Mitarbeiter des Bauhofes sind im Kalbenser Kurpark auch damit beschäftigt, die vom Sturm umgestürzten Bäume zu zerkleinern und aus Geäst Benjeshecken aufzuschichten.

Kalbe. „Der Schaden ist irreparabel“, sagt Frank Tepper aus Kalbe. Er ist fassungslos darüber, dass im Kalbenser Kurpark die „Efeuranken, die seit Jahrzehnten wuchsen, heruntergeschnitten wurden“, so Tepper. Bei diesem Thema scheinen sich die Geister zu scheiden.

Denn der Efeu wurde entfernt, weil sich wiederum andere Bürger aus Kalbe beim Ortschaftsrat gemeldet und dies gefordert haben, „weil der Efeu den Baum erstickt“, so Kalbes Ortsbürgermeister Heiko Gabriel. 

Er hat die Forderungen dem Stadtrat mitgeteilt. Die Stadt ist diesen nun nachgekommen. Wegen der Bürgerbeschwerden, aber auch, weil dies von fachlicher Seite angeraten wurde. Beispielsweise innerhalb von Fortbildungen zur Grünpflege der Ordnungsamtsmitarbeiter, erklärt Kalbes Bürgermeister Karsten Ruth. Man wolle somit den alten Baumbestand im Kurpark sichern.

Für die Abnahme des Efeus plädierten Bürger, um den Baum zu schützen. Doch aus Sicht des Naturschutzes ist das völlig unnötig.

Doch ist Efeu tatsächlich schädlich für Bäume? „Grundsätzlich profitiert der Efeu vom Baum, führt aber nicht unmittelbar zur Schädigung“, sagt Joachim Funke, Sachgebietsleiter der Unteren Naturschutzbehörde des Altmarkkreises Salzwedel auf Nachfrage der Altmark-Zeitung. Efeu sei nicht nur dekorativ, sondern biete dem Baum sogar Schutz, beispielsweise vor Frostschäden und Sonnenbrand. Er „kann beeinträchtigen“, wenn er hoch in den Kronen wächst und der Baum dadurch voll belaubt ist, denn gerade bei Stürmen sind die Bäume dann windanfälliger. „Die Literatur geht da auseinander“, sagt Funke. Aus Sicht der Naturschutzbehörde „tendieren wir gegen die Entfernung. Es gibt sehr alte Bäume, mit altem Efeu und sie sind gesund“, argumentiert der Sachgebietsleiter. Außerdem sei Efeu ein Biotop und biete Lebensraum für Insekten und Tiere.

Frank Tepper verweist auch auf einschlägige Artikel zum Thema, beispielsweise vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland. Die Kreisgruppe Region Hannover hat einen Bericht veröffentlicht, in dem der Forschungsstand dargestellt wird. Nicht nur aus diesem gehe eindeutig hervor, dass der „Baum mordende Efeu“ ein überholter Mythos sei. Zur Entfernung der Lianen heißt es: „Wenn große Efeupflanzen einfach in Bodennähe gekappt und tot in den Bäumen hängen gelassen werden, kann die früher oder später herunterfallende Liane Schaden anrichten. Diese Methode ist deshalb als unfachgerecht abzulehnen.“ (Quelle: „Efeu an Bäumen – ein Problem?“, BUND). Abgesehen davon sehen die toten Stränge „fürchterlich aus“, bedauert Tepper.

Momentan werden auch Bäume im Kurpark zersägt. Das sind allerdings nur diejenigen, die von vergangenen Stürmen umgehauen wurden. Die Bauhofmitarbeiter sind auch dabei, die angefallenen Äste und Zweige zu Benjeshecken zu schichten, die Tieren einen Lebensraum geben.

Von Hanna Koerdt

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